WÖMM 2.0 · Onlinefassung · Abschnitt 18 von 68
6. Wertschöpfung und Lieferkette#
Die Bilanzgrenze ist keine Wirkungsgrenze. Beschaffung, Produktion, Logistik, Nutzung und Ende eines Produkts tragen einen großen Teil der Wirkung. Das WÖMM verbindet Lieferantenauswahl, Produktpässe, Scorecards, NACE-/WÖk-ID-Zuordnung, Kreislaufdesign, Arbeitsstandards und Resilienz zu einer Managementlogik. Leitfrage Wie entstehen Angebot und Leistung über Rohstoffe, Arbeit, Energie, Daten, Logistik, Nutzung und Ende - und wo liegen die stärksten Hebel?
Managementauftrag#
Interne und externe Wertschöpfung als durchgängige Wirkungskette mit Daten, Verantwortung und Verbesserungsanreizen gestalten.
Entscheidungsgegenstände#
Make-or-buy und Lieferantenauswahl Mindeststandards und Wirkungsgrenzen Material-, Energie- und Logistikdesign Daten- und Nachweisanforderungen Vorsteuer-/Bonus- und Preissignale im Zielsystem Kreislauf- und Rücknahmemodelle
Standardprozess#
1. Ausgangszustand und Entscheidungsanlass klären 2. Wirkungsempfänger, Räume, Daten und Annahmen erfassen 3. Wirkungsgrenzen und Mindestanforderungen prüfen 4. Optionen entwickeln und Wirkpfade vergleichen 5. Entscheidung mit Verantwortlichkeit, Ressourcen und Rückkopplung dokumentieren 6. Wirkung beobachten, Nebenwirkungen prüfen und Entscheidung korrigieren
Methoden und Instrumente#
Tabelle 21: Methodenprofil - 6. Wertschöpfung und Lieferkette Methode Einsatz Lieferketten-Wirkungslandkarte Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Lieferanten-Scorecard Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Hotspot-Analyse Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Digital-Product-Passport-Blueprint Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Cradle-to-Cradle-/Kreislaufdesign Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt. Resilienz- und Dual-Sourcing-Analyse Wird für Analyse, Gestaltung oder Entscheidung im Managementfeld eingesetzt.
Verbindliche Ergebnisse#
Wirkungsanforderungen an Beschaffung Lieferantenentwicklungsplan Produkt- und Prozessscorecards Datenflussmodell Kreislauf- und Ausstiegspläne
Beispielhafte Key Impact Indicators#
Tabelle 22: KII-Beispiele - 6. Wertschöpfung und Lieferkette KII / Steuerungsgröße Interpretation Anteil rückverfolgbarer kritischer Vorleistungen Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Anteil Lieferanten über Mindestscore Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Scope-3- und Lieferketten-Datenqualität Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Materialzirkularität und Reparierbarkeit Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Living-Wage-/Arbeitsschutzabdeckung Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert. Konzentrations- und Ausfallrisiko Wird mit Bezugspunkt, Zeitraum, Datenqualität, Zielwert und Entscheidungsregel dokumentiert.
Typische Fehlsteuerungen#
Lieferanten nur auditieren statt entwickeln Datenanforderungen ohne Standardisierung Kleinbetriebe überfordern Durchschnittsscore verdeckt rote Linie lokale Optimierung erhöht Gesamtrisiko Abschlusskriterium Das Managementfeld gilt nicht als etabliert, weil ein Dokument existiert. Es gilt als etabliert, wenn die Ergebnisse in realen Entscheidungen genutzt, Verantwortlichkeiten geklärt, Daten verfügbar, Wirkungsgrenzen beachtet und Lernschleifen nachweisbar geschlossen werden.
Erweiterung WÖMM 2.0: Wirkungswertströme und Prozessarchitektur#
Wertströme werden nicht nur auf Zeit und Kosten, sondern auf Zustandsveränderung, Betroffene, externe Kosten, Datenherkunft und Resilienz untersucht. End-to-End-Prozesse, Services, Kontrollen und Schnittstellen werden mit BPMN, Service Blueprints, Process Mining und Prozess-KII anschlussfähig gemacht. Lieferketten werden als grenzüberschreitende Wirkungs- und Abhängigkeitsnetze statt bloßer Beschaffungsketten gesteuert.