Wirkungswissenschaften wirkungsf… · Onlinefassung · Abschnitt 12 von 26

5. Begriffliche Grundlegung: Wirkung als neutrale#

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Zustandsveränderung Der zentrale Begriff ist Wirkung. In der Wirkungsökonomie bezeichnet Wirkung die tatsächliche Veränderung von Zuständen. Diese Definition ist bewusst neutral und relational. Wirkung ist zunächst weder gut noch schlecht. Sie wirkt immer auf jemanden oder etwas: Menschen, Tiere, Ökosysteme, Organisationen, Märkte, Medienräume, Institutionen, Demokratien, künftige Generationen. Erst eine Wirkungsbewertung ordnet die Zustandsveränderung normativ ein. Diese Trennung ist entscheidend. Viele Debatten verwenden Wirkung automatisch positiv: Wirkung erzielen, Wirkung entfalten, Impact generieren. Aus wirkungswissenschaftlicher Sicht ist das ungenau. Auch Desinformation wirkt. Auch Kinderarbeit wirkt. Auch fossile Infrastruktur wirkt. Auch ein manipulativer Algorithmus wirkt. Auch ein vermeintlich effizienter Marktpreis wirkt, wenn er soziale oder ökologische Folgekosten verdeckt. Wirkung ist daher nicht mit positiver Wirkung gleichzusetzen.

Positive Wirkung liegt im Weber’schen Rahmen vor, wenn eine Veränderung auf Mensch, Planet und Demokratie einzahlt. Negative Wirkung liegt vor, wenn eine Veränderung diese Dimensionen schwächt, blockiert oder zerstört. Neutrale Wirkung liegt vor, wenn keine relevante Veränderung nachweisbar ist oder die Veränderung im jeweiligen Bewertungsrahmen neutral bleibt. Ziel der Wirkungsökonomie ist nicht Wirkung an sich, sondern positive Netto-Wirkung. Daraus folgt eine zweite zentrale Trennung: Wirkung ist nicht Absicht. Eine gute Absicht kann wirkungslos bleiben oder schädliche Nebenwirkungen entfalten. Wirkung ist nicht Output. Ein Schulungsprogramm kann viele Teilnehmende erreichen, ohne Verhalten, Wissen oder Lebenslage zu verändern. Wirkung ist nicht Image.

Ein nachhaltiges Narrativ kann positive Resonanz erzeugen, ohne reale Zustände zu verbessern. Wirkung ist nicht Bericht. Ein ESG-Report kann Daten enthalten, ohne dass diese Daten in Preise, Steuern oder Entscheidungen zurückwirken. Wirkung ist nicht Moral. Eine moralische Haltung kann wichtig sein, beweist aber keine Zustandsveränderung. Definition 1: Wirkung

Wirkung ist die tatsächliche Veränderung von Zuständen. Sie kann positiv, negativ oder neutral sein. Sie ist relational, braucht einen Bezugspunkt und wird erst im Referenzrahmen Mensch, Planet und Demokratie bewertet. Definition 2: Positive Netto-Wirkung Positive Netto-Wirkung liegt vor, wenn eine Aktivität unter Berücksichtigung positiver, negativer, indirekter und nicht-kompensierbarer Wirkungen Mensch, Planet und Demokratie insgesamt stärkt.