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Kapitel 87 - Wirkungsorientierte Forschung und Innovation

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2026-05-21
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Kapitel 87 - Wirkungsorientierte Forschung und Innovation

Kapitel 86 hat Wissenschaft als Wirkungsinfrastruktur beschrieben. Wissenschaft macht Wirklichkeit prüfbar. Dieses Kapitel geht einen Schritt weiter: Es fragt, wie Forschung selbst ausgerichtet werden muss, wenn eine Gesellschaft nicht nur mehr Wissen, sondern bessere Zukunftspfade erzeugen will.

Forschung ist eine Wirkungsquelle. Sie erzeugt Begriffe, Methoden, Daten, Messinstrumente, Technologien, Therapien, Materialien, Modelle, Kritik, Orientierung, Replikation, Infrastrukturen, Software, Bildung, Patente, Institutionen und Handlungsoptionen. Sie wirkt nicht nur dort, wo ein Produkt, ein Medikament oder eine Technologie unmittelbar verwertet wird. Sie wirkt auch dort, wo sie Fragen präzisiert, Irrtümer korrigiert, Komplexität verständlich macht, Risiken sichtbar macht oder künftige Möglichkeiten öffnet.

Forschung wirkt nicht nur, wenn sie sofort verwertbar ist. Sie wirkt, wenn sie die Fähigkeit einer Gesellschaft erhöht, Wirklichkeit zu verstehen und bessere Zukunftspfade zu öffnen.

Damit ist Forschung in der Wirkungsökonomie mehr als Publikationsproduktion. Sie ist nicht gut, weil sie viele Paper erzeugt, viele Drittmittel einwirbt, viele Patente anmeldet oder kurzfristig verwertbare Ergebnisse liefert. Sie ist gut, wenn sie Erkenntnisqualität, Problemlösungsfähigkeit, gesellschaftliche Anschlussfähigkeit, Langzeitwirkung und Verantwortung verbindet [I-K87-1; I-K87-6].

87.1 Grundlagenforschung und Wirkungszeit

Grundlagenforschung ist die Forschung mit der längsten Wirkungszeit.

Sie stellt Fragen, deren Nutzen häufig noch nicht sichtbar ist. Sie sucht nicht zuerst ein Produkt, sondern Verständnis. Sie untersucht Moleküle, Felder, Algorithmen, Zellen, Materialien, Sprachen, soziale Strukturen, historische Muster, mathematische Beziehungen, physikalische Gesetzmäßigkeiten, ökologische Kopplungen, kulturelle Bedeutungen oder psychische Prozesse, bevor klar ist, welche Anwendungen daraus entstehen.

Genau deshalb ist sie unverzichtbar.

Eine Gesellschaft, die nur noch Forschung finanziert, deren Nutzen kurzfristig belegt werden kann, zerstört ihre eigene Zukunftsfähigkeit. Sie würde nur das optimieren, was sie bereits kennt. Sie würde bestehende Probleme schneller bearbeiten, aber weniger neue Wirklichkeitsräume öffnen. Sie würde Innovation verlangen und zugleich die tiefen Quellen von Innovation austrocknen.

Grundlagenforschung wirkt häufig indirekt. Sie erzeugt Theorien, Messverfahren, Modelle, Methoden, Denkweisen, Datenreihen, Begriffe und Talente. Diese Wirkungen erscheinen nicht sofort als Marktwert. Aber ohne sie gäbe es keine moderne Medizin, keine Materialwissenschaft, keine Quantenphysik, keine Halbleiter, keine KI, keine Klimamodelle, keine Genomforschung, keine Epidemiologie, keine Batterieforschung, keine Satellitendaten, keine Statistik, keine Systemtheorie und keine verlässliche Umweltmessung [E-K87-1; E-K87-10].

Die Wirkungsökonomie darf Grundlagenforschung daher nicht dem Missverständnis aussetzen, sie müsse ihre Wirkung vorab vollständig beweisen. Das wäre ein Widerspruch. Forschung, die unbekannte Wirklichkeit erschließt, kann nicht immer wissen, welche Wirkung sie später haben wird. Ihre Wirkung liegt zunächst in Erkenntnismöglichkeit.

Eine Grundlagenfrage kann Jahrzehnte später zur Schlüsseltechnologie werden. Eine mathematische Theorie kann lange abstrakt wirken und später Verschlüsselung, KI oder Simulation ermöglichen. Eine biologische Beobachtung kann später Therapiepfade eröffnen. Eine ökologische Langzeitreihe kann politische Kipppunkte sichtbar machen. Eine soziologische Studie kann erklären, warum eine gut gemeinte Maßnahme Vertrauen zerstört. Eine geisteswissenschaftliche Arbeit kann Begriffe liefern, mit denen Gesellschaft ihre eigene Gegenwart versteht.

Grundlagenforschung ist deshalb nicht wirkungslos, weil ihre Wirkung spät kommt. Ihre Wirkungszeit ist lang.

Wirkungszeit bezeichnet den Zeitraum, in dem Forschung ihre gesellschaftliche, ökologische, technologische, demokratische oder kulturelle Bedeutung entfaltet. Manche Forschung wirkt schnell: ein Impfstoff, ein Materialtest, eine Energieeffizienzlösung, eine Pflegeintervention. Andere wirkt langsam: eine Theorie, eine Dateninfrastruktur, eine Replikationsstudie, eine Bildungsstudie, eine Klimazeitreihe, eine historische Analyse, eine Grundlagenentdeckung.

Die alte Bewertungslogik hat schnelle Wirkung bevorzugt, weil sie leichter sichtbar ist. Die Wirkungsökonomie darf diesen Fehler nicht wiederholen. Sie muss zwischen kurzfristiger Verwertbarkeit und langfristiger Wirkkraft unterscheiden.

Ein Forschungsprojekt kann kurzfristig keine Anwendung haben und trotzdem hohe Erkenntniswirkung erzeugen. Ein Forschungsprojekt kann viele Anwendungen versprechen und trotzdem geringe Erkenntnisqualität haben. Ein Patent kann wirtschaftlich nützlich sein und dennoch systemisch riskant. Eine Replikationsstudie kann wenig glamourös wirken und trotzdem hohe Systemwirkung haben, weil sie eine falsche Therapie, Technologie oder Politikannahme korrigiert.

Darum braucht wirkungsorientierte Forschung eine mehrdimensionale Bewertung. Sie fragt nicht nur: Was lässt sich sofort verwerten? Sie fragt: Erhöht diese Forschung Verständnis? Verbessert sie Methoden? Erzeugt sie Datenqualität? Öffnet sie neue Fragen? Macht sie Risiken sichtbar? Ermöglicht sie spätere Innovation? Stärkt sie Mündigkeit, Kritikfähigkeit oder demokratische Orientierung? Verhindert sie falsche Investitionen? Schafft sie Grundlagen für Mensch, Planet und Demokratie?

Diese Fragen schützen Grundlagenforschung vor der Kurzfristigkeit des Marktes. Sie schützen sie aber auch vor einer falschen Unantastbarkeit. Grundlagenforschung braucht Freiheit, aber sie steht nicht außerhalb gesellschaftlicher Verantwortung. Auch Grundlagenforschung kann Risiken erzeugen, etwa bei Dual Use, Biosicherheit, KI, Überwachungstechnologien, Materialforschung, synthetischer Biologie oder militärischer Anschlussfähigkeit. Die Antwort darauf ist nicht, Grundlagenforschung zu ersticken. Die Antwort ist verantwortliche Freiheit: gute Ethikprüfung, transparente Risiken, Schutzräume für offene Forschung und klare Grenzen dort, wo absehbare Schäden erheblich sind.

Forschung nach Wirkung heißt daher nicht Forschung nach sofortigem Nutzen. Sie heißt Forschung nach verantwortbarer Langzeitwirkung.

87.2 Interdisziplinarität und Systemfragen

Die wichtigsten Fragen des 21. Jahrhunderts passen nicht in einzelne Disziplinen.

Klima ist nicht nur Meteorologie. Es ist Physik, Chemie, Ökologie, Landwirtschaft, Energie, Ökonomie, Recht, Migration, Gesundheit, Stadtplanung, Versicherung, Politik und Kommunikation. Gesundheit ist nicht nur Medizin. Sie ist Biologie, Ernährung, Wohnen, Arbeit, Umwelt, Pflege, Einsamkeit, Bildung, Einkommen, Stadtgrün, Daten und Vertrauen. KI ist nicht nur Informatik. Sie ist Mathematik, Energie, Ethik, Recht, Arbeit, Bildung, Öffentlichkeit, Psychologie, Sicherheit, Kapital und Demokratie. Pflege ist nicht nur Sozialwesen. Sie ist Medizin, Beziehung, Zeit, Arbeitsmarkt, Demografie, Finanzierung, Technologie, Würde und Familienstruktur.

Komplexe Probleme sind nicht disziplinlos. Sie sind mehrdisziplinär.

Die Wirkungsökonomie macht Interdisziplinarität deshalb nicht zur Dekoration, sondern zur Bedingung. Das Grundlagenpapier formuliert diese Verschiebung bereits deutlich: Interdisziplinäre Forschung soll Normalfall statt Ausnahme werden; Transdisziplinarität rückt in den Vordergrund, weil gesellschaftliche Akteure, Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft an Problemlösungen beteiligt werden müssen; Ziel ist nicht nur Erklärung, sondern die Gestaltung wirksamer Lösungen und Innovationen [I-K87-2; I-K87-3].

Aber Interdisziplinarität wird leicht missverstanden.

Sie bedeutet nicht, dass Disziplinen verschwinden. Sie bedeutet nicht, dass jede Person alles können muss. Sie bedeutet nicht, dass wissenschaftliche Standards durch Meinungsvielfalt ersetzt werden. Sie bedeutet auch nicht, dass Praxisakteure über Wahrheit abstimmen. Interdisziplinarität bedeutet: Jede Disziplin bringt ihre Methode, ihre Strenge und ihre blinden Flecken ein, damit ein Systemproblem nicht durch eine Fachlogik allein verengt wird.

Physik zeigt Grenzen von Energie, Material, Entropie, Messung und Realität. Biologie und Ökologie zeigen Leben, Regeneration, Interdependenz, One Health, Biodiversität und Kipppunkte. Medizin und Gesundheitswissenschaften zeigen Prävention, Krankheit, Versorgung, mentale Gesundheit, Epidemiologie und soziale Determinanten. Material- und Ingenieurwissenschaften zeigen Kreislauffähigkeit, Sicherheit, Skalierung, Lebensdauer und technische Machbarkeit. Energieforschung zeigt Infrastruktur, Speicher, Netze, Resilienz, Verbrauch, Wirkungsgrad und Systemlast.

Sozialwissenschaften zeigen Ungleichheit, Milieus, Macht, Vertrauen, Zugehörigkeit, Verhalten, Institutionen und Teilhabe. Kultur- und Geisteswissenschaften zeigen Sinn, Sprache, Erinnerung, Deutung, Würde, Narrative, Geschichte und Resonanz. Wirtschaftswissenschaft zeigt Märkte, Preise, Kapital, Anreize, Risiko, Wachstum und Verteilung, muss aber durch die Wirkungsökonomie neu geordnet werden. Rechtswissenschaft zeigt Grundrechte, Verhältnismäßigkeit, Haftung, Verfahren, Schutzpflichten und institutionelle Grenzen. Politikwissenschaft zeigt Macht, Parteien, Institutionen, Öffentlichkeit, Lobbyismus, Konflikt und demokratische Resilienz. Informatik und Datenwissenschaft zeigen Algorithmen, Datenräume, KI, Cyberresilienz, digitale Rechte und technische Anschlussfähigkeit.

Keine dieser Disziplinen kann das Ganze allein erfassen. Aber jede kann einen Teil der Wirklichkeit sichern.

Transdisziplinäre Forschung geht noch einen Schritt weiter. Sie bezieht Praxiswissen ein: Kommunen, Pflegekräfte, Patient:innen, Unternehmen, Landwirt:innen, Schulen, Verwaltungen, Bürgerinitiativen, Reparaturnetzwerke, Gewerkschaften, Kulturorte, Medien, Gerichte, Versicherungen, Banken und Betroffene. Dieses Wissen ist kein Ersatz für wissenschaftliche Methode. Aber es zeigt, ob eine Lösung im wirklichen System trägt.

Eine Klimamaßnahme kann technisch richtig sein und sozial scheitern. Eine digitale Lösung kann effizient sein und vulnerable Menschen ausschließen. Eine Pflegeinnovation kann in Studien gut aussehen und im Alltag des Personals scheitern. Eine Verwaltungsreform kann rechtlich sauber sein und praktisch Blindleistung erzeugen. Eine Bildungsinnovation kann pädagogisch plausibel sein und an Wohnungsnot, Armut oder digitaler Überforderung vorbeigehen.

Transdisziplinarität verhindert solche Blindheit, wenn sie gut gebaut ist. Sie bringt Erfahrungswissen in Forschung ein, ohne Forschung zur Stimmungsabfrage zu machen.

Die Wirkungsökonomie braucht deshalb Systemfragen. Eine Systemfrage lautet nicht: Was kann diese Technologie? Sie lautet: Welche Zustände verändert ihr Einsatz? Eine Systemfrage lautet nicht: Wie effizient ist dieses Verfahren? Sie lautet: Welche Folgewirkungen, Rückkopplungen, Zielkonflikte und Engpässe entstehen? Eine Systemfrage lautet nicht: Welche Disziplin ist zuständig? Sie lautet: Welche Wirkungsräume sind betroffen?

Solche Fragen verbinden Wirkungsrisiko, Messung, Daten, Innovation und Transformation. Forschung wird dann nicht nur Wissensproduktion, sondern Risikofrüherkennung und Möglichkeitsarbeit.

Interdisziplinäre Forschung erzeugt damit nicht weniger Strenge, sondern mehr Wirklichkeitsnähe.

87.3 Forschungsförderung nach Wirkung

Forschungsfinanzierung entscheidet, welche Fragen gestellt werden.

Das ist ihr politischer Kern.

Es ist ein Unterschied, ob Forschungsgeld in Grundlagenforschung, Rüstung, KI, Gesundheit, Pflege, Klimaanpassung, Biodiversität, Batterien, Wasser, Sozialforschung, Geisteswissenschaften, Medienwirkung, Replikation, Forschungssoftware, Materialwissenschaft, Bildung oder industrielle Produktentwicklung fließt. Finanzierung erzeugt nicht nur Forschung. Sie erzeugt Zukunftspfade.

Wirkungsorientierte Forschungsförderung fragt deshalb nicht nur: Wer ist exzellent? Sie fragt: Welche Erkenntnis, welche Methode, welche Lösung, welche Orientierung, welche Prävention, welche Resilienz und welche Freiheit kann durch diese Forschung entstehen?

Das heißt nicht, dass Forschungsförderung politisch gewünschte Ergebnisse bestellen soll. Das wäre der Tod freier Wissenschaft. Forschungsförderung nach Wirkung muss zwei Dinge zugleich können: Richtung setzen und Freiheit schützen.

Richtung ist nötig, weil gesellschaftliche Ressourcen begrenzt sind und die großen Krisen nicht warten. Klima, Biodiversität, Gesundheit, Pflege, Energie, Wasser, Wohnen, Automatisierung, KI, Desinformation, Demokratie, Sicherheit, Materialkreisläufe und soziale Kohäsion brauchen gezielte Forschung. Eine Gesellschaft, die Wirkung ernst nimmt, darf Forschung nicht allein zufällig aus Karriereanreizen, Drittmittelmoden oder industriellen Interessen entstehen lassen.

Freiheit ist nötig, weil Forschung nicht zur Dienstleisterin politischer Tagesziele werden darf. Wissenschaft muss unbequeme Fragen stellen können. Sie muss Förderprogramme kritisieren dürfen. Sie muss negative Ergebnisse veröffentlichen dürfen. Sie muss zeigen dürfen, dass ein politisches Ziel falsch operationalisiert ist, eine Technologie riskanter als gedacht oder ein populäres Programm unwirksam.

Mission-oriented research kann in diesem Spannungsfeld sinnvoll sein. Missionen bündeln Forschung, Innovation, Politik, Praxis und Ressourcen um klare gesellschaftliche Ziele. Horizon Europe beschreibt EU-Missionen als groß angelegte Initiativen mit klaren, zeitgebundenen Zielen zu Herausforderungen wie Klimaanpassung, Krebs, Ozean- und Gewässerwiederherstellung, Bodengesundheit sowie klimaneutralen und smarten Städten; sie bringen Forschende, Politik, Bürger:innen und Stakeholder zusammen, um konkrete Lösungen mit gesellschaftlichem Nutzen zu schaffen [E-K87-2]. Horizon Europe nutzt Missionen, um Forschungsförderung stärker auf klar definierte Ziele auszurichten [E-K87-3; E-K87-4].

Missionen sind wirkungsökonomisch sinnvoll, wenn sie fünf Bedingungen erfüllen.

Erstens müssen sie klar genug sein, um Orientierung zu geben. „Mehr Innovation“ ist keine Mission. „Hitzebedingte Gesundheitsrisiken in Städten senken“, „Pflegeüberlastung durch bessere Infrastruktur verringern“ oder „Materialkreisläufe für bestimmte Produktgruppen schließen“ sind anschlussfähiger.

Zweitens müssen sie offen genug sein, um unterschiedliche Lösungen zu ermöglichen. Mission bedeutet Richtung, nicht Mikromanagement. Der Staat darf nicht vorab festlegen, welche Technologie, welches Unternehmen oder welche Methode gewinnt.

Drittens müssen sie messbar genug sein, um Rückkopplung zu ermöglichen. Ziele brauchen Indikatoren, Zwischenstände, Evaluation und Korrektur.

Viertens müssen sie interdisziplinär und transdisziplinär sein. Eine Mission zu klimaneutralen Städten scheitert, wenn sie nur Energie und Gebäude betrachtet, aber Wohnen, Mobilität, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit, Stadtgrün, Beteiligung und Finanzierung ignoriert.

Fünftens müssen sie wissenschaftliche Freiheit respektieren. Forschung darf die Mission selbst kritisieren, Zielkonflikte offenlegen und zeigen, dass ein scheinbar guter Pfad schlechte Nebenwirkungen erzeugt.

Mission-oriented research ist also nicht Planwirtschaft der Wissenschaft. Sie ist ein Orientierungsrahmen für öffentliche Problemlösungsfähigkeit. Die OECD beschreibt mission-oriented innovation policies als Ansatz, bei dem klare Ziele und Zeitrahmen Wissenschaft, Technologie, Innovation und Regulierung auf komplexe gesellschaftliche Herausforderungen ausrichten; zugleich warnt sie, dass unklare Definitionen und Mission-Washing den Begriff verwässern können [E-K87-5].

Die Wirkungsökonomie kann diese Logik schärfen. Sie fragt bei Forschungsförderung nicht nur nach Output, sondern nach Wirkungspfad: Welche Zustände sollen sich verändern? Welche Daten zeigen Fortschritt? Welche Risiken entstehen? Welche Nebenwirkungen sind möglich? Welche Disziplinen fehlen? Welche Praxisakteure müssen beteiligt werden? Welche Langzeitfolgen sind zu erwarten? Wie wird Replikation finanziert? Wie werden negative Ergebnisse sichtbar? Wie bleibt Wissenschaftsfreiheit geschützt?

Die Arbeitsfassung schlägt dafür konkrete Instrumente vor: Wissenschafts-Wirkungsindikatoren, Forschungs-Scorecards, Open-Science-Pflichten mit Schutzgrenzen, Replikationsfonds, Reform der Forschungsbewertung, Transdisziplinaritätsfonds, Forschungsintegritätsstellen, Interessen- und Finanzierungsregister sowie Science-for-Policy-Strukturen [I-K87-5].

Solche Instrumente dürfen nicht zu neuen Rankings verkommen. Eine Forschungs-Scorecard darf keine flache Rangliste sein. Sie soll sichtbar machen, ob ein Projekt oder Programm Erkenntnisqualität, Reproduzierbarkeit, Datenoffenheit, Interdisziplinarität, gesellschaftliche Relevanz, Langzeitwirkung, Risikobewusstsein und Integrität stärkt.

Damit folgt die Wirkungsökonomie einer wichtigen Reformlinie der Gegenwart. Die OECD weist darauf hin, dass Forschungsbewertung Prioritäten, Ressourcenverteilung und Karrieren prägt und dass enge Leistungsmaße kritische Beiträge wie Zusammenarbeit, Offenheit, gesellschaftliche Wirkung oder Politikunterstützung häufig unterbewerten [E-K87-6]. Genau darum darf Forschung nach Wirkung nicht zu einer neuen Kennzahlenverengung werden. Sie muss Bewertung breiter, qualitativer und kontextsensibler machen.

Forschungsförderung nach Wirkung bedeutet daher: Grundlagen schützen, Replikation finanzieren, Langzeitdaten sichern, Interdisziplinarität ermöglichen, Praxiswissen einbinden, negative Ergebnisse sichtbar machen, Risiken prüfen, Interessenkonflikte offenlegen und Missionsziele setzen, ohne Erkenntnisfreiheit zu opfern.

Eine Forschungsförderung ist nicht gut, weil sie öffentlichkeitswirksam klingt. Sie ist gut, wenn sie Zukunftsfragen, Grundlagen, Methoden, Replikation, Transfer und Unabhängigkeit tragfähig finanziert.

87.4 Risiko, Dual Use und Verantwortung

Forschung öffnet Möglichkeiten. Manche Möglichkeiten sind gefährlich.

Das gilt besonders für Bio, Medizin, KI, Robotik, Materialwissenschaft, Chemie, Energie, Cyber, Satellitentechnik, Drohnen, Neurotechnologie, synthetische Biologie, Datenwissenschaft und Sicherheitsforschung. Eine Erkenntnis kann heilen oder schaden. Eine Technologie kann Versorgung sichern oder Überwachung ermöglichen. Ein Modell kann Forschung beschleunigen oder Manipulation erleichtern. Ein Material kann Kreisläufe stärken oder militärische Dominanz erhöhen. Eine biologische Methode kann Krankheiten bekämpfen oder Missbrauch ermöglichen.

Das nennt man Dual Use.

Dual Use bedeutet nicht, dass Forschung verboten werden muss, sobald sie missbrauchbar ist. Fast jede mächtige Erkenntnis kann missbraucht werden. Ein pauschales Verbot würde Wissenschaft lähmen. Aber Dual Use bedeutet, dass Forschung Verantwortung braucht, bevor Schäden eintreten.

Die Wirkungsökonomie betrachtet Dual Use als Wirkungsrisiko. Nicht die Absicht allein zählt, sondern der Möglichkeitsraum, den Forschung öffnet. Eine Forscherin kann zivile Ziele verfolgen, während ihre Methode später militärisch, repressiv oder kriminell genutzt werden kann. Ein Unternehmen kann Innovation entwickeln, während dieselbe Technologie Überwachung, Diskriminierung oder Gewalt erleichtert. Ein Staat kann Sicherheitsforschung fördern, während demokratische Kontrolle zu schwach bleibt [I-K87-7].

Die Europäische Kommission hat im Januar 2024 ein White Paper zu Optionen für stärkere Unterstützung von Forschung und Entwicklung mit Dual-Use-Potenzial veröffentlicht und ordnet dies im Kontext europäischer wirtschaftlicher Sicherheit ein [E-K87-8]. In den Lebenswissenschaften wird Dual Use Research of Concern als Forschung verstanden, deren Wissen, Informationen, Produkte oder Technologien nach aktuellem Verständnis direkt missbraucht werden könnten, um erhebliche Bedrohungen für öffentliche Gesundheit und Sicherheit, Landwirtschaft, Tiere, Umwelt, Material oder nationale Sicherheit zu erzeugen [E-K87-9].

Wirkungsökonomisch folgt daraus keine pauschale Angstlogik. Es folgt eine Prüfarchitektur.

Eine verantwortliche Forschungsordnung muss mindestens sechs Fragen stellen.

Erstens: Welche positive Wirkung ist möglich? Heilen wir Krankheiten? Senken wir Emissionen? Verbessern wir Pflege? Stärken wir Resilienz? Erhöhen wir Sicherheit? Ermöglichen wir Bildung, Teilhabe, Energiezugang, Kreislaufwirtschaft oder demokratische Orientierung?

Zweitens: Welche negative Wirkung ist möglich? Können Ergebnisse missbraucht werden? Können sie Überwachung, Diskriminierung, Gewalt, biologische Risiken, Cyberangriffe, Manipulation, Machtkonzentration, Umweltfolgen oder soziale Verwundbarkeit verstärken?

Drittens: Wer kann die Forschung nutzen? Nur Fachkreise, Unternehmen, Militär, Staaten, Plattformen, offene Öffentlichkeit, Kriminelle, autoritäre Akteure oder alle zugleich?

Viertens: Wie schnell kann Missbrauch skalieren? Eine wissenschaftliche Methode mit geringen Zugangshürden wirkt anders als eine Technologie, die teure Infrastruktur braucht. KI und digitale Werkzeuge können Missbrauch beschleunigen, weil Kopie, Automatisierung und globale Verbreitung schnell erfolgen.

Fünftens: Welche Schutzmaßnahmen sind verhältnismäßig? Ethikprüfung, gestufte Veröffentlichung, Zugriffsbeschränkungen, Sicherheitsreview, Exportkontrolle, Genehmigungspflichten, Dokumentation, Trainings, Monitoring, institutionelle Verantwortung und internationale Standards.

Sechstens: Wer entscheidet und wer kontrolliert? Dual-Use-Prüfung darf nicht in geheimen Machtzirkeln verschwinden. Sie braucht wissenschaftliche Expertise, Sicherheitskompetenz, Ethik, Recht, demokratische Kontrolle und Schutz der Wissenschaftsfreiheit.

Die Wirkungsökonomie muss hier präzise sein. Verantwortung darf nicht zur Zensur werden. Forschungssicherheit darf nicht zur geopolitischen Willkür werden. Wissenschaftsfreiheit darf nicht unter dem Vorwand diffuser Risiken ausgehöhlt werden. Zugleich darf Offenheit nicht naiv sein. Responsible Open Science heißt: Wissen so offen wie möglich und so geschützt wie nötig organisieren [E-K87-7].

Das betrifft auch Innovation.

Innovation ist nicht automatisch Fortschritt. Schumpeters Idee der neuen Kombinationen, Röpkes unternehmerische Lernperspektive und Kondratieffs Transformationswellen können Entwicklung erklären. Aber wirkungsökonomisch reicht Neuheit nicht. Eine Innovation ist nicht gut, weil sie neu ist. Sie ist gut, wenn sie positive Netto-Wirkung erzeugt, destruktive Pfade ersetzt, Resilienz stärkt, Zukunftsfreiheit erweitert und keine schweren Schäden verdeckt.

Eine KI-Innovation kann Verwaltung entlasten oder Menschen diskriminieren. Eine Biotechnologie kann Krankheit behandeln oder Biosicherheitsrisiken erhöhen. Ein neues Material kann Kreisläufe stärken oder toxische Pfade öffnen. Eine Energieinnovation kann fossile Abhängigkeit senken oder Rohstoffrisiken verlagern. Eine medizinische Innovation kann Leben retten oder Ungleichheit vertiefen, wenn Zugang fehlt. Eine Plattforminnovation kann Bildung ermöglichen oder Suchtmechaniken perfektionieren. Eine Sicherheitsinnovation kann Schutz erhöhen oder Kontrolle normalisieren.

Deshalb braucht Forschung zu Mensch, Planet und Demokratie eine gemeinsame Verantwortungssprache.

Forschung zu Mensch fragt: Verbessert sie Würde, Gesundheit, Bildung, Sicherheit, Selbstwirksamkeit, Pflege, Beziehung, Teilhabe und Lebensqualität? Oder erhöht sie Sortierung, Überwachung, Ausschluss, psychische Belastung, Ausbeutung oder Ungleichheit?

Forschung zu Planet fragt: Stärkt sie Klima, Biodiversität, Wasser, Boden, Ressourcen, Kreisläufe, Regeneration und Resilienz? Oder verschiebt sie Schäden, erzeugt Rebound-Effekte, neue Rohstoffabhängigkeiten oder langfristige ökologische Risiken?

Forschung zu Demokratie fragt: Stärkt sie Wahrheit, Rechtsstaatlichkeit, Diskursfähigkeit, Transparenz, Beteiligung, digitale Selbstbestimmung, Machtbegrenzung und institutionelle Korrektur? Oder erleichtert sie Desinformation, Manipulation, Überwachung, Machtkonzentration, algorithmische Intransparenz oder autoritäre Kontrolle?

Diese Fragen sollen Forschung nicht lähmen. Sie sollen sie wirksamer machen.

Verantwortungsvolle Forschung bedeutet nicht weniger Mut. Sie bedeutet mehr Wirkungsbewusstsein. Sie bedeutet, Risiken früh sichtbar zu machen, ohne Erkenntnisräume zu schließen. Sie bedeutet, Möglichkeiten zu öffnen, ohne Schadenspfade naiv zu ignorieren. Sie bedeutet, Innovation nicht nach Neuheit, sondern nach positiver Netto-Wirkung zu bewerten.

Die Wirkungsökonomie braucht Forschung, die frei genug ist, Wirklichkeit zu erkennen, und verantwortlich genug, ihre eigene Wirkung zu prüfen.

87.5 Wirkungsinnovation als Rekombination

Wirkungsinnovation ist nicht bloße Neuheit. Sie ist die Neukombination vorhandener Ressourcen, Technologien, Materialien, Daten, Institutionen, Kompetenzen und Geschäftsmodelle zur Erhöhung positiver Netto-Wirkung. Sie fragt nicht zuerst, ob etwas neu ist. Sie fragt, welche Zustände sich verbessern, welche Verlustleistung sinkt und ob Mensch, Planet und Demokratie gestärkt werden.

Damit greift die Wirkungsökonomie die Idee der Neukombination auf und löst sie zugleich aus einer reinen Wachstums- oder Marktlogik. Innovation entsteht nicht nur, wenn neue Produkte verkauft werden. Innovation entsteht auch, wenn bestehende Ressourcen besser genutzt, Abfälle zu Input werden, Reparatur statt Neukauf möglich wird, Daten neue Rückkopplung schaffen, Pflege entlastet wird, Verwaltung Blindleistung senkt, Bildung zugänglicher wird oder demokratische Korrektur besser funktioniert.

Wirkungsinnovation kann technologisch sein. Sie kann aber auch organisatorisch, sozial, kulturell, rechtlich, finanziell oder infrastrukturell sein. Eine neue Batterietechnologie kann Wirkungsinnovation sein. Eine offene Reparaturplattform kann es auch sein. Ein neues Pflegemodell, ein kommunaler Hitzeaktionsplan, ein Wirkungsdatenraum, ein besseres Beschaffungsverfahren, ein interoperabler Produktpass, eine Replikationsdatenbank oder eine faire Plattformarchitektur können ebenfalls Wirkungsinnovation sein.

Damit wird Innovation von Technikgläubigkeit getrennt. Eine neue Technologie kann wirkungsschwach sein, wenn sie Energieverbrauch, Abhängigkeit, Diskriminierung oder Ressourcenverbrauch erhöht. Eine unspektakuläre Reparatur-, Rücknahme- oder Organisationslösung kann hohe Wirkleistung erzeugen, wenn sie Lebensdauer verlängert, Risiken senkt oder Kreisläufe ermöglicht.

Wirkungsinnovation entsteht häufig durch Rekombination: vorhandene Materialien mit neuer Kreislauflogik; bestehende Daten mit neuen Schnittstellen; bekannte Technologien mit veränderten Eigentumsmodellen; kommunale Infrastruktur mit Gesundheitsprävention; Energieerzeugung mit Quartiersspeichern; Pflegewissen mit digitaler Entlastung; Wissenschaft mit Praxiswissen; öffentliche Beschaffung mit Wirkungsdaten; Kapital mit Transformationsrisiken; Produktdesign mit Reparierbarkeit.

Diese Rekombination ist wichtig für Wachstum innerhalb planetarer Grenzen. Wachstum entsteht dann nicht durch mehr Entnahme, mehr Verbrauch und mehr Verschleiß, sondern durch bessere Nutzung dessen, was bereits vorhanden ist: Materialien, Energie, Wissen, Infrastruktur, Daten, Kompetenzen, soziale Beziehungen und institutionelle Lernfähigkeit. Die Wirkungsökonomie ersetzt damit nicht Innovation. Sie präzisiert ihren Maßstab.

Wirkungsinnovation ist Innovation mit Richtung. Sie erhöht nicht beliebige Aktivität, sondern Netto-Wirkung. Sie ersetzt Scheinleistung durch Wirkleistung. Sie reduziert Verlustleistung. Sie stärkt Resilienz. Sie erweitert Handlungsmöglichkeiten. Sie erzeugt Zukunftsfähigkeit.

Die Frage lautet daher nicht mehr: Ist es neu? Die Frage lautet: Was verändert es, für wen, mit welchen Nebenwirkungen und mit welcher Wirkung auf Mensch, Planet und Demokratie?

87.6 Zwischenfazit

Wirkungsorientierte Forschung ist keine Verwertungsforschung im engen Sinn. Sie ist Forschung, die Erkenntnisqualität, Langzeitwirkung, Problemlösungsfähigkeit, gesellschaftliche Anschlussfähigkeit und Verantwortung zusammenführt.

Dieses Kapitel hat fünf Linien gezogen.

Erstens: Grundlagenforschung hat lange Wirkungszeiten. Sie darf nicht kurzfristiger Nutzbarkeit untergeordnet werden. Sie erzeugt Erkenntnismöglichkeiten, Methoden, Daten, Modelle, Talente und spätere Zukunftspfade.

Zweitens: Komplexe Systemfragen verlangen Inter- und Transdisziplinarität. Bio, Physik, Medizin, Klima, Material, Energie, Sozialwissenschaft, Kultur, Digitales, Recht, Politik und Ökonomie müssen zusammenarbeiten, ohne ihre fachliche Strenge zu verlieren.

Drittens: Forschungsförderung nach Wirkung braucht Richtung, aber keine Gefälligkeit. Mission-oriented research kann gesellschaftliche Problemlösungsfähigkeit stärken, wenn sie klare Ziele, offene Lösungswege, Evaluation, Interdisziplinarität und Wissenschaftsfreiheit verbindet.

Viertens: Forschung trägt Risiko. Dual Use, Machtkonzentration, Missbrauch, Biosicherheit, KI, Cyber, Überwachung und soziale Nebenwirkungen müssen früh geprüft werden, ohne Wissenschaftsfreiheit zu ersticken.

Fünftens: Wirkungsinnovation ist Rekombination mit Richtung. Sie bewertet Innovation nicht nach Neuheit, sondern danach, ob sie positive Netto-Wirkung erhöht, Verlustleistung senkt, Resilienz stärkt und Mensch, Planet und Demokratie verbessert.

Forschung ist damit eine der wichtigsten Wirkungsquellen der Gesellschaft. Sie erzeugt nicht nur Antworten. Sie erzeugt Möglichkeiten. Sie macht Zukunft denkbar, prüfbar und gestaltbar.

Die nächste Frage lautet: Wie verändern sich die einzelnen Disziplinen selbst, wenn Wirkung zur Leitfrage wird?

Diese Frage führt zu Kapitel 88: Disziplinen im Wirkungswechsel.

Endnoten und Quellen zu Kapitel 87

Interne WÖk-Quellen

[I-K87-1] Weber, Natalie: Grundlagenpapier Wirkungsökonomie WÖk, 2025, Abschnitt „Wissenschaftstheoretischer Ausblick“. Grundlage für die These, dass die Wirkungsökonomie Wissen nicht länger nur als Selbstzweck oder disziplinären Fortschritt versteht, sondern an seiner Wirkung für Gesellschaft, Umwelt und Gemeinwohl misst; außerdem für die Erweiterung von Evidenz um gesellschaftliche Resonanz, Systemeffekte und transdisziplinäre Anschlussfähigkeit.

[I-K87-2] Weber, Natalie: Grundlagenpapier Wirkungsökonomie WÖk, 2025, Abschnitte zu Inter- und Transdisziplinarität. Grundlage für interdisziplinäre Forschung als Normalfall, für gesellschaftliche Akteure, Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft als Co-Forschende und für das Ziel, nicht nur Zusammenhänge zu erklären, sondern wirksame Lösungen und Innovationen zu gestalten.

[I-K87-3] Weber, Natalie: Grundlagenpapier Wirkungsökonomie WÖk, 2025, Abschnitt „Systemische Dynamik und Wechselwirkungen“. Grundlage für Interdisziplinarität, Emergenz, Systemintelligenz und Netzwerke als Innovationsmotoren sowie für die Aussage, dass die Wirkungsökonomie ihre transformative Kraft im Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Bildung, Medien und Zivilgesellschaft entfaltet.

[I-K87-4] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Arbeitsfassung 2026, Abschnitt zu Forschung nach Wirkung. Grundlage für die Unterscheidung von Erkenntniswirkung, Systemwirkung und Freiheitswirkung sowie für die Schutzlinie: Forschung nach Wirkung ist kein Auftrag zur Gefälligkeit und keine Unterordnung unter kurzfristige Verwertbarkeit.

[I-K87-5] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Arbeitsfassung 2026, Abschnitt „Instrumente und Umsetzung“. Grundlage für Wissenschafts-Wirkungsindikatoren, Forschungs-Scorecards, Open-Science-Pflichten mit Schutzgrenzen, Replikationsfonds, Reform der Forschungsbewertung, Transdisziplinaritätsfonds, Forschungsintegritätsstellen, Interessen- und Finanzierungsregister sowie Science-for-Policy-Strukturen.

[I-K87-6] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Arbeitsfassung 2026, Abschnitt „Wirkungsökonomische Neubewertung“. Grundlage für die Aussagen, dass Wissenschaft nicht Zitatenschmuck, Forschungsausgabe, Exzellenzwettbewerb, Publikationsproduktion oder Patentschmiede ist, sondern Wahrheits-, Korrektur- und Innovationsinfrastruktur; außerdem für den Maßstab, dass Forschung gut ist, wenn sie Erkenntnis, Prüfung, Lösungskraft, Orientierung oder Freiheit stärkt.

[I-K87-7] Weber, Natalie: Grundlagenpapier Wirkungsökonomie WÖk, 2025, Abschnitte zu Risiken, Nebenwirkungen und kritischer Reflexion. Grundlage für Zielkonflikte, Trade-offs, Komplexität, Wirkungssimulation, Impact Washing, Akzeptanz, Unsicherheit, Dilemmata, Fehlerkultur und lernende Systeme als Schutzbedingungen wirkungsorientierter Steuerung.

[I-K87-8] Weber, Natalie: Systemmodell der Wirkungsökonomie, 2025, Abschnitt „Wirkungskompetenz-Akademie“. Grundlage für Wirkungsmethodik, Wirkungsdaten, KI-Wirkungsmodelle, Ethik der Digitalisierung, systemisches Denken, Open-Science-Training, evidenzbasierte Politikberatung und digitale Souveränität als Ausbildungsfelder wirkungsorientierter Wissenschaft, Technologie und Innovation.

Externe Quellen

[E-K87-1] Vannevar Bush: Science, the Endless Frontier, 1945. Bezugspunkt für den Gedanken, dass staatliche Unterstützung von Grundlagenforschung und wissenschaftlichem Talent langfristig industrielle, medizinische, sicherheitspolitische und gesellschaftliche Innovation ermöglicht.

[E-K87-2] Europäische Kommission: EU Missions in Horizon Europe, Stand 2026. Bezugspunkt für EU-Missionen als groß angelegte Initiativen mit klaren, zeitgebundenen Zielen zu großen Herausforderungen wie Klimawandel, Krebs, Ozeanen, Bodengesundheit und klimaneutralen Städten; außerdem für die Verbindung von Forschung, Politik, Bürger:innen und Stakeholdern zur Entwicklung konkreter Lösungen mit gesellschaftlichem Nutzen.

[E-K87-3] Europäische Kommission: Horizon Europe, Stand 2026. Bezugspunkt für Horizon Europe als EU-Rahmenprogramm, das Forschung und Innovation durch Missionen stärker auf klar definierte Ziele ausrichtet.

[E-K87-4] Europäische Kommission / Mariana Mazzucato: Mission-Oriented Research & Innovation in the European Union, 2018. Bezugspunkt für mission-oriented research and innovation als problemorientierten Ansatz zur Maximierung der Wirkung von Forschungs- und Innovationspolitik.

[E-K87-5] OECD: Mission-oriented innovation, Stand 2026; OECD: Forging New Frontiers in Mission-Oriented Innovation Policies, 2026. Bezugspunkt für mission-oriented innovation policies als Strategie zur Bearbeitung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen mit klaren Zielen und Zeitrahmen, aber auch für die Warnung vor definitorischer Verwässerung und Mission-Washing. OECD: https://www.oecd.org/

[E-K87-6] OECD: Reforming research assessment for better science, 2026. Bezugspunkt für Forschungsbewertung als Steuerungsinstrument für Prioritäten, Ressourcen und Karrieren sowie für die Kritik an engen Leistungsmaßen, die Zusammenarbeit, Offenheit, gesellschaftliche Wirkung oder Politikunterstützung unterbewerten. OECD: https://www.oecd.org/

[E-K87-7] UNESCO: Recommendation on Open Science, 2021/2026. Bezugspunkt für Open Science als internationalen Rahmen, der wissenschaftliches Wissen offen verfügbar, zugänglich und wiederverwendbar machen soll und zugleich inklusive, gerechte und nachhaltige Wissensproduktion betont. UNESCO: https://www.unesco.org/

[E-K87-8] Europäische Kommission: Dual-use technologies - Research and innovation, Stand Februar 2026. Bezugspunkt für das White Paper von Januar 2024 zu Optionen für stärkere Unterstützung von Forschung und Entwicklung mit Dual-Use-Potenzial im Kontext europäischer wirtschaftlicher Sicherheit.

[E-K87-9] National Institutes of Health: Dual Use Research, Stand 2025. Bezugspunkt für Dual Use Research of Concern als Forschung, deren Wissen, Informationen, Produkte oder Technologien nach aktuellem Verständnis direkt missbraucht werden könnten, um erhebliche Bedrohungen für öffentliche Gesundheit, Sicherheit, Landwirtschaft, Tiere, Umwelt, Material oder nationale Sicherheit zu erzeugen.

[E-K87-10] Donald E. Stokes: Pasteur’s Quadrant. Basic Science and Technological Innovation, Brookings Institution, 1997. Bezugspunkt für die Unterscheidung zwischen reiner Grundlagenforschung, reiner Anwendungsforschung und nutzungsinspirierter Grundlagenforschung; anschlussfähig an die wirkungsökonomische Forderung, Grundlagenforschung nicht auf kurzfristige Verwertbarkeit zu reduzieren.

Zentrale Begriffe dieses Kapitels

Wirkung

Wirkung ist die tatsächliche Veränderung von Zuständen.