WÖMM 2.0 · Onlinefassung · Abschnitt 6 von 68

2. Positionierung als eigenständige Managementlehre#

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2.1 Was das WÖMM ist#

Das WÖMM ist ein integriertes, systemisches und lernorientiertes Managementmodell. Es verbindet normative Orientierung, empirische Wirkungsanalyse, strategische Gestaltung, wirtschaftliche Tragfähigkeit, operative Umsetzung, Governance und Rückkopplung. Es kann auf Unternehmen, Geschäftsbereiche, Produkte, Projekte, öffentliche Organisationen, Netzwerke und Partnerschaften angewendet werden.

Das Modell ist zugleich deskriptiv, normativ und operativ. Deskriptiv beschreibt es Organisationen als Wirkungssysteme.

Normativ bewertet es Zustandsveränderungen am Referenzrahmen Mensch, Planet und Demokratie. Operativ stellt es Managementfelder, Prozesse, Rollen, Kennzahlen und Methoden bereit, die Wirkung in Entscheidungen zurückführen.

2.2 Was das WÖMM nicht ist#

Keine Personenbewertung: Das Modell bewertet Tätigkeiten, Angebote, Systeme und Entscheidungen - nicht den gesellschaftlichen Wert eines Menschen. Keine Zentralplanung: Märkte, Unternehmertum, Eigentum und dezentrale Entscheidungen bleiben erhalten. Der Staat oder die Unternehmensspitze schreibt nicht jede Lösung vor; das System verbessert Rückkopplung und Grenzen.

Keine reine Moraltheorie: Bewertung braucht öffentliche Referenzrahmen, Daten, Benchmarks, Begründung, Transparenz und Widerspruch. Kein Ein-Zahlen-System: NWI und T-SROI verdichten bestimmte Fragen, ersetzen aber weder Wirkungsgrenzen noch Wirkungsprofile, Datenqualität, Unsicherheit und qualitative Begründung.

Kein starres Zertifikat: Das Modell ist versioniert, lernfähig und muss bei neuen Erkenntnissen, Technologien, Risiken und gesellschaftlichen Zielen angepasst werden.

Kein Ersatz für Fachmanagement: Finanz-, Qualitäts-, Risiko-, Personal-, Technologie- und Prozesskompetenz bleiben notwendig. Das WÖMM gibt ihnen einen gemeinsamen Wirkungsrahmen.

2.3 Verhältnis zu bestehenden Managementlinien#

Das WÖMM schließt an systemische Unternehmensführung, Kybernetik, Stakeholder-Theorie, lernende Organisation, strategisches Controlling, Business Model Innovation und Design Thinking an. Es übernimmt jedoch keine dieser Linien unverändert. Von St. Gallen übernimmt es den offenen Systemblick; von Malik und Beer die Bedeutung von Lebensfähigkeit, Rekursion und Rückkopplung; von Design Thinking die iterative Erkundung; vom Business Model Canvas die visuelle Verdichtung; von der Balanced Scorecard die Verbindung verschiedener Steuerungsgrößen. Neu ist die gemeinsame Ordnung durch positive Netto-Wirkung, Wirkungsgrenzen, Wirkungsordnungen und Rückkopplung in reale Anreize.

Tabelle 4: Verschiebung der Managementfragen Dimension Klassische Leitfrage WÖMM-Leitfrage Zweck Was ist unser Geschäft? Welche positive Netto-Wirkung legitimiert unser Geschäft und welche Grenzen gelten? Strategie Wo wollen wir gewinnen? Welche Zustände wollen wir verbessern und welche Systemhebel verändern Entscheidungsstrukturen? Geschäftsmodell Wie schaffen, liefern und monetarisieren wir Wert?

Wie erzeugen wir tragfähige positive Netto- Wirkung ohne Schäden zu verlagern? Innovation Ist die Lösung attraktiv, machbar und wirtschaftlich? Ist sie zusätzlich legitim, netto positiv, resilient und lernfähig? Dimension Klassische Leitfrage WÖMM-Leitfrage Organisation Wie verteilen wir Aufgaben und Verantwortung?

Wie organisieren wir Wirkung, Widerspruch, Daten, dezentrale Entscheidung und Korrektur?

Controlling Erreichen wir Plan, Budget und KPI? Welche Zustände verändern sich, wie sicher wissen wir das und welche Entscheidung folgt daraus?

Führung Wie setzen wir Ziele durch? Wie gestalten wir Orientierung, psychische Sicherheit, Rückkopplung und Systemintelligenz?

2.4 WÖMM als Meta-Architektur statt Methodenlexikon#

WÖMM unterscheidet drei Ebenen. Diese Trennung verhindert sowohl Lücken als auch Name-Dropping:

Ebene Inhalt Beispiele WÖMM-Kern Zeitstabile Wirkungs-, Management- und Governanceprinzipien. Mensch-Planet-Demokratie, positive Netto- Wirkung, Nichtkompensation, Wirkungsrad, Realisierungsarchitektur. WÖMM-Funktionsarchitektur Die 17 Managementfunktionen, die jedes leistungsfähige Wirkungssystem abdecken muss.

Strategie, Capabilities, Prozesse, Change, Delivery, Risiko, Daten, KI, Assurance, Lernen. Kompatible Fachmodule Spezialisierte Standards und Methoden, die in ihrer Domäne präzise bleiben. TOGAF, BPMN, EFQM, ISO 9001, ISO 31000, ISO 22301, ISO 42001, PMI, Lean, Scrum, Team Topologies. Eine Fachmethode wird nicht danach bewertet, ob sie modern oder populär klingt. Entscheidend ist, welche Funktion sie erfüllt, welche Voraussetzungen sie hat, welche Wirkungsblindheiten sie besitzt und wie sie in die gemeinsame Rückkopplungsarchitektur eingebunden wird.

Anschlussquellen: Weber: Die neue Ordnung des Wohlstands, Kapitel 42-47 · ISO 37000:2021 · ISO 9001:2015 / Revision 2026 · The Open Group:

TOGAF · Business Architecture Guild: BIZBOK