NATS WÖk allgemein
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Web-Volltext
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Von Kapital zu Wirkung: Für Zukunft, Gerechtigkeit und Stabilität Natalie Weber – Begründerin der Wirkungsökonomie
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Einstieg: Meine persönliche Reise Wie ich zur Wirkungsökonomie gekommen bin… • Physik & Naturwissenschaft → Denken in Wirkung und Zusammenhängen • Nachhaltigkeitsmanagement in einem Industriekonzern → Erfahrung mit Wirtschaft & Politik • Persönliches Bewusstsein: „Jede Handlung hat Wirkung.“ • Ringen mit Kapitalismus, Sozialismus, Gemeinwohl- & Donut-Ökonomie • Feminismus vs. Patriarchat (Kooperation vs. Macht) • Schlüsselerkenntnis: Kapital als Zielgröße ist das Problem Was folgt, entstand aus meinem Weg.
Und aus meiner Wut. Und Hoffnung.
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Agenda Einstieg – Meine persönliche Reise1 2 3 4 6 5 Ursprung & Entstehung des Kapitalismus Folgen der Industrialisierung Marx und die Kritik – richtig gesehen, falsch geschlossen Weitere Modelle und ihre Grenzen (soziale Marktwirtschaft, Gemeinwohl-, Donutökonomie, Drucker) Der Paradigmenwechsel: Von Gewinn- zu Wirkungsmaximierung 7 Wie die Wirkungsökonomie funktioniert 8 Wettbewerb, Monopole & Innovation neu gedacht 9 Wissenschaft & Wirkung statt Hybris 10 Rolle der Justiz 11 Steuern & Anreizsysteme 12 Der Nutzen 13 BIP neu verstanden 14 Ausblick und Diskussion
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Ursprung & Entstehung des Kapitalismus Die ursprüngliche Idee von Wirtschaft • Adam Smith (1723–1790) – Vater der modernen Ökonomie • „Unsichtbare Hand“ → Wohlstand durch Markt & Wettbewerb • Smith: Markt funktioniert nur mit Regulierung & Moral • Abzweigung in der Industrialisierung → Kapital statt Wirkung „Der Mensch ist keineswegs ein rein egoistisches Wesen.“ „Es ist nicht das Wohlwollen des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, das uns unser Abendessen verschafft, sondern deren eigenes Interesse.“ „Der Markt braucht Gerechtigkeit, ohne sie kann er nicht bestehen.“
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Folgen der Industrialisierung Die falsche Abzweigung • Kapital- & Machtkonzentration • Ausbeutung von Mensch & Natur • Ungleichheit & soziale Konflikte • Lobbyismus & privatwirtschaftliche Planwirtschaft • Klima- & Ressourcenkrise
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Marx und die Kritik Marx: Richtig gesehen – falsch geschlossen • Scharfe Analyse: Entfremdung, Ungleichheit, Krisenanfälligkeit • Falsche Diagnose: Markt als Problem statt Kapital als Zielgröße • Folge: Sozialismus/Planwirtschaft → Bürokratie, Machtkonzentration, fehlende Innovation • Was, wenn ich morgen beschließe, vegan zu leben? Oder keinen Kaffee mehr trinke, weil ich nachts schlecht schlafe? Wer passt den Plan an? • Genossenschaften bedeutet nicht gleich ein Ethisches-Update. Wenn in einer Energiegenossenschaft 70% gegen Windräder sind, ist das ziemlich blöd... „Die Produktion produziert nicht nur einen Gegenstand für das Subjekt, sondern auch ein Subjekt für den Gegenstand.“ (→ Entfremdung) „Das Kapital ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch das Einsaugen lebendiger Arbeit.“ Die wahre Grundfrage ist nicht Kapitalismus vs. Sozialismus, sondern: Womit steuern wir die Marktwirtschaft?
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Weitere Modelle und ihre Grenzen Andere Ansätze – wichtige Ideen, aber keine Lösung Modell Stärken Grenzen Soziale Marktwirtschaft (Erhard, Müller-Armack) Breite Wohlstandsverteilung, soziale Absicherung Ökologisch inkonsequent, am BIP orientiert Gemeinwohlökonomie (Felber) Werteorientiert, ethisches Leitbild Zu weich, fehlende Messbarkeit, nicht skalierbar Donut-Ökonomie (Raworth) Anschauliches Bild für Grenzen & Bedürfnisse Nicht operationalisierbar, keine klare Steuerungslogik Peter Drucker „Gewinn ist Ergebnis, nicht Ziel“, Kundennutzen im Zentrum Kundennutzen ≠ Wirkung (z. B. Tabak, SUVs) „Profit is not the purpose of business, but the test of its validity.“ (Peter Drucker)
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Wirtschaftliche Entwicklung
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Von Kostenminimierung zu Wirkungsmaximierung • Früher: „Wer Ressourcen effizient nutzt, erzielt Gewinn.“ • Heute: „Wer Wirkung effizient maximiert, erzielt Gewinn.“ Entwicklungsniveau der Gesellschaft (Lebensqualität, Schutz der Lebensgrundlagen,…) 1.–2. Kondratieff (Industrialisierung, 18./19. Jh.) • Leitlogik: Kostenminimierung • Treiber: Dampfmaschine, Eisenbahn, Stahl 3.–4. Kondratieff (20. Jh., Massenproduktion, Konsumgesellschaft) • Leitlogik: Nutzen schaffen / Kundenorientierung • Treiber: Elektrizität, Chemie, Automobil, Massenmärkte 5. Kondratieff (spätes 20. Jh., Digitalisierung, Globalisierung) • Leitlogik: Ressourcen optimieren / Effizienz • Treiber: IT, Kommunikation, Lean Management, Kreislaufansätze 6. Kondratieff (21. Jh., Nachhaltigkeit, Resilienz, Gesundheit) • Leitlogik: Wirkung maximieren / Impact - Intensität • Treiber: SDGs, Transformation, grüne Technologien, soziale Innovation Zeit Kapitalorientierung (Kosten/Gewinn) Wirkungsorientierung (SDGs)
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Der Paradigmenwechsel
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SDGs – globaler, ideologiefreier Rahmen • Agenda2030 (2015) • 17 Ziele • 169 Unterziele (Targets), gemessen mit 231 globale Indikatoren (Items) • von allen(!) 193 UN-Staaten beschlossen (Demokratien, Monarchien, Diktaturen – Marktwirtschaften, Planwirtschaften) • Ideologiefrei (Alle Systeme – Gemeinsame Ziele) • Messbar & vergleichbar • Von Unternehmen, Ländern bis Gemeinden längst integriert
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SDGs – globaler, ideologiefreier Rahmen
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SDG+ (WÖk-Erweiterung) SDG+ – Demokratie & Systemqualität messen Warum die Erweiterung? Ohne funktionierende Demokratie -, Medien- und Rechtsstaat-Qualität kippen alle SDGs – deshalb ergänzt die WÖk neun Felder als SDG+. • Demokratiequalität – freie, faire Teilhabe & legitime Mandate. • Medienvielfalt & -unabhängigkeit – Pluralität, kein Oligopol, Faktenstandards. • Rechtsstaatlichkeit – unabhängige Justiz, Grundrechte durchsetzbar. • Diskurs- & Debattenkultur – zivil, faktenbasiert, inkl. Moderationsstandards. • Gesellschaftliche Resilienz – Krisenfestigkeit, Vorsorge, Schutz kritischer Infrastruktur. • Technologie- & Digitalverantwortung – AI/Plattform-Accountability, Datenschutz by design. • Systemische Kooperation – Netzwerke statt Silos; faire Wertschöpfung über Sektoren. • Kulturelle Vielfalt & Inklusion – gleichberechtigte Teilhabe aller Gruppen. • Öffentliche Transparenz & Rechenschaft – offene Daten, Auditierbarkeit, Whistleblower-Schutz.
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Der Paradigmenwechsel Von Gewinn- zu Wirkungsmaximierung • Kapital war Mittel → wurde Ziel. • Wirkungsökonomie: Wirkung wird Zielgröße. • Erfolg = nachweisbare Wirkung (Mensch, Umwelt, Gesellschaft). • Wettbewerb bleibt – aber um Wirkung, nicht um Profit. • Geld bleibt wichtig → Gewinn ist Folge (nicht Ziel) als Beweis, dass Lösungen funktionieren.
Kosten - Ressourceneinsatz
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Der Paradigmenwechsel Die WÖk nutzt das, was uns Menschen antreibt • Der Drang nach Macht, Anerkennung und Einfluss ist tief in uns verankert (Evolution, Überleben, Status). • Bisher: Macht = Kapital anhäufen → Ausbeutung, Umweltzerstörung, Ungleichheit. • Paradigmenwechsel: Macht = Wirkung schaffen. • Änderung des Spielfeldes: Nur wer Wohlstand für alle, Nachhaltigkeit, Gesundheit, Ressourcenschonung erzeugt, wird mächtig. • Effekt: Ein uralter Instinkt wird zum Motor für das Gemeinwohl.
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Steuern & Anreizsysteme Steuern neu gedacht: Wirkung statt Willkür • Mehrwertsteuer: → Staffelung nach Wirkungsklassen (Reverse Merit Order), nicht mehr nach Produktkategorien → Schlechtestes SDG-Wirkung bestimmt Klasse → Verbraucher:innen zahlen mehr für schädliche Produkte ▪Vorsteuerabzug: ▪→ Nicht 1:1, sondern wirkungsdifferenziert ▪→ Schlechte Produkte: begrenzter Abzug (z. B. nur 10 %) ▪→ Positive Wirkung: Bonus („Wirkungsgutschrift“) • Einkommensteuer: → Anpassung nach Unternehmenswirkung → Mitarbeitende profitieren, wenn ihr Unternehmen positiv wirkt 5% 25%
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Mehrwertsteuer in der Wirkungsökonomie Mehrwertsteuer nach Wirkung (v– Beispiel • Steuerklassen: 0 % · 5 % · 12 % · 20 % · 25 % • Reverse Merit Order: das schlechteste SDG eines Produkts bestimmt die Steuerklasse • Auflösung der ESG-Problematik der Aufrechnung (schlecht bei CO2 – Bestimmt die Zuordnung - gut bei Diversität). Beispiel: • Bio-Apfel aus der Region → 0 % • T-Shirt (Baumwolle, Chemiefärbung, Ferntransport) → 20 % • Steak aus Massentierhaltung → 25 % Bonus-Logik: → Wer in anderen SDGs überdurchschnittlich positiv wirkt, bekommt eine Gutschrift („Wirkungsbonus“) → Aber: Schlechtestes SDG-Wirkung bleibt der Mindestmaßstab
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Wirkungssteuer – Beispiel Amazon vs. Nachhaltiger Händler Produkt: Bio-Fairtrade-T-Shirt Steuerklasse (Produkt): Gut = 12 % Unternehmenswirkung: • 0 fossiler Energiemix • –1 Diesel-Logistik • –2 prekäre Arbeit • –2 Steuervermeidung • Bonuspunkte: 0 → keine Rückvergütung • Effektiver Satz: 12–13 % (kein Bonus, evtl. Malus) • Endpreis Kunde: 22,40 € (bis 22,60 € bei Malus) • Händler-Marge: bleibt bei 20 € netto (kein Bonus) • Signalwirkung: keine Rückvergütung, langfristig niedrigere Wettbewerbsfähigkeit Produkt: Bio-Fairtrade-T-Shirt Steuerklasse (Produkt): Gut = 12 % Unternehmenswirkung: • +2 Ökostrom • +1 E-Logistik • +2 faire Arbeit • +1 Steuerehrlichkeit • Bonuspunkte: 6 → 3 % Rückvergütung • Effektiver Satz: 9 % • Endpreis Kunde: 22,40 € • Händler-Marge: +0,60 € Rückvergütung → 21,80 € netto wirksam • Signalwirkung: Nachhaltigkeit rechnet sich
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Welche Zange würden Sie kaufen? • Kunde zahlt denselben Endpreis wie gewohnt. • Zusätzlich gibt es Wirkungspunkte – sichtbar auf Bon oder App. • Punkte können bei Steuererklärung oder für Boni eingelöst werden. • Nachhaltigkeit fühlt sich an wie ein Gewinn, nicht wie Verzicht. • Steuer macht Wirkung sichtbar (Preis, Ampel). • Haltbarkeit macht Wert spürbar (€/Jahr). • Wirkungspunkte machen es erlebbar (Bon, Steuer, Bonus).
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Vermögensteuer & Verantwortung Vermögen ist eingefrorene Wirkung – die Frage ist: wofür nutzen wir es? • Vermögen entsteht in der WÖk nur durch große Wirkung. • Vermögen an sich ist nicht das Problem – sondern seine Verwendung.
Zwei Wege: • Luxus & Verschwendung (z. B. 10-Minuten-Weltraumflug für Milliardäre) • Gemeinwohl & Zukunft (z. B. Finanzierung einer Universität, Gesundheitsfonds, Klima-Innovationen) • Beides würde nach bisheriger Logik gleich besteuert werden – Nach Kapital (Vermögen) – Nicht nach Impact • Wirkung als Maßstab: Was stärkt das Gemeinwohl langfristig? • Vermögensteuer denkbar – aber vor allem gekoppelt an Impact-Logik statt pauschaler Abgabe.
Plattner kauft Uni Potsdam Gebäude Bezos: Raumflug als Celebrity-Event
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Mieten- und Wohnungsproblem Wohnen ist Grundrecht & Wirkungsfaktor • In der Wirkungsökonomie gilt: Jede Handlung wird an ihrer Wirkung gemessen (SDGs als Maßstab). • Wohnen erfüllt gleich mehrere zentrale SDGs: • SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden (bezahlbarer Wohnraum, Infrastruktur) • SDG 10: Weniger Ungleichheiten (sozialer Ausgleich) • SDG 3: Gesundheit und Wohlbefinden (Wohnqualität, Sicherheit, Energieeffizienz) • Damit wird Wohnen nicht nur privates Eigentum, sondern auch ein gesellschaftlicher Wirkungsfaktor – ähnlich wie Bildung oder Gesundheit. • Wohnungen haben eine doppelte Rolle: privater Besitz und öffentliche Wirkung. • Wer Wohnraum besitzt, muss seine Wirkung nachweisen: • Positiv: bezahlbare Mieten, Energieeffizienz, Barrierefreiheit, soziale Durchmischung. • Negativ: Spekulation, Leerstand, Luxus ohne Gemeinwohlbeitrag. • Entsprechend werden Anreize gesetzt über die Wirkungssteuer: steuerliche Entlastung oder Förderung bei positiver Wirkung, Belastung bei negativer Wirkung. • Eigentum bleibt erlaubt – aber es wird an Verantwortung gekoppelt . • Modelle wie Genossenschaften, Gemeinschaftswohnprojekte oder kommunale Partnerschaften werden steuerlich und finanziell attraktiver als Spekulationsprojekte
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„Wir müssen nur den Kompass neu ausrichten“
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Von Unternehmen, Ländern bis Gemeinden längst integriert https://www.sap.com/documents/2023/02/18c51a42-607e-0010-bca6-c68f7e60039b.html • UN Global Compact größte freiwillige Unternehmensinitiative für Nachhaltigkeit. • Ziel: Einhaltung von zehn universellen Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Korruptionsbekämpfung. • Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) zu leisten. • Weltweit über 25.000 Teilnehmer • Global Compact Network Germany über 1200 Teilnehmer • SDG-spezifische Initiativen (z.B. SDG Pioneers, Young SDG Innovators Programme,…) https://www.globalcompact.de
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Von Unternehmen, Ländern bis Gemeinden längst integriert https://sdg-indikatoren.de https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/nachhaltigkeitsziele-erklaert-232174
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Von Unternehmen, Ländern bis Gemeinden längst integriert https://sdg-portal.de/de/
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Von Unternehmen, Ländern bis Gemeinden längst integriert Kommunen richten Budgets, Zielvereinbarungen und Reporting SDG-basiert aus (z. B. Zürich; auch andere Städte wie Barcelona/Mannheim arbeiten mit SDG -orientierten Haushalten) https://www.mannheim.de/de/stadt-gestalten/leitbild-mannheim-2030
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SDGs – globaler, ideologiefreier Rahmen • Jährlicher Bericht (seit 2016), der zeigt, wie weit Länder bei der Umsetzung der 17 SDGs stehen. • Länderrankings, Dashboards und Regionenvergleiche. • Referenzwerk für Politik, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. https://dashboards.sdgindex.org/
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GRI – globaler Berichtsstandard • Global Reporting Initiative • weltweit anerkannte Berichtsstandard für Nachhaltigkeit • seit 1997 • Pflicht (CSRD) • Vergleichbarkeit • Öko + Soziales + Governance https://www.globalreporting.org/
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GRI – globaler Berichtsstandard https://www.globalreporting.org/ https://bericht.basf.com/2023/de/uebersichten/gri-und-global-compact-index/themenspezifische -standards.html
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Die Daten stehen im Detail bereit
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GRI – globaler Berichtsstandard
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ESG – Wirkung am Kapitalmarkt • Bewertung E/S/G • Basis für Investoren • Kapitalflüsse → Nachhaltigkeit
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SROI – SocialReturn on Investment • Monetarisierung von Wirkung • Investition Nutzen • Harte + weiche Faktoren Beispiele: • Integrationsprojekt spart Sozialkosten • Bildung steigert Steuern • Prävention senkt Gesundheitskosten Investition Gesellschaftlicher Nutzen
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T-SROI – Transformational SocialReturn on Investment • Weiterentwicklung • Transformation & Systemwirkung • langfristig + qualitativ • Formel (vereinfacht) Beispiele: • Kreislaufwirtschaft in Lieferkette • digitale Stadtverwaltung • Social Startup vervielfacht Wirkung
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T-SROI – Transformational SocialReturn on Investment • Investition (einmalig): 1.000.000 € • Diskontierter Gesamtnutzen (NPV, 5 Jahre): 1.766.888 € • T-SROI: 1,77 : 1 (pro investiertem Euro entstehen 1,77 € gesellschaftlicher Systemwert) Annahmen: • Basisnutzen pro Jahr: 300k → 500k € (Ressourcen -/CO₂-Einsparungen, Produktivität etc.). • Transformation/Spillover (Adoption, Standardisierung): Multiplikator 1,0 · 1,1 · 1,5 · 1,8 · 2,2 (ab Jahr 3 deutlich stärkere „Nachher“ - Kurve). • Wirkungs-Korrekturen: Deadweight 15 %, Attribution 20 %, Displacement 5 %. • Erfolgswahrscheinlichkeit: 85 %. • Transformationsfaktor: +20 % (nachweisbare Systemänderung; z. B. Lieferkette auf Kreislauf umgestellt). • Diskontsatz: 5 %. • Zeithorizont: 5 Jahre.
Vorher (rot, bei 2): Nach 10 Jahren wäre der Impact im klassischen Modell auf „2 Einheiten“ angewachsen. Das entspricht einer linearen Steigerung – z. B. 2 Mio. € Gesamtnutzen oder eine Verdopplung des Ausgangswerts.
Nachher (grün, bei 3,5): Durch Transformationseffekte liegt der Impact bei „3,5 Einheiten“. Das bedeutet: Die Wirkung ist nicht nur etwas höher, sonde rn fast doppelt so groß wie vorher (3,5 statt 2). Das ist die Beschleunigung, die durch Spillover, Skalierung und Systemänderung entsteht.
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CSRD – Verlässliche Datenbasis für die Wirkungssteuer Geltung: • Ab 2024 für große Unternehmen (> 250 Mitarbeitende, > 40 Mio. € Umsatz, > 20 Mio. € Bilanzsumme) Pflicht-Reporting: • Nachhaltigkeit wird Teil des Lageberichts (nicht freiwillig) • Inhalte: Klima, Wasser, Ressourcen, Arbeit, Lieferketten, Governance • Standardisierung durch ESRS (European Sustainability Reporting Standards) Prüfung & Haftung: • Berichtspflicht auf XBRL-Basis (digital, maschinenlesbar) • Pflichtprüfung durch Wirtschaftsprüfer:innen (wie bei Bilanz) • Falschangaben = Bilanzfälschung → strafbar, haftungsrelevant Relevanz für die WÖk: • Liefert die Kennzahlen für das Scoring (z. B. CO₂, Wasser, Arbeitsstandards, Chemikalien) • Datenqualität ist hoch, da rechtlich verbindlich und auditpflichtig
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NACE-Codes und KfW-Mapping auf die SDGs • NACE-Code: offizielle EU-Klassifikation wirtschaftlicher Tätigkeiten, die Unternehmen/Projekte eindeutig einer Branche zuordnet (01.24 Obstbau oder 35.11 Stromerzeugung). • NACE-SDG-Mapping der KfW: Jede wirtschaftliche Tätigkeit wird über NACE-Codes den SDGs auf Basis von ~1.500 Merkmalen zugeordnet. Investitionen werden so systematisch in Bezug auf ihre SDG-Relevanz erfasst und berichtet. • OECD/DAC-CRS Codes (Purpose Codes) → werden in der Entwicklungszusammenarbeit genutzt, z. B. 11220 Primary Education = automatisch SDG 4 Bildung. • OECD/Policy Marker → v. a. für Gender (SDG 5), Klimaschutz (SDG 13), Biodiversität (SDG 15). Marker = 0/1/2, je nachdem ob kein, Neben- oder Hauptziel.
Diese Merkmale werden von der KfW formal den SDGs zugeordnet (positiv), sobald der Code/Marker erfüllt ist. • Ziel: Transparenz über Beiträge der KfW zu globalen Zielen (Reporting).
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NACE-Codes und Mapping auf die SDGs Projekt / Produkt NACE-Code & Bezeichnung (Rev. 2) Typische SDG-Zuordnung bei KfW KfW-Referenz-Items / Datenfelder (Beispiele) KfW-Positivkriterium / Wie gezählt wird Apfelbauer (regional, Bio) 01.24 – Growing of pome fruits and stone fruits (Kernobst/Steinobst, z. B. Apfel) SDG 2 (Ernährung), SDG 8 (Arbeit), ggf. SDG 12 (nachhaltige Produktion), SDG 13 (Klima)* Hektar/Ertrag, Beschäftigung, ggf. Umwelt- /Bio-Marker; (bei EZ/DEG zusätzlich: Outcome-Indikatoren wie Jobs, Einkommen) Zuordnung erfolgt, wenn der finanzierte Zweck Obstbau ist (NACE 01.24). Volles Kreditvolumen wird den relevanten SDGs gutgeschrieben; keine CO₂- Schwellen/Negativwerte im Mapping.
Apfel-Importeur (Handel, Chile → DE) 46.31 – Wholesale of fruit and vegetables (Großhandel Obst/Gemüse) (Einzelhandel: 47.21) SDG 8 (Wachstum/Arbeit), ggf. SDG 17 (Partnerschaften) Handelsvolumen, Beschäftigung, Lieferländer (für Partnerschaftsbezug) Zuordnung über Handels-NACE; Produktions-/Transporteffekte in Chile werden nicht gemappt, sofern nicht finanziert. Kein Negativ-Score; ggf. neutral wenn kein SDG-Bezug angenommen wird.
Windpark (Stromerzeugung) 35.11 – Production of electricity (KfW unterscheidet Quelle intern; NACE trennt Wind/Solar nicht aus) SDG 7 (Saubere Energie), SDG 13 (Klima) Installierte MW, erwartete MWh/a, vermiedene t CO₂, Anteil EE (interner Schlüssel) Reicht Förderzweck „Erneuerbare“ → direkte Zuordnung zu SDG 7/13; volles Volumen wird gezählt; Quelle (Wind/Solar) wird intern markiert, trotz generischem NACE 35.11.
Telekommunikations-Infrastruktur 61.10 – Wired telecommunications activities / 61.20 – Wireless telecommunications activities SDG 9 (Industrie, Innovation, Infrastruktur) Netzabdeckung, Haushalte/Anschlüsse, Ausbaulänge/Standorte Zuordnung via Telekom-NACE → SDG 9. Keine negative Gegenrechnung; es zählt die direkte Infrastrukturwirkung.
Grundschule (Betrieb) 85.20 – Primary education (Neubau als Bauvorhaben wäre 41.20 – Construction of residential and non- residential buildings) SDG 4 (Bildung) Plätze/Schüler:innen, Klassenräume, Immatrikulation Wenn Bildungsbetrieb (85.20) finanziert → SDG 4 (volles Volumen). Bei reinem Bau (41.20) wird oft über Projektzweck auf SDG 4 referenziert; formales NACE bleibt Bau.
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NACE-Codes und KfW-Mapping auf die SDGs
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Mapping KfW-Beitrag auf die SDGs
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Gesetzliche Verankerung der Schwellenwerte und Items • Im WUStG sind feste Steuerklassen definiert (0 %, 5 %, 12 %, 19 %, 25 %). • Jedes Wirkungsfeld wird auf einer Skala von –3 (sehr schädlich) bis +3 (sehr positiv) bewertet. • Items und Schwellenwerte sind den SDGs und Indikatoren entlehnt (z. B. CO₂-Emissionen je Tonne, Arbeitsrechtsstandards, Recyclingquote, Schadstoffwerte). • Im Gesetz ist vorgesehen, dass die Bewertungsmaßstäbe alle drei Jahre evaluiert und an technologische Entwicklungen und gesellschaftliche Standards angepasst werden. • Dazu legt die Bundesregierung dem Bundestag einen Wirkungsbericht vor, der die bisherigen Ergebnisse, Schwächen und neue wissenschaftliche Standards integriert. • Damit werden die Schwellenwerte (z. B. wie viel CO₂ pro Tonne Apfel „neutral“ oder „schädlich“ ist) nicht starr festgeschrieben, sondern dynamisch fortentwickelt. • So bleibt das System innovationsfreundlich und vermeidet Lock-ins – es passt sich laufend an den Stand der Technik, die SDG -Entwicklung und wissenschaftliche Erkenntnisse an
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Nochmal der Apfelvergleich im Detail Von der Kennzahl zur Steuerklasse 1. Produktcode (GTIN/HS) → bestimmt den NACE-Code 2. NACE → SDG-Matrix → legt fest, welche SDGs relevant sind (z. B. 01.24 = Kernobstbau → SDG 2, 6, 8, 12, 13, 15) 3. CSRD/GRI/ESRS-Daten → Unternehmen liefern standardisierte Kennzahlen (CO₂, Wasser, Arbeit, Gesundheit) 4. Schwellenwerte (gesetzlich festgelegt) → Einordnung der Kennzahl in Score (–3 bis +3) 5. Rule Engine → wendet Reverse Merit Order an → schlechtester Score zählt 6. Ergebnis = Steuerklasse (0–25 %) → Anzeige am Preisschild 5% 25%
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Schwellenwert-Tabelle (Auszug) NACE 01.24 – Anbau von Kern- und Steinobst (z. B. Äpfel) 5% 25% Impactfeld Kennzahl Schwellenwerte (Score) Quelle Klima (SDG 13) CO₂e-Emissionen pro kg Apfel ≤ 0,20 = +3; ≤ 0,30 = +2; ≤ 0,50 = 0; > 0,50 = –1; > 0,80 = –2 IPCC, EU Farm-to-Fork, Ökolandbau-Studien Wasser (SDG 6) Blue-Water-Verbrauch (L/kg) × Stressfaktor ≤ 10 = +3; ≤ 20 = +2; ≤ 50 = 0; > 100 = –1; > 200 = –2 WRI Aqueduct, EU- Wasserrahmenrichtlinie Arbeit (SDG 8) Anteil Beschäftigte mit Living Wage 100 % = +1; ≥ 95 % = 0; < 85 % = – 1 ILO, Global Living Wage Coalition Gesundheit (SDG 3) Anteil HHP-Pestizide 0 % = +1; ≤ 5 % = 0; > 5 % = –1 WHO, EU-Pestizidstrategie • Jede Branche (NACE) hat eigene, realistische Benchmarks. • Quellen sind international anerkannte Standards (IPCC, SBTi, ILO, WRI, EU-Richtlinien). • Das WUStG kann diese Tabellen als gesetzlichen Anhang führen – und alle 3 Jahre aktualisieren. • Damit ist das System objektiv, überprüfbar und dynamisch.
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Beispiel A: Regionaler Bio-Apfel 5% SDG-Feld Kennzahl Schwellenwerte (Auszug) Score Klima (SDG 13) 0,26 kg CO₂e/kg ≤ 0,20 = +3; ≤ 0,30 = +2; ≤ 0,50 = 0; > 0,50 = –1 +2 Wasser (SDG 6) 9 L, low stress ≤ 10 = +3; ≤ 20 = +2; ≤ 50 = 0; > 100 = –2 +2 Arbeit (SDG 8) 100 % Living- Wage 100 % = +1; < 95 % = 0; < 85 % = –1 +1 Gesundheit (SDG 3) Bio, keine Pestizide 0 % HHP = +1; ≤ 5 % = 0; > 5 % = –1 +1 Gesamtergebnis: • Schlechtester Wert = +1 • Reverse Merit Order → Steuerklasse „Sehr gut“ (5 %)
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Beispiel B: Chile-Apfel 25% SDG-Feld Kennzahl Schwellenwerte (Auszug) Score Klima (SDG 13) 0,54 kg CO₂e/kg ≤ 0,20 = +3; ≤ 0,30 = +2; ≤ 0,50 = 0; > 0,50 = –2 –2 Wasser (SDG 6) 180 L, high stress ≤ 10 = +3; ≤ 20 = +2; ≤ 50 = 0; > 100 = –1 bis –2 –1 Arbeit (SDG 8) 85 % Living-Wage 100 % = +1; ≥ 95 % = 0; < 85 % = –1 0 Gesundheit (SDG 3) Grenzwertig 0 % HHP = +1; ≤ 5 % = 0; > 5 % = –1 0 Gesamtergebnis: • Schlechtester Wert = –2 • Reverse Merit Order → Steuerklasse „Schädlich“ (25 %)
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Wirkungssteuer – Fair, transparent, regelbasiert • Automatisch: NACE → SDG-Matrix → CSRD/GRI-Daten → Scores → Steuerklasse • Schwellenwerte: kommen aus internationalen Pfaden & Gesetzen • Klima: SBTi / 1,5°C-Pfad • Wasser: WRI Aqueduct / EU-Wasserrahmenrichtlinie • Arbeit: Living-Wage-Benchmarks • Gesundheit: EU-Pestizidstrategie / Farm-to-Fork • Reverse Merit Order: schlechtester Wert entscheidet → kein Greenwashing • Anreiz: nachhaltig = günstiger, schädlich = teurer • Wirkung: faire Preise, klare Transparenz, starker Transformationsdruck 5% 25%
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Automatische Logik: Von NACE-Code bis Steuerklasse 5% 25%
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Warum sich Nachhaltigkeit auch ökonomisch lohnt Rechenweg Gewinn & Marge Annahmen (konstant für beide) • Ziel-Regalpreis (Brutto Endkunde) wie beim Bio: 2,10 € • Händlermarge: 20 % auf den Netto -Verkaufspreis an Endkunde (d. h. Händler -Gewinn = 20 % × Netto-Verkaufspreis) Vorsteuer: • Bio (Klasse „Sehr gut“ 5 %): 100 % abziehbar • Chile (Klasse „Schädlich“ 25 %): nur 10 % abziehbar → 90 % der Eingangs-MwSt sind Händlerkosten Bonus-Logik (Beispiel): Bio-Produzent hat z. B. −1,5 Prozentpunkte Bonus auf seine eigene Umsatzsteuer (wirkt auf seine Steuerschuld, nicht auf den Endpreis und nicht auf den Vorsteuerabzug des Händlers). Chile: kein Bonus (blockiert durch „Rot“).
Fazit (apples-to-apples, bei 2,10 € brutto im Regal) • Händler: verdient bei Bio 0,40 €/kg, bei Chile 0,336 €/kg → Bio ist auch für den Handel attraktiver (weil keine versteckten Vorsteuerkosten). • Produzent: verdient bei Bio 0,40 €/kg (+ Bonus -Steuervorteil), bei Chile 0,30 €/kg → Bio bleibt profitabler, obwohl die Produktionskosten höher sind. • Bonus verstärkt die Spreizung zusätzlich (wirkt beim Bio -Produzenten zusätzlich entlastend).
Wenn der Händler beim Chile -Apfel nicht den Regalpreis an Bio angleichen würde (z. B. Netto 2,00 € lässt), läge der Regalpreis b ei 2,50 € brutto und wäre schlechter verkäuflich.
In der Praxis erzwingt der Markt dann die Senkung des Netto -Einkaufspreises (und damit die niedrigeren Produzenten -Erlöse), wie oben gerechnet.
Regionaler Bio-Apfel (Deutschland) • Ziel-Brutto (Endkunde): 2,10 € • Netto an Endkunde (Händler-Verkaufspreis): 2,10€ / 1,05 = 2,00 € • Händlermarge (20 % von 2,00 €): 0,40 € Händler-Gewinn • Einkaufspreis netto beim Produzenten: 𝑃𝑤 = 0,8 × 2,00 = 1,60 € • Vorsteuer Händler: 5 % auf 1,60 € = 0,08 € → 100 % abziehbar ⇒ keine Zusatzkosten • Produktionskosten Produzent: 1,20 €/kg • Gewinn Produzent (vor eigener Steuer): 1,60 − 1,20 = 0,40 €/kg • Bonus (z. B. −1,5 pp): senkt Produzenten-Steuerschuld (z. B. effektiv 3,5 % statt 5 % auf seinen Umsatz) – Endpreis & Händler bleiben davon unberührt.
Zwischenergebnis Bio: • Händler-Gewinn: 0,40 €/kg • Produzenten-Gewinn: 0,40 €/kg (+ kleiner Steuer-Vorteil durch Bonus auf Produzentenseite) Chile-Apfel (Import) – wettbewerbsfähig zum Bio-Regalpreis • Ziel-Brutto (Endkunde): 2,10 € • Netto an Endkunde: 2,10 / 1,25 = 1,68 € • Vorsteuer-Malus Händler: nur 10 % abziehbar → nicht abziehbar = 90 % von 25 % = 22,5 % auf den Einkaufspreis 𝑃𝑤. • Marge inkl. Vorsteuer-Malus (20 %): • Margengleichung: Pr-Pw-nicht abziehbare MwSt. = 1,68 - ? - 0,225Pw = 0,20Pw ⇒ 1,225Pw = 0,80Pr ⇒ Pw = 0,80/1,225 × 1,68 ≈ 1,10€ • Händlermarge (per Definition 20 % von 1,68 €): 0,336 € Händler-Gewinn • Produktionskosten Produzent: 0,80 €/kg • Gewinn Produzent (vor eigener Steuer): 1,10 € − 0,80 € = 0,30 €/kg • Bonus: keiner (blockiert) → keine Entlastung auf Produzentenseite, Vorsteuer-Malus bleibt beim Händler bestehen.
Zwischenergebnis Chile (bei gleichem Regalpreis 2,10 €): • Händler-Gewinn: 0,336 €/kg (20 % von 1,68 €) • Produzenten-Gewinn: 0,30 €/kg
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Wissenschaft neu gedacht: Von Machbarkeit zu Wirkung
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Wissenschaft neu gedacht: Von Machbarkeit zu Wirkung Naturwissenschaften & Technik • Früher: Machbarkeit wichtiger als Wirkung (Motor, Atomkraft, Chemie). • Illusion: Natur beherrschbar. • Folgen: Klimawandel, Atommüll, Artensterben. • WÖk: Impact-orientierte Forschung (Erneuerbare, Kreislaufwirtschaft, Quantentechnologien).
Geistes- und Sozialwissenschaften • Früher: Modelle oft linear, mechanistisch, realitätsfern (z. B. Homo oeconomicus, Wachstumsdogma). • Illusion: Gesellschaft planbar wie eine Maschine. • Folgen: Fehlsteuerungen in Politik & Wirtschaft, Krisen, soziale Spaltungen. • WÖk: Systemisches Denken, Interdisziplinarität, Wirkungsmessung (z. B. SDG-Politik, Bildungsforschung mit Outcome-Fokus).
Medizin & Gesundheitswissenschaften • Früher: Technik = Fortschritt (OPs, Medikamente, Apparate) • Folgen: Kostenexplosion, Nebenwirkungen, Überversorgung, Ungleichheit im Zugang • Heute: Prävention, Lebensqualität, Public Health → mehr Wirkung bei weniger Kosten. • Maßstab: Gesundheit als gesellschaftliche Wirkung, nicht nur technische Machbarkeit Rechtswissenschaften • Früher: Gesetze formuliert ohne Wirkungsprüfung. • Problem: Justiz muss auf Basis unvollständiger Grundlagen urteilen. • WÖk: Wirkungsbasierte Gesetzgebung → Artikel 20a GG als Fundament. • Folge: Stärkung der unabhängigen Justiz, weil Wirkung messbar und überprüfbar ist.
Wirtschaftswissenschaften & BWL • Früher: Fokus auf BIP, Kapital, Gewinnmaximierung. • Folge: Wachstumszwang, Krisen, externe Kosten. • WÖk: Wirkungsökonomie → Gewinn als Folge, nicht Ziel. • Neue Kennzahlen: ESG, T-SROI, SDG-Alignment.
Bildungswissenschaft / Lehramt • Früher: Wissensvermittlung als Ziel („Stoff durchbekommen“). • Folge: Abgehobene Theorie, fehlende Lebensrelevanz. • WÖk: Outcome-orientierte Bildung: Welche Wirkung entfaltet Lernen auf Gesellschaft, Demokratie, Klima?
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Justiz & Grundgesetz Wirkungsökonomie = Grundgesetz verwirklichen • Art. 1: Würde des Menschen → auch für kommende Generationen sichern • Art. 3: Gleichheit → gerechte Chancen statt Machtungleichgewicht • Art. 14: Eigentum verpflichtet → Wirkung operationalisiert das „Wohl der Allgemeinheit“ • Art. 20a: Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen → konsequent umgesetzt • WÖk: Umsetzung des GG durch wirkungsbasierte Gesetze, Steuern & Anreize • Justiz bleibt unabhängig – hat aber klare, messbare Grundlage • Effekt: Stärkung statt Politisierung der Justiz
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Mehrwertsteuer in der Wirkungsökonomie Gleiche Kategorie – andere Wirkung – Beispiel • Schwein (Massentierhaltung) → rot / 25 % • Bio-Schwein → ebenfalls rot / 25 % (besseres Tierwohl, bessere CO₂ -Bilanz, aber ebenfalls gesundheitsschädlich) Massentierhaltung • Stallfläche klein, versteckte Fläche riesig (Soja/ Mais in Südamerika). • Regenwaldrodung, Biodiversitätsverlust. • Hohe CO₂-Emissionen (Futter, Gülle, Lachgas). • Antibiotika-Einsatz, Tierleid. • Verstoß gegen SDG 12 (nachhaltige Produktion), SDG 13 (Klimaschutz), SDG 15 (Leben an Land), indirekt gegen SDG 3 (Gesundheit - Antibiotika).
Bio/Weidehaltung • Mehr Platz pro Tier → direkte Fläche höher. • Weniger/kein Import-Soja → weniger versteckte Flächen. • Kreislaufwirtschaft: Mist als Dünger, Biodiversität. • Niedrigerer CO₂-Fußabdruck, besser fürs Klima. • Höheres Tierwohl. • Aber: Ebenfalls nach WHO gesundheitsschädlich.
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Tönnies (Massentierfleisch) vs. Bio-Fleisch (Biomanufaktur Havelland) Steuerliche Einordnung ( WÖk-System, Reverse-Merit-Order) • Tönnies (Massentierhaltung): 25% MwSt. • Bio-Fleisch (Biomanufaktur): 25% MwSt. (Beide in Klasse 1 „Schädlich“, aber Bio erhält Bonusabzug innerhalb der Klasse.
Massentierhaltung • Gesundheit –2: verarbeitetes Fleisch (WHO karzinogen) + hoher Antibiotikaeinsatz → Resistenzen. • Klima –2: Hohe CO₂-Emissionen (Futter, Gülle, Lachgas). • Ressourcen –1: Import-Soja, versteckte Flächen (Regenwaldrodung). • Tierwohl –2: Stallfläche minimal, Stress, Verletzungen. • Steuerwirkung: Kein Bonus → 25 % (oberer Rand der Klasse).
Bio/Weidehaltung • Gesundheit –1: ebenfalls verarbeitetes Fleisch, WHO -Bewertung bleibt. • Klima +2: Ökostrom, PV, geschlossene Kreisläufe → klimaneutral. • Ressourcen +1: Weniger/kein Import-Soja, regionale Kreislaufwirtschaft. • Tierwohl +1: Mehr Platz, Weidehaltung, weniger Stress. • Steuerwirkung: Bonusabzug innerhalb der Klasse ( –3 pp) → 22 % rechnerisch.
Quellen: Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen, Germanwatch, Albert-Schweizer-Stiftung, WHO Kernbereich Tönnies Bio-Fleisch SDG 3 Gesundheit –2 (gerade wegen WHO-Einordnung plus Antibiotika-Risiken) –1 (verarbeitetes Fleisch bleibt karzinogen laut WHO) SDG 13 Klima –2 (hohe Emissionen aus Schlachtung & Landwirtschaft) +2 (betrieblich CO₂-neutral durch PV & Ökostrom) SDG 12 Ressourcen –1 (Soja-Importe, versteckte Flächen) +1 (kreislauf, regionale Produktion) Tierwohl (SDG 15/8) –2 (intensiv, Stallhaltung) +1 (Weidehaltung, mehr Platz) Grundsatz zur Steuerklasse: Immer der schlechteste Score (hier: Gesundheit bei jeweils –2 resp. –1) bestimmt Klasse 1: 25–30 %.
Bonus innerhalb der Klasse: +1 Prozentpunkt Abzug pro Bereich mit Score ≥ +1.
Bio: Klima +2 → –1 pp; Ressourcen +1 → –1 pp; Tierwohl +1 → –1 pp → Gesamt –3 pp → 25% – 3 pp = 22%.
Darf Bonus von 3 pp ziehen → er bekommt 3 % seiner Vorsteuer zurück (22% anstatt25%).
Tönnies: keine positive Bereiche → 25%.
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Der Nutzen Wirkung zahlt sich aus – für alle Unternehmen: • Echte Anreize für Innovation • Wettbewerb um besten Impact • Fairere Marktbedingungen Gesellschaft: • Stabilität statt Dauerkrisen • Gerechtere Chancenverteilung • Schutz der Lebensgrundlagen Individuen: • Sicherheit & Teilhabe • Produkte ohne versteckte Kosten für andere oder die Zukunft • Mehr Wertschätzung für Care- & Sinnarbeit
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BIP neu verstanden BIP ist Folge, nicht Ziel • Heute: BIP = zentrale Steuerungsgröße → Politik & Wirtschaft hängen am Wachstumsfetisch. • Problem: BIP misst nur Umsatz & Transaktionen, nicht deren Wirkung • Wirkungsökonomie: BIP bleibt, aber als Folgegröße • Wenn Wirkung steigt → steigt auch das BIP • Neues Narrativ: „Gutes BIP = viel positive Wirkung“ statt „Mehr BIP um jeden Preis“ BIP heute ist die Summe aller in einem Land erzeugten Waren und Dienstleistungen zu Marktpreisen.
BIP in der WÖk ist die Summe aller in einem Land erzeugten Waren und Dienstleistungen, gewichtet nach ihrer Wirkung auf Mensch, Gesellschaft und Natur. • Heute: BIP = Geldströme ohne Rücksicht auf Wirkung. • Morgen: BIP = Geldströme * multipliziert mit Wirkung. • Fossile & destruktive Aktivitäten verlieren BIP-Bedeutung. • Nachhaltige, soziale und resiliente Aktivitäten steigern das BIP. • Care-Arbeit, Prävention, Bildung und Resilienz werden erstmals sichtbar und hoch bewertet.
Jede Wertschöpfung wird nach Wirkung adjustiert.
Produkte, Dienstleistungen und Investitionen bekommen einen Wirkungsfaktor (über SDGs).
Negativer Impact wird abgezogen, positiver Impact verstärkt.
Beispiel: • Ein Steak mit hoher CO₂-Bilanz, Flächenverbrauch und Tierleid: Wertschöpfung 10 €, Wirkungsfaktor 0,5 → 5 €. • Ein Apfel aus regionaler Bio- Produktion: Wertschöpfung 1 €, Wirkungsfaktor 1,5 → 1,50 €. • Eine Bildungsausgabe für Schulmaterial: 100 €, Wirkungsfaktor 2,0 → 200 €.
Damit bildet das BIP nicht mehr nur den Preis, sondern den tatsächlichen gesellschaftlichen Wert ab.
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FAQ zur Wirkungsökonomie Häufige Fragen – klare Antworten Ist das Social Scoring? → Nein. Keine Bewertung von Menschen, sondern nur von Produkten, Unternehmen und politischen Maßnahmen.
Was ist mit Menschen, die keinen Beitrag leisten können? → Sie sind nicht „verloren“. Wirkung heißt auch: Gesellschaftliche Teilhabe sichern – Pflege, Inklusion, Bildung sind selbst positive Wirkungen.
Ist das nicht Planwirtschaft? → Nein. Markt & Wettbewerb bleiben erhalten – aber Anreizsysteme orientieren sich an Wirkung statt an blindem Gewinn.
Brauchen wir dann noch Geld? → Ja. Kapital bleibt wichtig – aber als Folge- und Feedbackgröße, nicht mehr als Zielgröße.
Ist das überhaupt anschlussfähig global? → Ja. SDGs sind bereits weltweit anerkannt – von Demokratien, Autokratien, Monarchien.
Greift der Staat ins Privatleben ein? → Nein. Individuelle Freiheit bleibt. Aber Regeln sorgen dafür, dass niemand auf Kosten anderer oder künftiger Generationen leb t.
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Ausblick & Appell Wirkung als neue Währung • Globale Anschlussfähigkeit durch SDGs → ideologiefrei, universell akzeptiert • Wirkung als klare, messbare Grundlage für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft • Transformation ist möglich – die Werkzeuge sind da • Wir brauchen keine Revolution – nur Mut, neu zu steuern
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Mehr dazu… www.wirkungsoekonomie.de
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Danke!
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Polarisierung auflösen Links, Rechts, AfD – und warum die WÖk den Konflikt überwindet • Sozialismus / Planwirtschaft → Klassenlosigkeit, aber Unfreiheit • Kapitalismus / Neoliberalismus → Innovation, aber Ausbeutung & Machtkonzentration • AfD / Rechtsnationalismus → Scheinlösungen durch Spaltung & Rückwärtsgewandtheit • Wirkungsökonomie → Überwindet das Gegeneinander: Wirkung statt Ideologie Misst, was wirklich zählt: Gerechtigkeit, Zukunftsfähigkeit, Freiheit Die Wirkungsökonomie löst das alte Links-rechts-Dilemma, weil beide Grundbedürfnisse integriert werden: • Gemeinschaft & Gerechtigkeit (links) • Leistung & Ordnung (rechts) Extrempositionen wie AfD oder Kommunismus verlieren, weil sie keine systemische Wirkung erzeugen.