Teil Das lernende System
Kapitel 21 - Das Wirkungsrad
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Kapitel 21 - Das Wirkungsrad

21.1 Warum ein Rad nötig ist
Die vorherigen Kapitel haben Wirkung als Zustandsveränderung beschrieben, Wirkungspotenzial vom Eintritt tatsächlicher Wirkung getrennt, Handlung und Unterlassen als zwei Formen des Wirkens bestimmt und gezeigt, dass Systeme nicht wie einfache Maschinen reagieren [I-21-1][I-21-2]. Kapitel 18 hat die Wirkungen erster, zweiter und dritter Ordnung eingeführt. Kapitel 19 hat erklärt, warum Gesellschaft, Wirtschaft, Natur, Medien und Demokratie nichttriviale Systeme sind. Kapitel 20 hat gezeigt, dass Systemhebel, Engpässe und Interdependenzen bestimmen, ob eine Maßnahme nur ein Symptom verändert oder die Entscheidungsstruktur des Systems verschiebt [I-21-3].
Das Wirkungsrad verbindet diese Ebenen. Es ist keine neue Kennzahl und kein einzelnes Instrument. Es ist die Grundform, in der die Wirkungsökonomie ihren Ablauf beschreibt: Handlungen verändern Möglichkeitsräume und Zustände. Zustandsveränderungen werden nach ihrer Ordnung gelesen. Sie erhalten systemischen und normativen Wert. Aus dieser Bewertung folgt Lenkung. Lenkung verändert Anreize. Anreize verändern neue Handlungen. Rückkopplung prüft, ob die erwartete Wirkung eingetreten ist und ob die Lenkung korrigiert werden muss [I-21-4].
Das Rad beschreibt damit keine einfache Ursache-Folge-Kette. Es beschreibt eine lernende Rückkopplung. Wirkung steht nicht am Ende eines Prozesses. Sie kehrt in das System zurück.
21.2 Der Ablauf des Wirkungsrads
Das Wirkungsrad besteht aus neun Schritten: Handlung oder Unterlassen, Wirkungspotenzial oder Wirkungsrisiko, eingetretene Zustandsveränderung, Wirkungen erster, zweiter und dritter Ordnung, systemischer Wert, normativer Wert, Wirkungslenkung, veränderte Anreize, neue Handlung sowie Rückkopplung und Lernen [I-21-1][I-21-4].
Diese Reihenfolge ist wichtig. Wirkungspotenzial ist nicht schon Wirkung. Eine Zustandsveränderung ist nicht automatisch positiv. Eine direkte Wirkung ist nicht die ganze Wirkung. Ein systemisch stabilisierender Effekt ist nicht automatisch normativ akzeptabel. Eine Bewertung verändert noch nichts, solange sie keine Folgen für Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung, Recht, Einkommen, Haushalte, Management oder öffentliche Aufmerksamkeit hat [I-21-5].
Das Rad ordnet diese Übergänge. Es zeigt, wo eine Wirkung entstehen kann, wann sie eingetreten ist, wie tief sie reicht, wie sie bewertet wird und wie sie in neue Entscheidungen zurückkehrt.
21.3 Handlung oder Unterlassen
Am Anfang des Rads steht eine Handlung oder ein Unterlassen. Eine Handlung greift in einen Zustand oder Möglichkeitsraum ein. Ein Unternehmen stellt ein Produkt her. Eine Bank finanziert ein Projekt. Eine Kommune saniert ein Gebäude. Eine Plattform ändert eine Reichweitenlogik. Ein Staat beschließt eine Steuer. Eine Person pflegt Angehörige, kauft ein Produkt, teilt eine Information oder beteiligt sich an einer öffentlichen Debatte [I-21-1].
Unterlassen ist die wirkende Form des Nicht-Handelns, wenn Handlung möglich, erwartbar oder verantwortlich gewesen wäre. Eine Lieferkette bleibt ungeprüft. Eine Brücke wird nicht saniert. Eine bekannte Gesundheitsbelastung wird nicht behoben. Eine Plattform lässt Verstärkungsmechanismen laufen, obwohl deren Risiko bekannt ist. Eine Behörde behält ein Verfahren bei, das Zugang verhindert. Auch das verändert Möglichkeitsräume und Zustände [I-21-1][I-21-6].
Das Wirkungsrad beginnt deshalb nicht nur mit aktivem Tun. Es beginnt mit jeder relevanten Entscheidungssituation, in der Handlung oder Nicht-Handlung Folgen für Mensch, Planet oder Demokratie haben kann.
21.4 Wirkungspotenzial und Wirkungsrisiko
Nicht jede Handlung erzeugt sofort messbare Wirkung. Viele Impulse öffnen zunächst einen Möglichkeitsraum. Ein Gesetzesentwurf kann Investitionen verändern, bevor er beschlossen ist. Ein Produktdesign kann Reparatur erleichtern oder verhindern, bevor ein Produkt genutzt wird. Ein politischer Satz kann Erwartungen, Misstrauen oder Zugehörigkeit verschieben, bevor Verhalten messbar wird. Eine neue Steuerklasse kann Beschaffungsentscheidungen vorbereiten, bevor Marktanteile sichtbar sind [I-21-1][I-21-7].
Dieser Raum heißt Wirkungspotenzial. Er beschreibt, was möglich wird. Wirkungsrisiko ist der Teil dieses Potenzials, der auf mögliche negative Zustandsveränderungen verweist. Eine marode Brücke hat Wirkungsrisiko, bevor sie bricht. Eine unsanierte Wohnung hat Wirkungsrisiko, bevor Menschen krank werden. Eine Lieferkette mit ungeprüften Arbeitsbedingungen hat Wirkungsrisiko, bevor ein Skandal öffentlich wird [I-21-6].
Das Rad nimmt Potenzial und Risiko ernst, ohne sie schon als eingetretene Wirkung zu behandeln. Das schützt vor zwei Fehlern. Potenzial wird nicht als Erfolg verbucht. Risiko wird nicht ignoriert, nur weil der Schaden noch nicht eingetreten ist.
21.5 Eingetretene Zustandsveränderung
Wirkung im engeren Sinn liegt vor, wenn sich ein Zustand verändert. Ein Haushalt zahlt weniger Energiekosten. Ein Gebäude verbraucht weniger Energie. Ein Boden regeneriert sich. Ein Produkt verursacht weniger Abfall. Eine Pflegeleistung stabilisiert Gesundheit. Ein Kind erhält besseren Zugang zu Bildung. Eine Plattform reduziert die Reichweite manipulativer Inhalte. Eine Steuer verändert Nachfrage [I-21-1][I-21-8].
An dieser Stelle wird aus Möglichkeit Wirkung. Die Wirkungsökonomie fragt nun nicht nur, ob etwas geschehen ist, sondern welcher Zustand sich verändert hat, für wen, in welchem Raum, mit welcher Datenlage und mit welcher zeitlichen Reichweite.
Eine Zustandsveränderung bleibt aber noch keine vollständige Bewertung. Sie muss nach Tiefe gelesen werden. Deshalb folgt im Rad die Wirkungsordnung.
21.6 Wirkung erster, zweiter und dritter Ordnung
Wirkung erster Ordnung beschreibt die direkte Veränderung. Eine Sanierung senkt Energieverbrauch. Ein Wirkungsaufschlag verteuert ein schädliches Produkt. Eine Pflegeleistung verhindert akute Verschlechterung. Ein Produktpass zeigt neue Information. Diese Ebene ist nah an der Handlung und häufig gut messbar [I-21-9].
Wirkung zweiter Ordnung beschreibt die indirekten Folgen. Die Sanierung senkt Nebenkosten, reduziert Schimmelrisiken und stabilisiert Haushalte. Das verteuerte Produkt verliert Marktanteile. Die Pflegeleistung entlastet Angehörige. Der Produktpass verändert Kaufentscheidungen und Beschaffung. Diese Ebene zeigt, ob Kosten nur verschoben oder Systemlasten gesenkt werden [I-21-9].
Wirkung dritter Ordnung beschreibt die Veränderung der Entscheidungsstruktur. Wenn Sanierung andere Kapitalbewertungen, andere Baupraxis und andere kommunale Prioritäten auslöst, wirkt sie dritter Ordnung. Wenn Wirkungssteuer und Produktpass den Wettbewerb so verändern, dass bessere Netto-Wirkung wirtschaftlich vorteilhaft wird, wirkt der Markt anders. Wenn öffentliche Kommunikation nicht nur einzelne Aussagen verändert, sondern den Resonanzraum von Wahrheit, Vertrauen und Demokratie neu ordnet, wirkt sie dritter Ordnung [I-21-9][I-21-10].
Das Rad führt diese drei Ordnungen zusammen. Direkte Wirkung zeigt den ersten Effekt. Indirekte Wirkung zeigt Anschlussfolgen. Systemische Wirkung zeigt, ob die Bedingungen künftiger Entscheidungen anders werden.
21.7 Systemischer Wert
Nach der Wirkungsordnung folgt die Einordnung des systemischen Werts. Systemischer Wert fragt, welche Bedeutung eine Zustandsveränderung für Stabilität, Resilienz, Funktionsfähigkeit, Risiko, Abhängigkeit, Folgekosten und künftige Handlungsfähigkeit hat [I-21-2][I-21-3].
Eine Maßnahme kann direkten Nutzen erzeugen und trotzdem systemisch schwach sein. Eine Preisbremse kann Haushalte entlasten und zugleich falsche Verbrauchssignale verlängern. Eine Subvention kann kurzfristig helfen und einen schädlichen Pfad stabilisieren. Ein Produkt kann Käufer:innen nutzen und Lieferkettenrisiken vergrößern. Ein digitales Angebot kann Effizienz erhöhen und Abhängigkeit von Plattformen verstärken.
Systemischer Wert bewertet deshalb nicht nur den unmittelbaren Effekt. Er fragt, ob eine Wirkung Risiken senkt, Abhängigkeiten reduziert, Rückkopplungen verbessert, Engpässe bearbeitet oder neue Fehlanreize erzeugt. Diese Einordnung ist die Brücke zwischen einzelner Wirkung und Systemarchitektur.
21.8 Normativer Wert
Systemischer Wert genügt nicht. Ein System kann stabilisiert werden, ohne Mensch, Planet und Demokratie zu stärken. Ein autoritäres System kann Ordnung herstellen und zugleich Freiheit zerstören. Ein Markt kann effizient sein und dennoch Menschen ausbeuten. Ein Algorithmus kann Reichweite optimieren und Wahrheit beschädigen. Eine Strategie kann Emissionen senken und soziale Spaltung erhöhen [I-21-11].
Der normative Wert fragt deshalb, ob eine Wirkung an Mensch, Planet und Demokratie akzeptabel und erwünscht ist. Mensch steht für Würde, Gesundheit, Sicherheit, Teilhabe, Bildung, Care, Freiheit und Lebensqualität. Planet steht für Klima, Biodiversität, Wasser, Boden, Luft, Ressourcen, Kreislauffähigkeit und Regeneration. Demokratie steht für Rechtsstaat, Wahrheit, Öffentlichkeit, Vertrauen, Machtbegrenzung, Teilhabe, institutionelle Integrität und digitale Selbstbestimmung [I-21-11].
Die normative Bewertung verhindert Einseitigkeit. Positive Wirkung in einem Feld kann kritische Schäden in einem anderen Feld nicht automatisch ausgleichen. Genau deshalb gehören Reverse Merit Order und Nichtkompensation später zur Wirkungslenkung [I-21-5].
21.9 Wirkungslenkung
Bewertung bleibt folgenlos, wenn sie nicht in Entscheidungen zurückkehrt. Das Rad führt deshalb von systemischem und normativem Wert zur Wirkungslenkung. Wirkungslenkung übersetzt bewertete Wirkung in Anreize, Regeln, Preise, Steuern, Kapitalzugang, Beschaffung, Haftung, Haushalte, Managemententscheidungen, Einkommen, Bildung oder öffentliche Aufmerksamkeit [I-21-12].
Diese Lenkung ist keine zentrale Vorschrift aller Entscheidungen. Sie verändert die Bedingungen, unter denen dezentrale Entscheidungen getroffen werden. Ein Produkt mit negativer Wirkung kann teurer werden. Ein Produkt mit positiver Wirkung kann entlastet werden. Ein Kredit für regenerative Infrastruktur kann bessere Bedingungen erhalten. Eine öffentliche Beschaffung kann Wirkung nachweisen müssen. Eine Tätigkeit mit hohem gesellschaftlichem Wert kann anders bewertet werden als eine Tätigkeit, die Risiken skaliert [I-21-12][I-21-13].
Das Rad wird an diesem Punkt praktisch. Wirkung wird nicht nur beschrieben. Sie verändert die nächste Entscheidung.
21.10 Veränderte Anreize und neue Handlung
Lenkung verändert Anreize. Veränderte Anreize verändern Entscheidungen. Entscheidungen erzeugen neue Handlungen oder neues Unterlassen. Ein Unternehmen stellt seine Lieferkette um. Ein Hersteller verändert Material, Verpackung oder Reparierbarkeit. Ein Händler bevorzugt Produkte mit besserer Datenlage. Eine Bank bewertet Risiken anders. Eine Kommune priorisiert Sanierung. Ein Haushalt wählt ein Produkt, dessen bessere Wirkung auch preislich sichtbar wird [I-21-4][I-21-13].
Die neue Handlung ist nicht dieselbe Handlung wie am Anfang des Rads. Sie entsteht unter veränderten Bedingungen. Deshalb darf das Bild des Wirkungsrads nicht zweimal denselben Schritt zeigen. Am Anfang steht „Handlung oder Unterlassen“. Später steht „neue Handlung“. Die erste Handlung erzeugt Potenzial oder Zustandsveränderung. Die neue Handlung reagiert auf veränderte Anreize und beginnt die nächste Runde.
Diese Unterscheidung ist für die Grafik wichtig. Das Rad muss zeigen: Die zweite Handlung ist Ergebnis von Rückkopplung, nicht Wiederholung des Ausgangspunkts.
21.11 Rückkopplung und Lernen
Rückkopplung prüft, ob erwartete Wirkung eingetreten ist. Sie fragt, welche Wirkungen erster, zweiter und dritter Ordnung sichtbar wurden, welche Nebenwirkungen entstanden, welche Daten unsicher waren, welche Gruppen entlastet oder belastet wurden und welche Anreize zu stark, zu schwach oder falsch gesetzt waren [I-21-4][I-21-14].
Ohne Rückkopplung wird Wirkungsmessung Bericht. Mit Rückkopplung wird sie Steuerung. Wenn eine Wirkungssteuer ein Produkt verteuert, muss geprüft werden, ob Nachfrage sinkt, ob Alternativen verfügbar sind, ob soziale Belastungen entstehen, ob Unternehmen ausweichen, ob Daten manipuliert werden oder ob die Zielwirkung erreicht wird. Wenn eine Beschaffungsregel positive Wirkung bevorzugt, muss geprüft werden, ob sie kleine Anbieter überlastet oder ob Standards ausreichend klar sind. Wenn ein Produktpass Wirkung sichtbar macht, muss geprüft werden, ob Menschen ihn verstehen und ob Preise die bessere Entscheidung ermöglichen [I-21-5][I-21-12].
Lernen heißt nicht, jede Bewertung sofort zu ändern. Lernen heißt, Annahmen, Indikatoren, Datenquellen, Gewichtungen, Schwellen, Benchmarks und Lenkungsfolgen regelmäßig zu prüfen. Die Wirkungsökonomie bleibt dadurch korrigierbar.
21.12 Die drei Ringe des Wirkungsrads
Das Wirkungsrad lässt sich in drei Ringen darstellen. Der innere Ring ist der normative Bezugspunkt: Mensch, Planet und Demokratie. Ohne diesen Ring würde das Rad Wirkung zwar verfolgen, aber keinen Maßstab besitzen [I-21-11].
Der mittlere Ring ist der Prozess: Handlung oder Unterlassen, Wirkungspotenzial oder Wirkungsrisiko, Zustandsveränderung, Wirkungsordnung, systemischer Wert, normativer Wert, Wirkungslenkung, veränderte Anreize, neue Handlung, Rückkopplung und Lernen. Dieser Ring beschreibt, wie Wirkung entsteht und in neue Entscheidungen zurückkehrt [I-21-4].
Der äußere Ring sind die Instrumente: WÖk-IDs, Scorecards, Reverse Merit Order, T-SROI, Wirkungssteuer, Wirkungssteuerkonto, digitale Produktpässe, Wirkungsdatenräume, öffentliche Beschaffung, Kapitalbewertung, Wirkungsberichte und Wirkungsrat [I-21-5][I-21-12][I-21-14][I-21-15].
Diese drei Ringe dürfen nicht verwechselt werden. Mensch, Planet und Demokratie sind der Maßstab. Das Rad ist die Prozesslogik. Die Instrumente sind Werkzeuge. Wenn Werkzeuge den Maßstab ersetzen, droht Technokratie. Wenn der Maßstab ohne Werkzeuge bleibt, bleibt Wirkung folgenlos. Wenn der Prozess fehlt, entsteht eine Sammlung einzelner Maßnahmen ohne Lernfähigkeit.
21.13 Beispiel: Der Apfel im Wirkungsrad
Ein Apfel zeigt das Rad in einfacher Form. Die Handlung ist die Entscheidung eines Händlers, welche Äpfel eingekauft werden. Ein regionaler Bio-Apfel und ein importierter Apfel aus einer Wasserstressregion liegen im selben Regal, haben aber unterschiedliche Wirkungsprofile [I-21-16].
Das Wirkungspotenzial liegt in der Verschiebung von Nachfrage, Beschaffung und Produktionsanreizen. Die eingetretene Zustandsveränderung erster Ordnung zeigt sich in Transport, Wasserverbrauch, Pestizideinsatz, Lagerung, Arbeitsbedingungen und Emissionen. Die zweite Ordnung betrifft regionale Wertschöpfung, Wasserhaushalt, Bodenqualität, Biodiversität, Gesundheitsrisiken und Lieferkettenentscheidungen. Die dritte Ordnung entsteht, wenn Produktpass, Scorecard, Steuerklasse und Preisrückkopplung den Wettbewerb verändern [I-21-16][I-21-17].
Der systemische Wert fragt, ob die Entscheidung Ressourcenstress senkt, regionale Versorgung stärkt und Folgekosten reduziert. Der normative Wert fragt, ob Mensch, Planet und Demokratie gestärkt werden. Die Wirkungslenkung übersetzt die Bewertung in Preis, Steuerklasse oder Wirkungspunkte. Der neue Anreiz verändert Einkauf, Angebot und Kaufentscheidung. Rückkopplung prüft, ob die erwartete Wirkung tatsächlich eintritt.
Der Apfel ist damit kein kleines Beispiel. Er zeigt die ganze Logik des Rads: Wirkung entsteht im Produkt, in der Lieferkette, im Preis, im Kauf, im Markt und in der Rückkopplung.
21.14 Was das Rad nicht ist
Das Wirkungsrad ist keine Rechenmaschine, die gesellschaftliche Entscheidungen automatisch ersetzt. Es ist auch kein Kontrollmodell für private Lebensführung. Bewertet werden Wirkungsträger, Produkte, Strukturen, Tätigkeiten, Kapitalflüsse, Institutionen, Regeln und Entscheidungen, nicht Menschen als Personen [I-21-18].
Das Rad behauptet nicht, jede Wirkung im Voraus exakt zu kennen. Es macht Unsicherheit sichtbar und zwingt zu Korrektur. Es ersetzt politische Debatte nicht. Es ordnet sie. Es ersetzt Märkte nicht. Es macht ihre Signale wahrheitsfähiger. Es ersetzt Recht nicht. Es ergänzt Recht um Wirkungsrückkopplung. Es ersetzt Demokratie nicht. Es verlangt demokratische Kontrolle der Wirkungslogik [I-21-15][I-21-18].
Damit bleibt das Rad offen genug für komplexe Systeme und präzise genug für Steuerung.
21.15 Zwischenfazit
Das Wirkungsrad ist die Prozessarchitektur der Wirkungsökonomie. Es beginnt mit Handlung oder Unterlassen. Es erkennt Wirkungspotenzial und Wirkungsrisiko. Es prüft eingetretene Zustandsveränderung. Es unterscheidet Wirkungen erster, zweiter und dritter Ordnung. Es ordnet systemischen Wert und normativen Wert. Es führt Bewertung in Wirkungslenkung zurück. Es verändert Anreize. Es erzeugt neue Handlungen. Es lernt durch Rückkopplung.
Damit unterscheidet sich die Wirkungsökonomie von bloßer Berichterstattung. Sie will Wirkung nicht nur sichtbar machen. Sie will die Rückkopplung so ordnen, dass bessere Wirkung wahrscheinlicher wird und schlechte Wirkung ihren versteckten Vorteil verliert.
Die nächste Frage lautet: Wie kehrt bewertete Wirkung konkret in Entscheidungen zurück, ohne Freiheit durch zentrale Kontrolle zu ersetzen?
Diese Frage führt zu [Kap. 22]: Wirkungslenkung.
Endnoten und Quellen zu Kapitel 21
Interne WÖk-Quellen
[I-21-1] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands. Begründung und Grundlagen der Wirkungsökonomie, Arbeitsfassung, Kapitel 10 bis 13, 2025/2026. Grundlage für Wirkung, Wirkungspotenzial, Handlung, Unterlassen, Wirkungsträger, Wirkungsempfänger und Wirkungsräume.
[I-21-2] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands. Begründung und Grundlagen der Wirkungsökonomie, Arbeitsfassung, Kapitel 14 und 15, 2025/2026. Grundlage für systemischen Wert, normativen Wert und die Bewertung an Mensch, Planet und Demokratie.
[I-21-3] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands. Begründung und Grundlagen der Wirkungsökonomie, Arbeitsfassung, Kapitel 18 bis 20, 2025/2026. Grundlage für Wirkungsordnungen, nichttriviale Systeme, Systemhebel, Engpässe und Interdependenzen.
[I-21-4] Weber, Natalie: Die Wirkungsökonomie - ein lernendes Kreislaufsystem zur Steuerung von Wirtschaft und Gesellschaft durch Wirkung, 2025. Grundlage für das Wirkungsrad als Kreislauf aus Handlung, Wirkung, Bewertung, Lenkung, Anreiz, neuer Handlung, Rückkopplung und Lernen.
[I-21-5] Weber, Natalie: Technische Leitlinien zum Wirkungssteuergesetz (WUStG) - Vollversion Extended, August 2025; Weber, Natalie: WÖk Master Items final v1.2, 2025. Grundlage für WÖk-IDs, Scorecards, Archetypen, Benchmarks, Datenqualitätsklassen, Prüflogik und technische Umsetzung.
[I-21-6] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands. Begründung und Grundlagen der Wirkungsökonomie, Arbeitsfassung, Kapitel 23 „Wirkungsrisiko und Wirkungsresilienz“, 2025/2026. Grundlage für Wirkungsrisiko, Frühwarnlogik, Prävention und Resilienz.
[I-21-7] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Arbeitsfassung, Kapitel 76 und Kapitel 90, 2025/2026. Grundlage für Sprache, Tonalität, Frames, Plattformlogik, Öffentlichkeit und demokratisches Wirkungspotenzial.
[I-21-8] Weber, Natalie: Working-Paper Wirkungssteuergesetz (WStG). Mit Kommentaren und Begründungen, Stand 8. Oktober 2025, § 3. Grundlage für Wirkung als nachweisbare Veränderung ökologischer, sozialer oder demokratischer Systembedingungen.
[I-21-9] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Arbeitsfassung, Kapitel 18 „Wirkungsordnungen“, 2025/2026. Grundlage für Wirkung erster, zweiter und dritter Ordnung.
[I-21-10] Weber, Natalie: Systemmodell der Wirkungsökonomie. Die systemische Ordnungskarte Mensch-Planet-Demokratie, 2025. Grundlage für Medien, Öffentlichkeit, Kapital, Staat, Wirtschaft, Gesundheit, Kultur und Wissen als verbundene Wirkungsräume.
[I-21-11] Weber, Natalie: Leitbild für Mensch, Planet und Demokratie, Oktober 2025; Weber, Natalie: Systemmodell der Wirkungsökonomie, 2025. Grundlage für den normativen Maßstab Mensch, Planet und Demokratie.
[I-21-12] Weber, Natalie: Working-Paper Wirkungssteuergesetz (WStG). Mit Kommentaren und Begründungen, Stand 8. Oktober 2025, §§ 1 bis 9. Grundlage für Wirkung als steuerliche Steuerungsgröße, Bonus-/Malus-Logik, Nichtkompensation, Wirkungssteuerkonto und Rückkopplung.
[I-21-13] Weber, Natalie: WP_Produkte - Produktbesteuerung durch Wirkung, 2025; Weber, Natalie: Wirkungsökonomie in der Lieferkette, September 2025. Grundlage für Produktpass, Lieferkettenwirkung, Vorsteuerlogik, Scorecards und Marktanreize.
[I-21-14] Weber, Natalie: Whitepaper T-SROI - Der neue Standard für Impact-Controlling in der Wirkungsökonomie, September 2025. Grundlage für Netto-Wirkung, negative Wirkungen, Transformationsmultiplikator, Zeitwirkung, Resilienz und Datenqualität.
[I-21-15] Weber, Natalie: Der Wirkungsrat - Institutionelle Verankerung der Wirkungsökonomie, September 2025. Grundlage für Wirkungsrat, Weiterentwicklung von WÖk-IDs, Benchmarks, Archetypen, Wirkungsberichten, Transparenz und Missbrauchsschutz.
[I-21-16] Weber, Natalie: Beispiel: Automatisierte Einstufung der Wirkungssteuer - Regionaler Apfel vs. Chile-Apfel, 2025. Grundlage für das Apfelbeispiel und die automatische Einstufung über NACE, CSRD-, GRI- und ESRS-Daten sowie Wirkungsfelder.
[I-21-17] Weber, Natalie: Wirkungsökonomie in der Lieferkette, September 2025. Grundlage für FinalScore, Reverse Merit Order, Vorsteuerlogik, Bonuslogik, Konsumententransparenz und Wirkungspunkte.
[I-21-18] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Arbeitsfassung, Glossar und Kapitel zu Wirkungsgovernance, 2025/2026. Grundlage für die Abgrenzung von Wirkungslenkung gegenüber Personenbewertung, Social Credit und sozialer Kontrolle.
Externe Quellen
[E-21-1] Meadows, Donella H.: Thinking in Systems. A Primer, Chelsea Green Publishing, 2008; Meadows, Donella H.: Leverage Points: Places to Intervene in a System, Sustainability Institute, 1999. Anschlussquelle für Rückkopplungen, Verzögerungen, Systemgrenzen und Hebelpunkte. Die Quelle erklärt Systemverhalten; die Wirkungsarchitektur bleibt WÖk.
[E-21-2] von Foerster, Heinz; Pörksen, Bernhard: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker, Carl-Auer, 1999. Anschlussquelle für die Unterscheidung trivialer und nichttrivialer Systeme. Die Quelle erklärt Nichtlinearität; der Maßstab bleibt die Wirkungsökonomie.
[E-21-3] Vester, Frederic: Die Kunst vernetzt zu denken. Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität, dtv, 1999/2002. Anschlussquelle für vernetztes Denken, Wechselwirkungen und Sensitivitätslogik.
Zentrale Begriffe dieses Kapitels
Wirkung
Wirkung ist die tatsächliche Veränderung von Zuständen.
Wirkungspotenzial
Wirkungspotenzial ist die Möglichkeit, dass Wirkung eintreten kann.
Wirkstoff
Wirkstoff ist in der WÖk eine didaktische Analogie für einen Auslöser mit Wirkungspotenzial.
Wirkungsarchitektur
Wirkungsarchitektur ist das Gesamtsystem aus Daten, Regeln, Institutionen, Anreizen, Governance, Kontrolle und Lernen.
Wirkungsrisiko
Wirkungsrisiko ist die Möglichkeit, dass eine Entscheidung negative Wirkung erzeugt oder positive Wirkung verfehlt.