Produkt und Lieferkette bestimmen
Praxisbeispiel · Wirkungssteuer
Apfel & T-Shirt: Wie Wirkung in den Preis kommt
Zwei einfache Beispiele zeigen, wie die Wirkungsökonomie Produktwirkung sichtbar macht - vom Rohstoff über die Lieferkette bis zum Endpreis.
Ein Produkt ist nie nur ein Produkt. Es ist Rohstoff, Arbeit, Energie, Wasser, Transport, Nutzung, Entsorgung und Wirkung. Diese Seite zeigt an zwei Beispielen, wie aus Wirkungsdaten eine Scorecard, daraus eine Steuerklasse und daraus ein Endpreis entsteht.
Kurzlogik
Die Rechnung in 6 Schritten
Relevante Wirkungsfelder zuordnen
Daten erfassen
Score je Feld berechnen
Reverse Merit Order anwenden
Steuerklasse und Endpreis ableiten
Ökonomische Logik
Warum das schädliche Produkt heute oft billiger ist
Heute wirkt ein schädliches Produkt oft günstiger als ein verantwortliches Produkt. Das liegt nicht daran, dass es volkswirtschaftlich effizienter ist. Es liegt daran, dass ein Teil seiner Kosten nicht im Preis auftaucht.
Wenn ein Apfel mit hohem Wasserverbrauch, Pestizideinsatz und langen Transportwegen billiger angeboten wird als ein regionaler Bio-Apfel, dann ist der Preis nicht vollständig. Er enthält nicht die späteren Kosten von Wasserstress, Bodenschäden, Gesundheitsrisiken, Artenverlust oder Klimafolgen.
Wenn ein T-Shirt durch Niedriglöhne, gefährliche Chemikalien, kurze Nutzungsdauer und schlechte Rücknahme billiger wird, dann spart das Unternehmen nicht wirklich Kosten. Es verschiebt sie. Andere zahlen später: Beschäftigte, Gesundheitssysteme, Kommunen, Ökosysteme, künftige Generationen und der Staat.
Die Wirkungsökonomie nennt das Wirkungsblindheit im Preis. Der Markt sieht nur den sichtbaren Preis, nicht die Folgekosten.
Vermeidung ist oft billiger als Reparatur
Ein zentraler Irrtum heutiger Preise besteht darin, dass nur die direkten Produktionskosten zählen. Wenn saubere Produktion teurer ist, erscheint sie im Markt als Nachteil. Aber das vergleicht nur den heutigen Produktpreis - nicht die späteren Schäden.
Die entscheidende Frage lautet: Was kostet es, Schaden zu vermeiden - und was kostet es, Schaden später zu reparieren?
Landwirtschaft
Saubere Produktion kostet mehr als billige Pestizidproduktion. Aber zerstörte Böden, Insektenverlust, Wasserbelastung und Gesundheitsfolgen kosten die Gesellschaft später oft mehr.
Arbeit
Faire Löhne erhöhen den Produktpreis. Ausbeutung, Krankheit, Armut, Migration, Instabilität und Sozialkosten sind langfristig teurer.
Kreislauf
Kreislauffähige Produkte sind in der Herstellung anspruchsvoller. Müll, Ressourcenverlust, Mikroplastik, Entsorgung und Neubeschaffung erzeugen hohe Folgekosten.
Klima
Klimafreundliche Produktion braucht Investitionen. Klimaschäden, Extremwetter, Ernteausfälle, Versicherungsverluste und Infrastrukturreparaturen sind volkswirtschaftlich viel teurer.
Der Schaden ist oft größer als die Kosten, ihn zu vermeiden.
Heute rechnet sich oft der falsche Weg
Heutige Preislogik
- Unternehmen senkt direkte Kosten
- Umwelt- und Sozialschäden bleiben außerhalb des Preises
- Produkt wirkt billig
- Gewinn steigt
- Gesellschaft zahlt später
- Politik muss mit Subventionen, Verboten und Reparaturprogrammen nachsteuern
Wirkungsökonomische Preislogik
- Wirkung wird sichtbar
- Schäden werden in Steuerklasse und Preis rückgekoppelt
- positive Wirkung wird entlastet
- negative Wirkung verliert Preisvorteil
- Unternehmen haben Anreiz, sauberer zu produzieren
- Gesellschaft spart Reparatur-, Gesundheits-, Klima- und Folgekosten
Die Wirkungsökonomie macht schädliche Produktion nicht künstlich teuer. Sie beendet den künstlichen Preisvorteil, der durch ausgelagerte Schäden entsteht.
Warum Unternehmen heute an Schäden verdienen können
Im heutigen System kann ein Unternehmen mehr Gewinn erzielen, wenn es Kosten nicht selbst trägt. Wer weniger für faire Löhne, sauberes Wasser, sichere Arbeitsbedingungen, Bodenschutz, Reparierbarkeit oder Rücknahme ausgibt, kann billiger anbieten oder höhere Margen erzielen.
Das ist kein individuelles Moralproblem einzelner Unternehmen. Es ist ein systemischer Fehlanreiz. Solange Schäden nicht im Preis erscheinen, entsteht ein Wettbewerbsvorteil durch Externalisierung.
- Wer sauber produziert, trägt die Kosten selbst.
- Wer schädlich produziert, verschiebt einen Teil der Kosten auf andere.
- Dadurch kann das schädliche Produkt billiger erscheinen.
- Der Gewinn steigt, obwohl gesellschaftlich Wohlstand verloren geht.
Der Gewinn steigt, weil die Rechnung unvollständig ist.
Warum das Wohlstandsverlust ist
Ein billiges Produkt kann Wohlstand vortäuschen und gleichzeitig Wohlstand zerstören. Wenn ein T-Shirt billig ist, aber Wasser verschmutzt, Menschen krank macht, Müll erzeugt und nach kurzer Nutzung ersetzt werden muss, entsteht kein echter Wohlstandsgewinn. Es entsteht Scheinwohlstand.
Echter Wohlstand bedeutet nicht nur niedriger Preis. Echter Wohlstand bedeutet gesunde Menschen, stabile Böden, sauberes Wasser, weniger Reparaturkosten, faire Arbeit, weniger Abhängigkeit, mehr Resilienz, demokratisches Vertrauen und geringere Zukunftsschäden.
Ein niedriger Preis ist kein Wohlstand, wenn er höhere Schäden auslöst.
Warum die Wirkungsökonomie langfristig spart
Die Wirkungsökonomie verteuert nicht "einfach alles". Sie verschiebt Kosten dorthin, wo sie entstehen, und entlastet dort, wo positive Netto-Wirkung erzeugt wird.
Weniger Folgekosten
Weniger Klima-, Gesundheits-, Boden-, Wasser-, Abfall- und Entsorgungskosten.
Weniger Risiken
Weniger Lieferkettenrisiken, soziale Instabilität und nachträgliche Krisenbürokratie.
Weniger Reparatur
Weniger Subventionen zur Reparatur falscher Anreize, mehr Prävention.
Mehr Lernfähigkeit
Wirkungsdaten machen Verbesserungen und Korrekturen nachvollziehbar.
Die WÖk ist deshalb keine reine Belastungslogik. Sie ist eine Vermeidungslogik. Sie macht Prävention ökonomisch attraktiver als Reparatur.
Die günstigste Krise ist die, die gar nicht erst entsteht.
Die vollständige Rechnung
Sichtbarer Preis
Material, Lohn, Transport, Marge, Steuer
Ausgelagerte Kosten
Klima, Wasser, Gesundheit, Arbeit, Abfall, Biodiversität
Gesellschaftliche Gesamtkosten
Sichtbarer Preis plus ausgelagerte Schäden plus Reparaturkosten
Wirkungsbasierter Preis
Sichtbarer Preis plus Rückkopplung negativer Wirkung minus Entlastung positiver Wirkung.
Heute
Sichtbarer Produktpreis = Material + Arbeit + Transport + Marge + Steuer.
Nicht sichtbar: Klima-, Gesundheits-, Wasser-, Boden-, Arten-, Sozial-, Reparatur-, Bürokratie- und Zukunftskosten.
Wirkungsökonomie
Wirkungsbasierter Produktpreis = Material + Arbeit + Transport + Marge + Wirkungssteuer / Bonus-Malus + sichtbarer Wirkungsscore + Rückkopplung in Lieferkette.
Schädliche Produkte verlieren ihren versteckten Preisvorteil. Positive Produkte werden marktfähiger. Gesellschaftliche Folgekosten sinken.
Schädliche Produkte sind heute nicht wirklich günstig. Sie sind unvollständig bepreist.
Externalisierte Kosten verschwinden nicht. Sie werden nur von anderen bezahlt.
Die Wirkungsökonomie macht nicht Verantwortung teuer. Sie macht Verantwortung wettbewerbsfähig.
Positive Produkte werden nicht durch Moral belohnt, sondern durch vermiedene Folgekosten.
Der Markt soll nicht ersetzt werden. Er soll endlich bessere Preissignale bekommen.
Wohlstand entsteht nicht, wenn wir Schäden billig einkaufen und teuer reparieren.
Visualvergleich
Apfel und T-Shirt im Überblick
Die Bilder sind visuelle Einstiegsgrafiken. Alle zentralen Werte, Schritte, Begriffe und Rechnungen stehen zusätzlich als HTML darunter.
Praxisbeispiel
Apfel
Regional, bio, pestizidarm, kurze Wege, faire Arbeit. Gegenbeispiel: Lange Transportwege, hoher Wasserstress, Pestizideinsatz, geringere Sozialstandards.
Praxisbeispiel
T-Shirt
Fair, regenerativ, langlebig, reparierbar, kreislauffähig. Gegenbeispiel: Wasserstress, Chemikalien, prekäre Arbeit, kurze Nutzung, hohe Entsorgungslast.
Beispiel 1
Beispiel Apfel: vom Wirkungsprofil zum Endpreis
Ein Apfel ist ein einfaches Alltagsprodukt, aber seine Wirkung reicht von Landwirtschaft, Wasser und Transport bis Biodiversität, Gesundheit und Arbeitsbedingungen.
Produkt bestimmen
Ein Apfel wird als Landwirtschaftliches Produkt / Kernobst eingeordnet. Relevante Wirkungsfelder sind Ernährung, Wasser, Arbeit, nachhaltige Produktion, Klima, Biodiversität.
Daten erfassen
- CO2-Fußabdruck
- Wasserverbrauch / Wasserstress
- Bodenqualität / Biodiversität
- Pestizideinsatz / Rückstände
- Living-Wage / Arbeitsbedingungen
- Transportweg
- Verpackung / Food Loss
Scorecard bilden
Die Daten werden je Wirkungsfeld in eine Scorecard übersetzt.
Reverse Merit Order anwenden
Nicht der Durchschnitt entscheidet. Das schwächste relevante Feld begrenzt die Gesamtbewertung. So kann ein gutes Feld einen schweren Schaden nicht überdecken.
Steuerklasse ableiten
Regionaler Bio-Apfel: 5 %. Import-Apfel mit negativer Wirkung: 25 %.
Endpreis und Geldfluss erklären
Die Steuer wird aus Netto-Preis und Wirkungssteuersatz berechnet und entlang der Kette als Rückkopplung sichtbar.
Positive Variante
Regionaler Bio-Apfel
Regional, bio, pestizidarm, kurze Wege, faire Arbeit.
Negative Variante
Import-Apfel mit negativer Wirkung
Lange Transportwege, hoher Wasserstress, Pestizideinsatz, geringere Sozialstandards.
Scorecard
| Feld | Indikator | Positive Variante | Negative Variante | Score positiv | Score negativ |
|---|---|---|---|---|---|
| Klima | CO2-Fußabdruck | 0,4 kg CO2e/kg | 2,8 kg CO2e/kg | +2 | -3 |
| Wasser | Wasserverbrauch / Wasserstress | 120 L/kg | 700 L/kg | +3 | -3 |
| Arbeit & Fairness | Living-Wage-Abdeckung | 100 % | 60 % | +3 | -2 |
| Gesundheit | Pestizidrückstände / Pestizideinsatz | 0 kg AI/ha | 3 kg AI/ha | +3 | -2 |
| Biodiversität | Bodenaufbau / Bestäuber | Fördermaßnahmen dokumentiert | Risiko erhöht | +2 | -3 |
Endpreis berechnen
Gleicher Netto-Ausgangspreis, damit die Steuerwirkung isoliert sichtbar wird. Formel: Endpreis = Netto-Preis + (Netto-Preis x Wirkungssteuersatz).
Regionaler Bio-Apfel
+2 / sehr gut · Steuerklasse 5 %
- Netto
- 2,00 €
- Wirkungssteuer
- 5 %
- Steuerbetrag
- 0,10 €
- Endpreis
- 2,10 €
- Vorsteuerabzug
- möglich
Import-Apfel mit negativer Wirkung
-3 / schädlich · Steuerklasse 25 %
- Netto
- 2,00 €
- Wirkungssteuer
- 25 %
- Steuerbetrag
- 0,50 €
- Endpreis
- 2,50 €
- Vorsteuerabzug
- nicht möglich
Alternative Marktpreisrechnung ansehen
Unterschiedliche Netto-Ausgangspreise zeigen, wie eine Wirkungssteuer Preisunterschiede verringern oder umkehren kann.
Regionaler Bio-Apfel
+2 / sehr gut · Steuerklasse 5 %
- Netto
- 2,00 €
- Wirkungssteuer
- 5 %
- Steuerbetrag
- 0,10 €
- Endpreis
- 2,10 €
- Vorsteuerabzug
- möglich
Import-Apfel mit negativer Wirkung
-3 / schädlich · Steuerklasse 25 %
- Netto
- 1,60 €
- Wirkungssteuer
- 25 %
- Steuerbetrag
- 0,40 €
- Endpreis
- 2,00 €
- Vorsteuerabzug
- nicht möglich
Geldfluss bis zum Endpreis
Konsument:in
Zahlt den Endpreis an den Händler und sieht Wirkungsklasse sowie Steuerklasse am Produkt.
Händler
Nimmt den Bruttopreis ein, führt die Wirkungssteuer ab und kann Vorsteuer nur bei positiver Vorleistung voll abziehen.
Produzent / Lieferant
Erhält einen Marktvorteil, wenn Produktdaten und Wirkung verbessert werden.
Staat / Wirkungsregister
Erhält Steuerdaten. Die Wirkungsklasse bleibt prüfbar; Einnahmen dienen als Rückkopplung, nicht als reine Straflogik.
Was heute nicht im Apfelpreis steht
Der negative Apfel ist nicht wirklich günstiger. Er wirkt nur günstiger, weil ein Teil seiner Kosten nicht an der Kasse erscheint. Die Wirkungssteuer macht diese unsichtbaren Kosten nicht perfekt sichtbar, aber sie korrigiert den größten Fehler: Schädliche Wirkung bleibt nicht länger billig.
Unsichtbare Kosten
- Wasserstress im Anbaugebiet
- Bodendegradation
- Pestizidbelastung
- Verlust von Bestäubern
- Gesundheitsrisiken
- Transportemissionen
- Verpackungs- und Kühlaufwand
- niedrigere Arbeitsstandards
- künftige Anpassungs- und Reparaturkosten
Was der positive Apfel vermeidet
- weniger Pestizidfolgen
- weniger Wasserstress
- bessere Bodenqualität
- Schutz von Bestäubern
- regionale Wertschöpfung
- weniger Transportemissionen
- stabilere Landwirtschaft
Der Bio-Apfel ist nicht "teurer". Er bezahlt mehr seiner Wahrheit schon im Preis.
Beispiel 2
Beispiel T-Shirt: Wirkung entlang der Lieferkette
Das T-Shirt zeigt, wie Rohstoff, Chemie, Arbeit, Wasser, Transport, Nutzung und Kreislauf in einer komplexeren internationalen Lieferkette zusammenhängen.
Lieferkette bestimmen
- Rohstoffe / Baumwolle
- Spinnerei & Weberei
- Färberei & Ausstattung
- Konfektion
- Transport & Logistik
- Vertrieb & Nutzung
Daten erfassen
- Wasserverbrauch
- Pestizideinsatz
- Energiequelle
- Chemikalien / Abwasser
- Living Wage
- Arbeitszeit / Arbeitsschutz
- Transportemissionen
- Nutzungsdauer
- Reparierbarkeit
- Recycling / Rücknahme
Scorecard je Stufe
Jede Stufe erhält Wirkungsdaten, Datenqualitätsangaben und feldbezogene Scores.
Reverse Merit Order
Ein T-Shirt mit gutem Material bleibt schädlich, wenn Kinderarbeit, gefährliche Chemikalien oder extreme Wasserbelastung auftreten.
Steuerklasse
Positive Variante: 5 %. Negative Variante: 25 %.
Vorsteuerlogik
Positive Vorleistungen sind im Modell voll vorsteuerfähig. Negative Vorleistungen bleiben als Kostenbelastung in der Kette hängen.
Positive Variante
T-Shirt mit positiver Wirkung
Fair, regenerativ, langlebig, reparierbar, kreislauffähig.
Negative Variante
Fast-Fashion-T-Shirt mit negativer Wirkung
Wasserstress, Chemikalien, prekäre Arbeit, kurze Nutzung, hohe Entsorgungslast.
Scorecard entlang der Lieferkette
| Stufe | positive Variante | negative Variante | relevante Wirkung | Score positiv | Score negativ |
|---|---|---|---|---|---|
| Rohstoffe / Baumwolle | Bio-Baumwolle aus regenerativer Landwirtschaft | konventionelle Baumwolle mit hohem Pestizideinsatz | Boden, Biodiversität, Giftstoffe | +2 | -3 |
| Spinnerei & Weberei | erneuerbare Energie, sparsame Prozesse | fossile Energie, hoher Wasserverbrauch | Energie, Wasser, Emissionen | +1 | -2 |
| Färberei & Ausstattung | geschlossene Wasserkreisläufe | giftige Chemikalien und offenes Abwasser | Gesundheit, Wasserqualität | +2 | -3 |
| Konfektion | faire Löhne, sichere Arbeit | Niedriglöhne, Überstunden, fehlender Schutz | Arbeit, Menschenrechte | +3 | -3 |
| Transport & Logistik | kurze Wege, gebündelte Logistik | Luftfracht, lange Wege, Verpackungsmüll | Klima, Ressourcen | +1 | -2 |
| Vertrieb & Nutzung | lange Nutzung, Reparatur, Rücknahme | kurzlebiges Wegwerfprodukt | Abfall, Ressourcenverlust | +2 | -2 |
Wirkungsfelder und Datenbasis
| Feld | Indikator | Positive Variante | Negative Variante | Score positiv | Score negativ |
|---|---|---|---|---|---|
| Rohstoffe / Baumwolle | Regenerative Faser, Boden- und Pestizidprofil | Bio-/regenerative Baumwolle, keine Hochrisiko-Pestizide | hoher Pestizideinsatz, Bodenschäden plausibel | +2 | -3 |
| Wasser | Wasserverbrauch / Wasserstress | reduzierter Verbrauch, Abwasser geklärt | hoher Verbrauch in Stressregion | +1 | -3 |
| Chemikalien | Färberei, Abwasser, Schadstoffe | geschlossene Kreisläufe, keine kritischen Stoffe | kritische Chemikalien, ungeklärtes Abwasser | +2 | -3 |
| Arbeit & Fairness | Living Wage / Arbeitsschutz | Living-Wage-Abdeckung 100 % | Living-Wage-Abdeckung 45 %, Schutzlücken | +3 | -3 |
| Nutzung & Kreislauf | Nutzungsdauer, Reparierbarkeit, Rücknahme | langlebig, reparierbar, Rücknahme vorgesehen | kurze Nutzung, keine Rücknahme | +2 | -2 |
Endpreis berechnen
Gleicher Netto-Ausgangspreis, damit die Wirkungssteuerlogik sichtbar bleibt. Formel: Endpreis = Netto-Preis + (Netto-Preis x Wirkungssteuersatz).
T-Shirt mit positiver Wirkung
+1 / gut · Steuerklasse 5 %
- Netto
- 20,00 €
- Wirkungssteuer
- 5 %
- Steuerbetrag
- 1,00 €
- Endpreis
- 21,00 €
- Vorsteuerabzug
- möglich
Fast-Fashion-T-Shirt mit negativer Wirkung
-3 / schädlich · Steuerklasse 25 %
- Netto
- 20,00 €
- Wirkungssteuer
- 25 %
- Steuerbetrag
- 5,00 €
- Endpreis
- 25,00 €
- Vorsteuerabzug
- nicht möglich
Alternative Marktpreisrechnung ansehen
Hier bleibt der Netto-Ausgangspreis identisch, weil die Seite keine realen Marktpreise behauptet.
T-Shirt mit positiver Wirkung
+1 / gut · Steuerklasse 5 %
- Netto
- 20,00 €
- Wirkungssteuer
- 5 %
- Steuerbetrag
- 1,00 €
- Endpreis
- 21,00 €
- Vorsteuerabzug
- möglich
Fast-Fashion-T-Shirt mit negativer Wirkung
-3 / schädlich · Steuerklasse 25 %
- Netto
- 20,00 €
- Wirkungssteuer
- 25 %
- Steuerbetrag
- 5,00 €
- Endpreis
- 25,00 €
- Vorsteuerabzug
- nicht möglich
Heute vs. WÖk: Geldfluss in der Kette
Heute
- Umsatzsteuer / Einfuhrumsatzsteuer ist für Unternehmen oft Durchlaufposten.
- Vorsteuerabzug ist grundsätzlich möglich.
- Negative Lieferkettenwirkung beeinflusst die Steuerlast kaum.
- Endpreis bildet Schäden nicht ab.
WÖk
- Jede Vorleistung trägt einen Wirkungs-Score.
- Nur positive Vorleistungen sind voll vorsteuerfähig.
- Negative Vorleistungen bleiben als Kosten in der Kette hängen.
- Importierte Produkte mit negativem FinalScore werden am Importpunkt mit Wirkungssteuer belastet.
- Händler und Hersteller haben Anreiz, bessere Lieferanten zu wählen.
Positive Lieferkette
Lieferant verkauft positive Vorleistung mit Score >= +1. Der Hersteller kann Vorsteuer anrechnen, die eigene Scorecard verbessert sich, der Handel verkauft mit niedrigerem Satz.
Negative Lieferkette
Lieferant verkauft negative Vorleistung mit Score < 0. Die Steuer ist nicht oder nur eingeschränkt abziehbar, bleibt in der Kette als Kostenbelastung und erhöht den Endpreis.
Was heute nicht im T-Shirtpreis steht
Das billige T-Shirt ist nicht deshalb billig, weil es effizienter Wohlstand erzeugt. Es ist billig, weil viele Schäden aus dem Preis herausgerechnet werden. Die Marge kann steigen, während Kosten auf Beschäftigte, Ökosysteme, Kommunen, Gesundheitssysteme und künftige Generationen verschoben werden.
Unsichtbare Kosten
- existenzsichernde Löhne
- Arbeitsschutz
- Gesundheitsfolgen durch Chemikalien
- Wasserverbrauch und Abwasserbelastung
- Mikroplastik
- kurze Nutzungsdauer
- Retouren und Vernichtung
- Entsorgungskosten
- soziale Instabilität in Lieferketten
- Klimafolgen durch Transport und Energie
Was das faire T-Shirt vermeidet
- weniger Ausbeutung
- weniger Gesundheitsrisiken
- weniger Chemikalienbelastung
- längere Nutzung
- weniger Müll
- bessere Rücknahme
- stabilere Lieferketten
- weniger Reputations- und Regulierungskosten
Fast Fashion spart am Produkt - und erzeugt Kosten im System.
Vergleich
Warum beide Beispiele wichtig sind
Apfel
Ein einfaches Alltagsprodukt. Es zeigt Landwirtschaft, Wasser, Transport, Biodiversität und Gesundheit in einer gut verständlichen Preislogik.
T-Shirt
Eine komplexere internationale Lieferkette. Rohstoff, Chemie, Arbeit, Wasser, Transport, Nutzung und Kreislauf zeigen die Vorsteuerlogik deutlicher.
Für Landwirtschaft vertiefen: Boden, Wasser, Tierwohl, regionale Versorgung, Wirkungsfonds und Agrarförderung werden auf der Zielgruppenseite zusammengeführt.
Grenzen
Was diese Beispiele zeigen - und was nicht
Sie zeigen
- Wirkungssteuerlogik
- Preisrückkopplung
- Reverse Merit Order
- Wirkung entlang der Kette
- Unterschied zwischen Reportingdaten und Steuerungsdaten
Sie zeigen nicht
- geltendes Recht
- amtliche Produktprüfung
- endgültige Steuerklasse
- vollständige branchenspezifische Scorecard
- Rechts- oder Steuerberatung
Rechenkomponente
Wirkungssteuer modellhaft berechnen
Die Komponente zeigt die einfache Konsument:innenrechnung. Sie ist keine steuerliche Beratung.
Begriffe
Begriffe direkt erklärt
Die wichtigsten Begriffe sind verlinkt. Fehlende Begriffseiten sind als Inhaltslücken dokumentiert und nicht als tote Links gesetzt.
Reverse Merit Order
Das schwächste kritische Wirkungsfeld begrenzt die Gesamtbewertung. So kann Kinderarbeit nicht durch gute CO2-Werte kompensiert werden.
Vorsteuerabzug
Unternehmen können gezahlte Steuer auf Vorleistungen normalerweise mit ihrer eigenen Steuer verrechnen. Im WÖk-Modell gilt das nur für positiv bewertete Vorleistungen.
Weiterführend