Arbeitspapier Doppelte Wesentlic… · Onlinefassung · Abschnitt 25 von 72
9.2 Impact-Management als Antwort auf Silos#
In vielen Unternehmen arbeiten Nachhaltigkeit, Risikomanagement, Controlling und Strategie noch nebeneinander. Die doppelte Wesentlichkeit macht diese Trennung unpraktisch. Ein Thema wie Wasserstress ist gleichzeitig Impact, Risiko, Kostenfaktor, Lieferkettenfrage, Reputationsfrage und Resilienzfrage. Es kann nicht nur im Nachhaltigkeitsteam liegen.
Impact-Management muss deshalb bereichsübergreifend organisiert sein. Das Nachhaltigkeitsteam liefert nicht allein die Wahrheit. Die Risikofunktion liefert nicht allein die Relevanz. Das Controlling liefert nicht allein die Steuerung. Erst die Verbindung erzeugt Wirkungskompetenz.
10. Impact-Controlling: von KPI zu KII, NWI und T-SROI Impact-Controlling ist die laufende Steuerung von Wirkung. Es erweitert klassisches Controlling, ersetzt es aber nicht. Unternehmen brauchen weiterhin Finanzkennzahlen, Liquidität, Kosten, Ergebnis, Produktivität und operative Performance. Aber diese Kennzahlen zeigen nicht, welche Zustände ein Unternehmen verändert. Der Unterschied zwischen KPI und KII ist zentral. KPI bedeutet Key Performance Indicator. Ein KPI zeigt, wie leistungsfähig ein Prozess aus Sicht des Unternehmens ist: Umsatz, Marge, Cashflow, Lieferzeit, Marktanteil, Auslastung. KII bedeutet Key Impact Indicator. Ein KII zeigt, welche Wirkung ein Prozess, Produkt, Standort, Lieferant oder Projekt erzeugt: Emissionen, Wasserstress, Living- Wage-Abdeckung, Unfallrate, Reparierbarkeit, Datenschutzverletzungen, Lieferantenbeschwerden, Produktsicherheit, Vertrauenswirkung oder Resilienz.
Impact-Controlling beginnt nicht bei der jährlichen Berichterstattung, sondern im Plan-Ist-Vergleich. Es fragt: Welche Wirkung war geplant? Was ist tatsächlich passiert? Warum gibt es Abweichungen?
Welche Maßnahmen wirken? Welche Nebenwirkungen entstehen? Welche Risiken steigen? Welche Ziele müssen angepasst werden? Welche Entscheidung muss sich jetzt ändern?
Für die Wirkungsökonomie kommen zwei zusätzliche Ebenen hinzu. Der Netto-Wirkungs-Index, NWI, ist als WÖk-eigene operative Kennzahl zu verstehen, die positive und negative Wirkungen unter Mindestbedingungen, Datenqualität, Zeitwirkung und Nichtkompensation zusammenführt. Der T- SROI, Transformational Social Return on Investment, ist ein WÖk-eigener Vorschlag für eine Transformationskennzahl. Er fragt nicht nur, ob ein Projekt positive Netto-Wirkung hat, sondern ob es Systempfade, Märkte, Standards, Lieferketten, Kapitalflüsse oder Resilienz verändert.
Wichtig ist die Abgrenzung: SROI existiert als etablierter externer Ansatz zur Monetarisierung sozialer Wirkung. T-SROI in der Wirkungsökonomie ist ein eigener, weiterentwickelter Vorschlag. Er ist nicht heutiger gesetzlicher Standard. Ebenso ist der hier verwendete NWI als Netto-Wirkungs-Index ein WÖk-Begriff und nicht mit anderen NWI-Abkürzungen, etwa nationalen Wohlfahrtsindizes, zu verwechseln. 10.1 Controlling-Architektur Ebene Frage Instrumente Entscheidung KPI Ist das Unternehmen wirtschaftlich handlungsfähig? Umsatz, Marge, Cashflow, Produktivität, Qualität. Budget, Kosten, Effizienz, Profitabilität. KII Welche Zustände verändern wir? CO2, Wasser, Arbeit, Gesundheit, Biodiversität, Governance, Resilienz. Maßnahmen, Lieferanten, Produktdesign, Risikosteuerung. Scorecard Wie wird ein Wirkungsfeld Skalen, Benchmarks, WÖk- Priorisierung und