Beispiel Konzern
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Beispiel: Von der CSRD zur Produktscorecard am Beispiel BASF Polyamid 1. Ausgangslage: Diversität der Produkte • BASF ist einer der größten Chemiekonzerne der Welt, mit mehr als 45.000 Produkten im Portfolio: von Basischemikalien über Kunststo@e, Lacke und Agrarprodukte bis hin zu Spezialchemikalien. • Diese Produkte entstehen in einem vernetzten Produktionssystem („Verbundstandorte“ wie Ludwigshafen), in dem Nebenprodukte einer Anlage als Vorprodukte einer anderen genutzt werden. • Für die CSRD-Berichterstattung müssen konsolidierte Daten gemeldet werden: Gesamtemissionen, Wasserverbräuche, Abfälle, Arbeitsstandards, Lieferketteninformationen. 👉 Problem: Auf Unternehmensebene „verschwindet“ die Wirkung im Durchschnitt. Einzelne Produkte (z. B. Polyamid-Granulat vs. Pflanzenschutzmittel) sind kaum unterscheidbar. 2. Zielsetzung: Von Unternehmensebene zu Produktgruppen • Produkte sollen individuell bewertet werden, damit ihre Wirkung transparent wird. • Dafür braucht es eine Herunterbrechung der CSRD-/ESRS-Daten auf: 1. Produktgruppen (über NACE-Codes, z. B. C20.16 „Herstellung von Kunststo@en“) 2. Anlagenteile (z. B. Polyamid-Anlage Ludwigshafen) • Jede Produktgruppe erhält eine Scorecard mit klar definierten Indikatoren.
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3. Vorgehen zur Operationalisierung Schritt 1: Zuordnung per NACE-Code • Jedes Produkt wird einer wirtschaftlichen Aktivität zugeordnet. • Beispiel Polyamid: C20.16 – Herstellung von KunststoWen in Primärformen. • Daraus ergeben sich automatisch die relevanten SDGs (z. B. SDG 6, 8, 12, 13, 15). Schritt 2: Nutzung der CSRD-/ESRS-Daten • CSRD (XBRL-Format) liefert standardisierte Datenpakete: o CO₂-Emissionen (E1-6) o Wasserentnahmen (E3) o Abfall- und Recyclingquoten (E5) o Arbeitsbedingungen (S1–S3) o Chemikalienmanagement (E2) • BASF weist diese Daten bereits auf Geschäftsbereichs- oder Standortebene aus. 👉 Diese Daten werden je Anlage oder Produktgruppe aufgeteilt (z. B. Polyamid-Werk → 250.000 t CO₂ auf 500.000 t Output). Schritt 3: Ergänzung durch EPDs & Benchmarks • Für viele Produkte existieren Environmental Product Declarations (EPDs). • EPDs liefern produktspezifische Werte (z. B. 0,5 t CO₂/t Polyamid). • Fehlende Werte werden durch EU-Benchmarks oder Archetypen ergänzt.
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Schritt 4: Scorecard-Bewertung Die Daten werden in eine Scorecard überführt (–3 bis +3 pro Wirkungsfeld, schwächstes Feld zählt). Beispiel BASF Polyamid-Granulat: Wirkungsfeld Messwert Benchmark/Archetyp Score Klima (SDG 13) 0,5 t CO₂/t Polyamid <0,2 = +3; >1,0 = –3 –1 Ressourcen (SDG 12) 10 % Rezyklat <20 % = 0; >50 % = +3 0 Wasser (SDG 6) 20 m³/t, 30 % Stressregion <10 m³ & <10 % = +3; >40 m³ & >50 % = –3 –2 Arbeit & Fairness (SDG 8) 80 % Living-Wage-Abdeckung 100 % = +3; <50 % = –3 +1 Gesundheit (SDG 3/12) keine verbotenen Additive konform = 0; Verstöße = –3 0 Schritt 5: Reverse Merit Order • Das schlechteste Feld (–2 = Wasser) bestimmt die Steuerklasse. • Polyamid-Granulat fällt daher in „schädlich“ = 20 % Wirkungssteuer. 4. Ergebnis & Wirkung • Transparenz: Die Wirkung von Polyamid wird sichtbar – nicht mehr im Konzernmittelwert versteckt. • Anreiz: BASF hätte ein starkes Incentive, die Wasserintensität und den Wasserstress seiner Produktion zu senken, um in eine günstigere Steuerklasse zu kommen. • Marktwirkung: Kunden sehen im Preis & am Etikett, ob ein Produkt transformativ oder schädlich wirkt.
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5. Fazit • Die CSRD liefert die Basisdaten, aber sie müssen durch Scorecards, NACE-Mapping und EPDs heruntergebrochen werden. • Damit lässt sich selbst in einem hochkomplexen Konzern wie BASF die Wirkung einzelner Produktgruppen präzise erfassen und steuern. • Durch die Reverse Merit Order bleibt Greenwashing ausgeschlossen: Ein einziger negativer Wert (z. B. Wasserstress) zieht die Gesamtbewertung nach unten.