WÖMM 2.0 · Onlinefassung · Abschnitt 27 von 68

15. Business Architecture, Capabilities und Zielarchitektur#

PDF-Fassung

Capability Maps beantworten eine Frage, die Organigramme und Projektpläne nicht zuverlässig beantworten: Was muss das Wirkungssystem dauerhaft können, unabhängig davon, welche Abteilung oder Technologie diese Fähigkeit heute bereitstellt?

15.1 Wirkungs-Capabilities#

Capability-Ebene Beschreibung Beispiele Strategische Fähigkeiten Ermöglichen Richtung, Priorisierung und Transformation. Wirkungsstrategie, Foresight, Portfolio-Steuerung, Ecosystem-Orchestrierung. Kernfähigkeiten Erzeugen das Wirkungsversprechen unmittelbar.

Gesunde Versorgung, klimaneutrale Mobilität, vertrauenswürdige Information, faire Finanzierung.

Unterstützende Fähigkeiten Sichern die Leistungserbringung. Einkauf, HR, Finanzen, Recht, Daten, Technologie, Kommunikation. Schutzfähigkeiten Verhindern unzulässige Schäden und Ausfälle.

Compliance, Informationssicherheit, Grundrechtsschutz, Business Continuity, Safety.

Adaptive Fähigkeiten Erkennen Veränderung und erneuern das System.

Lernen, Innovation, Krisenreaktion, Szenarien, Wissensmanagement.

15.2 Capability-to-Impact-Mapping#

8. Wirkungsziel und relevante Wirkungsempfänger festlegen.

9. Wirkungspfade, rote Linien und kritische Systembedingungen bestimmen.

10. Benötigte Capabilities ableiten, ohne vorschnell bestehende Organisationseinheiten zu übernehmen.

11. Capability-Reife, Performance, Resilienz, Datenlage und Abhängigkeiten bewerten.

12. Fähigkeitslücken nach Wirkung, Risiko und Zeitkritikalität priorisieren.

13. Investitionen, Verantwortliche, Zielreife und Übergangszustände festlegen.

14. Prüfen, ob der Capability-Aufbau tatsächlich Nutzung, Nutzen und Wirkung ermöglicht.

15.3 Architekturprinzipien#

 Fähigkeiten werden nicht mit Abteilungen, Prozessen oder Anwendungen gleichgesetzt.

 Architektur folgt Wirkung und Wertströmen, nicht primär historischer Hierarchie.

 Zielarchitekturen enthalten Übergangszustände; ein Big-Bang-Umbau ist kein Qualitätsmerkmal.

 Gemeinsame Plattformen reduzieren kognitive und technische Last, dürfen aber keine unkontrollierte Machtkonzentration schaffen.  Daten, Technologie und KI bleiben dienende Architekturteile; normative Entscheidungshoheit wird nicht delegiert.

 Jede kritische Capability besitzt Owner, Reifeziel, Resilienzanforderung und Lernmechanismus.

Capability-Regel Investitionen werden nicht nur als Projekte oder Systeme begründet. Sie werden als Aufbau, Erhalt, Schutz oder Rückbau konkreter Wirkungsfähigkeiten entschieden.

Anschlussquellen: The Open Group: TOGAF Business Architecture Guides · Business Architecture Guild: BIZBOK und Referenzmodelle · Galbraith:

Star Model als kompatibles Organisationsdesignmodul