Für Kommunen · KWI 1.0 · Diskussionsmodell

Kommunaler Wirkungsindex: Der Gesundheitscheck für Städte und Gemeinden.

Der KWI zeigt nicht, wie reich eine Kommune ist. Er zeigt, wie es Menschen, Umwelt und Demokratie vor Ort tatsächlich geht: verständlich, datenbasiert und nicht als Ranking.

Einfach erklärt

Viele Werte ergeben erst zusammen ein Bild.

Stellen Sie sich einen Gesundheitscheck vor. Blutdruck, Puls, Gewicht und Blutwerte sind für sich genommen noch nicht Gesundheit. Zusammen zeigen sie aber, ob alles stabil ist, ob ein Wert auffällig wird und ob man früh reagieren sollte.

Genau so arbeitet der KWI. Nicht für Menschen, sondern für Städte und Gemeinden. Er bringt einzelne kommunale Daten in eine gemeinsame Wirkungsfrage: Was bedeutet das alles zusammen für die Zukunftsfähigkeit dieser Kommune?

Der KWI ist eher Rauchmelder als Zeugnis: Er macht Entwicklungen sichtbar, bevor kleine Probleme groß werden.

Warum braucht man ihn?

Tausende Zahlen beantworten noch keine gemeinsame Frage.

Kommunale Haushalte, Fachberichte, Klimadaten, Sozialdaten, Kriminalitätszahlen, Beteiligungsformate und SDG-Indikatoren liegen oft getrennt nebeneinander. Das ist wichtig, aber schwer zu deuten.

Der KWI führt diese Informationen auf eine gemeinsame Frage zurück: Welche Zustände verändern sich für Menschen, Planet und Demokratie, und wo entstehen früh erkennbare Risiken?

Was der KWI misst

Nicht Kontostand. Sondern Wirkung im Alltag.

Der KWI misst nicht, ob eine Kommune reich ist, welche Partei regiert oder ob eine Stadt gut oder schlecht ist. Er liest vorhandene Daten danach, wie es Menschen vor Ort geht, wie gesund die natürlichen Lebensgrundlagen sind und wie stabil Demokratie, Vertrauen und Zusammenhalt funktionieren.

Was der KWI nicht ist

Klare Schutzlinien gegen die falsche Lesart.

Der KWI ist nicht:

  • kein Ranking
  • kein Städtewettbewerb
  • keine Schulnote
  • keine Wahlempfehlung
  • keine Personenbewertung
  • kein Social-Credit-System

Der KWI ist:

  • ein Wirkungscockpit
  • ein Frühwarnsystem
  • ein Lerninstrument
  • ein Transparenzwerkzeug
  • eine gemeinsame Gesprächsgrundlage
  • ein Startpunkt für bessere Fragen

Beispiel

Zwei Städte, zwei Wirkungsprofile.

Der KWI macht keine Siegerliste. Er macht sichtbar, wo eine Kommune stabil ist, wo Risiken wachsen und wo Politik und Verwaltung genauer hinschauen sollten.

Stadt A

  • gute Bildungsindikatoren
  • niedrige Arbeitslosigkeit
  • gute medizinische Versorgung
  • wenig Kriminalität
  • hohe Wahlbeteiligung
  • viele Grünflächen

Stadt B

  • schwächere Bildungsindikatoren
  • hohe Jugendarbeitslosigkeit
  • weniger Ärzt:innen
  • höhere Kriminalitätsbelastung
  • geringe Wahlbeteiligung
  • wenig Stadtgrün

Drei Dimensionen

Mensch, Planet und Demokratie.

Mensch

Lebensqualität und Teilhabe

Bildung, Gesundheit, Wohnen, Sicherheit, Armut, Pflege, soziale Stabilität und gerechte Teilhabe.

Planet

Ökologische Tragfähigkeit

Klima, Energie, Fläche, Wasser, Luft, Biodiversität, Hitze, Klimaanpassung und Resilienz.

Demokratie · SDG+

Noch eigene Methodik nötig

Beteiligung, Transparenz, Vertrauen, Wahlbeteiligung, Zivilgesellschaft, Fairness und institutionelle Handlungsfähigkeit. Diese Dimension lässt sich nur teilweise aus SDG-Portal-Daten ableiten.

Wirtschaft ist keine vergessene vierte Säule, sondern Querschnitt. Lokale Wertschöpfung, Finanzkraft, gute Arbeit und Innovation werden danach betrachtet, ob sie Mensch, Planet und Demokratie stärken.

SDG+ Demokratie

Demokratie braucht ein eigenes Indikatorenkonzept.

Für Demokratie reicht das SDG-Portal allein nicht aus. Es liefert aber wichtige SDG-16-Proxys, etwa Straftaten und kommunale Finanzindikatoren. Die SDG+-Dimension muss diese harten Daten um Beteiligung, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz, lokale Medien, Zivilgesellschaft und Vertrauen ergänzen.

Demokratie im KWI

Demokratie meint nicht nur Wahlen. Sie beschreibt, ob Menschen vor Ort sicher, informiert, beteiligt und fair behandelt werden; ob Verwaltung und Rat nachvollziehbar handeln; ob Rechte erreichbar sind; ob lokale Medien und Zivilgesellschaft Kontrolle und Debatte ermöglichen; und ob Menschen Vertrauen haben, dass ihre Stimme zählt.

  • Beteiligung und Repräsentation.
  • Transparenz und Rechenschaft.
  • Rechtsstaatlicher Zugang und Verwaltungsfairness.
  • Sicherheit, Schutz und demokratische Resilienz.
  • Zivilgesellschaft und demokratische Selbstwirksamkeit.
  • Medien, Information und Diskurs.

Mess- und Schutzlogik

Die Demokratiedimension darf keine Personenprofile, keine politische Gesinnungsbewertung und keine Social-Credit-Logik erzeugen. Gemessen werden kommunale Strukturen, Beteiligungszugänge, Transparenz und institutionelle Korrekturfähigkeit.

Für den Prototyp wird Demokratie deshalb als SDG+-Konzeptbereich markiert. SDG-16-Werte wie Straftaten sind nutzbar, aber keine vollständige Demokratiewertung. Medienqualität, Vertrauen und Fairness brauchen eigene Pilotdaten oder Befragungen.

Datenkatalog Demokratie

Was lässt sich heute schon beziehen?

Für KWI 1.0 sollte Demokratie in drei Ebenen gelesen werden: harte Daten, institutionelle Infrastruktur und erlebte Demokratie. Nur die ersten beiden sind teilweise sofort maschinenlesbar. Die dritte Ebene braucht meist Befragungen oder Pilotkommunen.

Baustein Beziehbare Daten Mögliche Quellen Reife
SDG 16 / Sicherheit Straftaten je 1.000 Einwohner:innen, ggf. Gewaltkriminalität, politisch motivierte Kriminalität, subjektives Sicherheitsgefühl. SDG-Portal, Statistikportal, BKA/PKS, SKiD. hoch bis mittel; PKS bleibt Hellfeldstatistik.
Wahlen und Beteiligung Wahlbeteiligung, ungültige Stimmen, Wahlbeteiligungstrends, Bürgerentscheide, Beteiligungsformate. Bundeswahlleiterin Open Data, Landeswahlleitungen, kommunale Wahlämter. hoch für Wahlen; mittel für Beteiligungsformate.
Transparenz und Rat Ratsinformationssystem, Sitzungen, Vorlagen, Beschlüsse, Haushaltsdokumente, Open-Data-Reife. OParl, kommunale Ratsinformationssysteme, GovData, Musterdatenkatalog. mittel; sehr abhängig von Kommune und Schnittstelle.
Rechtsstaatlicher Zugang Nähe zum Amtsgericht, Rechtsantragsstelle, Verfahrensdauer und Rückstände im zuständigen Gerichtsbezirk, Beratungshilfe. Justizportale der Länder, Rechtspflegestatistik, Landesjustizstatistiken. mittel; meist Gerichtsbezirk statt Gemeinde.
Verwaltungsfairness Beschwerdestelle, Ombudsstelle, Antikorruption, Hinweisgebersystem, Antwortzeiten, barrierefreie und mehrsprachige Zugänge. kommunale Websites, Satzungen, Serviceportale, Pilotdaten. mittel bis niedrig; guter Kandidat für Pilotkommunen.
Zivilgesellschaft Partnerschaften für Demokratie, Jugendforum, Demokratiekonferenz, Vereine, Initiativen, Ehrenamts- und Quartiersinfrastruktur. Demokratie leben!, ZiviZ, kommunale Listen. mittel; Struktur gut, Wirkung oft nur qualitativ.
Medien und Information Anzahl lokaler Medienangebote, Anbietervielfalt, Lokaljournalismus, lokale Radio-/TV-Angebote, Public-Value-Listen, Krisenkommunikation. Landesmedienanstalten, mabb_atlas, BLM-Studie, eigene Medienliste. niedrig bis mittel; methodisch wichtig, aber noch kein bundesweiter Standard.
Erlebte Demokratie Vertrauen, Fairness, Sicherheitsgefühl, Beteiligungswirksamkeit, Diskriminierungserfahrung, Medienvertrauen. Bürgerbefragungen, SKiD, kommunale Panels, wissenschaftliche Pilotstudien. niedrig bis mittel; ohne Befragung nur eingeschränkt nutzbar.

Datenquellen

Welche Daten können einfließen?

Für den Prototyp werden Daten zunächst als versionierte Snapshots verarbeitet. Live-Schnittstellen können später ergänzt werden, wenn Quelle, Lizenz, Stabilität und Qualität geklärt sind.

SDG-Portal / kommunale SDG-Indikatoren

Ausgangspunkt für verfügbare kommunale Indikatoren, Zeitreihen und Landesvergleiche.

INKAR und Wegweiser Kommune

Zusätzliche regionalstatistische, demografische, soziale, wirtschaftliche und infrastrukturelle Daten.

GV-ISys, GovData und kommunale Open Data

Gemeindeschlüssel, Verwaltungsdaten, kommunale Datenportale und maschinenlesbare Fachdatensätze.

Wahlstatistik, Justizstatistik, Beteiligungsdaten und Bürgerbefragungen

Bausteine für SDG+ Demokratie, Rechtszugang, Beteiligung und lokale Wahrnehmung.

OParl, Ratsinformationssysteme und lokale Medienquellen

Bausteine für Transparenz, Rechenschaft, Medienvielfalt und kommunale Diskursfähigkeit.

Perspektivisch kommunale Haushalte und Produkthaushalte

Brücke zu KWI 2.0: Produkte, Maßnahmen, Budgets und Wirkungsziele werden anschlussfähig.

Zielbetrieb

Jede Kommune eingeben, aber nicht alles im Browser berechnen.

Die öffentliche KWI-Beta ist statisch vorführbar. Für beliebige Kommunen braucht sie als nächsten Deploy-Schritt eine kleine serverseitige Schicht: Sie sucht die Kommune, ruft öffentliche Daten ab, erzeugt einen Snapshot und gibt ein geprüftes Wirkungsprofil zurück.

1 · Eingabe

Ort normalisieren

Nutzer:innen geben „Bielefeld“, „Mannheim“ oder den amtlichen Gemeindenamen ein. Die API löst die Eingabe gegen das SDG-Portal und später gegen AGS/GV-ISys auf.

2 · Daten

Snapshot erzeugen

Der Collector zieht SDG-Portal-Daten, Zeitreihen, Landesdurchschnitt, Quellen, Richtung und Datenqualität. Der Snapshot wird versioniert und gecacht.

3 · Bewertung

Deterministisch rechnen

Scores, Dimensionen, MPD-Status, Trends und Lücken werden regelbasiert berechnet. Dadurch bleibt der Index prüfbar und reproduzierbar.

4 · Deutung

WÖk-KI optional

Eine WÖk-KI kann den Ergebnistext verständlicher formulieren. Sie darf aber nicht die Zahl erfinden, Gewichte ändern oder eine politische Bewertung ersetzen.

KWI-Demo

Ort eingeben. Wirkungsprofil verstehen.

Die aktuelle Demo nutzt versionierte SDG-Portal-Snapshots für ausgewählte Kommunen. Sie zeigt Score, Zeitverlauf, Datenqualität, fehlende Daten, größte Prüfpunkte und eine automatische Kurzinterpretation.

Demokratie ist sichtbar als SDG+-Proxybereich markiert. Eine vollständige Demokratiedimension braucht das oben beschriebene Indikatorenkonzept.

KWI-Demo ansehen

Profil statt Tabelle

MenschTrend
PlanetLücke
DemokratieProxy

Der erste Blick soll Wirkungslinien, Datenqualität und Interpretationsfragen zeigen. Die Einzelwerte bleiben als Prüfpfad verfügbar, aber nicht als UX-Einstieg.

Methodik-Kurzfassung

Wie wird gerechnet?

  1. Indikatoren werden den Dimensionen Mensch, Planet und Demokratie zugeordnet. Demokratie besteht aus SDG-16-Kerndaten und SDG+-Zusatzmodulen; bis zur Pilotvalidierung bleiben viele Werte Proxywerte.
  2. Werte werden auf eine 0-100 Skala normalisiert. Die Richtung wird berücksichtigt: höher ist besser, niedriger ist besser oder später Zielkorridor.
  3. Status, Trend und Zielabstand werden getrennt gelesen. Ein steigender Wert ist nicht automatisch positive Wirkung.
  4. Datenqualität, Quellenstand, fehlende Werte und Annahmen bleiben sichtbar.
  5. Ein Gesamtwert wird nur angezeigt, wenn die Mindestdatenabdeckung im jeweiligen Beta-Modell erreicht ist. Die Methodik ist versioniert.

Entwicklungspfad

Vom Statusprofil zur Wirkungssteuerung.

KWI 1.0

Status und Transparenz

Vorhandene Daten, Zielabstände, Trends, Lücken und Wirkungsfragen sichtbar machen.

KWI 2.0

Haushalt und Maßnahmen

Kommunale Produkte, Maßnahmen, Budgets und Wirkungsziele miteinander verbinden.

KWI 3.0

Szenarien und Wirkung pro Euro

Priorisierung, Szenarien, Wirkung pro Euro und Wirkungssteuerung als politisch verantwortete Entscheidungshilfe.

Mitmachen

Pilotkommune werden.

Gesucht sind Kommunen mit Nachhaltigkeitsstrategie, Open-Data-Interesse, wirkungsorientierter Haushaltssteuerung oder Beteiligungserfahrung. Ebenso willkommen sind Ratsfraktionen, Wissenschaft, Statistik- und Datenpraktiker:innen sowie Zivilgesellschaft.

Quellenbasis / Grundlage

Grundlage

Quellen und Anschlussräume

Quellenstand: 08.06.2026 KWI 1.0: Beta- und Diskussionsmodell Keine amtliche Bewertung