WÖMM 2.0 · Onlinefassung · Abschnitt 14 von 68
2. Kontext und Systemanalyse#
Strategie ohne Systemverständnis optimiert leicht die falsche Variable. Die Kontext- und Systemanalyse erweitert Markt- und Stakeholderanalysen um Wirkungsempfänger, Wirkungsräume, Ressourcenflüsse, Abhängigkeiten, Macht, Daten, Zeitverzögerungen und Wirkungen verschiedener Ordnung. Sie ist die Landkarte, auf der Entscheidungen verortet werden.
Leitfrage In welchem System handeln wir, welche Zustände bestehen, wer ist betroffen und wo liegen Hebel, Engpässe und Rückkopplungen?
Managementauftrag#
Den tatsächlichen Wirkungsraum, Abhängigkeiten, Wirkpfade, Macht- und Informationsstrukturen sichtbar machen.
Entscheidungsgegenstände#
Systemgrenze und Zeithorizont priorisierte Wirkungsräume und Empfänger kritische Abhängigkeiten und Engpässe relevante Trends, Risiken und Kipppunkte Annahmen, Evidenzlücken und Untersuchungsbedarf
Standardprozess#
1. Ausgangszustand und Entscheidungsanlass klären 2. Wirkungsempfänger, Räume, Daten und Annahmen erfassen 3. Wirkungsgrenzen und Mindestanforderungen prüfen 4. Optionen entwickeln und Wirkpfade vergleichen 5. Entscheidung mit Verantwortlichkeit, Ressourcen und Rückkopplung dokumentieren 6. Wirkung beobachten, Nebenwirkungen prüfen und Entscheidung korrigieren
Methoden und Instrumente#
Tabelle 13: Methodenprofil - 2. Kontext und Systemanalyse Methode Einsatz Wirkungssystem-Landkarte Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Wirkungsnetz Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Wirkungspfad-Analyse Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Systemhebel-Map Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Szenario- und Resilienzanalyse Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Materialitäts- plus Wirkungsanalyse Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt.
Verbindliche Ergebnisse#
Systemkarte Wirkungsempfänger-Register Hebel- und Engpasshypothesen Risiko- und Chancenlandkarte Evidenz- und Datenlückenplan
Beispielhafte Key Impact Indicators#
Tabelle 14: KII-Beispiele - 2. Kontext und Systemanalyse KII / Steuerungsgröße Interpretation Abdeckung wesentlicher Wirkungsräume Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Anteil kritischer Abhängigkeiten mit Szenario Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Anzahl ungeklärter Hochrisiko-Annahmen Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Aktualität der Systemkarte Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. KII / Steuerungsgröße Interpretation Beteiligungsbreite der Analyse Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert.
Typische Fehlsteuerungen#
nur bekannte Stakeholder betrachten Bilanzgrenze mit Wirkungsgrenze verwechseln lineare Wirkungsketten unterstellen Zukunft und Rebound ausblenden Komplexität sammeln, aber keine Priorität setzen Abschlusskriterium Das Managementfeld gilt nicht als etabliert, weil ein Dokument existiert. Es gilt als etabliert, wenn die Ergebnisse in realen Entscheidungen genutzt, Verantwortlichkeiten geklärt, Daten verfügbar, Wirkungsgrenzen beachtet und Lernschleifen nachweisbar geschlossen werden.
Erweiterung WÖMM 2.0: Foresight und Annahmenarchitektur#
Kontextanalyse wird um Horizon Scanning, schwache Signale, Szenarien, Diskontinuitäten und ein versioniertes Annahmenregister erweitert. Jede strategisch kritische Annahme erhält Evidenzgrad, Zeithorizont, Frühindikator, verantwortliche Rolle und Auslöser für Neubewertung. Nicht nur der wahrscheinlichste Verlauf, sondern auch robuste Optionen unter mehreren plausiblen Zukünften werden geprüft.