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Teil Unternehmen, Management und Wertschöpfung

Kapitel 44 - Wirkungscontrolling im Unternehmen

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2026-05-21
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Kapitel 44 - Wirkungscontrolling im Unternehmen

Kapitel 43 hat Führung als Gestaltung von Rückkopplung, Verantwortung, Lernfähigkeit und Systemintelligenz beschrieben. Wenn Führung Wirkung ermöglichen soll, braucht sie Informationen, die mehr zeigen als Umsatz, Kosten, Marge und Termine. Sie braucht Daten, die Auskunft darüber geben, welche Zustände ein Unternehmen durch seine Entscheidungen verändert.

Genau hier beginnt Wirkungscontrolling.

Wirkungscontrolling ist die Erweiterung des klassischen Controllings um Wirkung. Es ersetzt Finanzcontrolling nicht. Unternehmen müssen weiterhin Liquidität, Kosten, Ergebnis, Investitionen, Risiken und operative Leistung steuern. Doch diese Größen reichen nicht aus, wenn ein Unternehmen als Wirkungssystem verstanden wird. Ein Unternehmen kann seine finanziellen Ziele erreichen und zugleich negative Wirkung erzeugen. Es kann aber auch positive Wirkung erzeugen und wirtschaftlich tragfähig bleiben, wenn Wirkung früh genug in Entscheidungen eingeht [I-K44-1][I-K44-2].

Wirkungscontrolling beginnt dort, wo Daten nicht nur berichtet, sondern in unternehmerische Entscheidungen zurückgeführt werden.

44.1 KPI versus KII

KPI steht für Key Performance Indicator. KPIs messen Leistung im klassischen Unternehmenssinn: Umsatz, Gewinn, Marge, Cashflow, Durchlaufzeit, Marktanteil, Produktivität, Kundenzufriedenheit, Lieferfähigkeit, Reklamationen oder Kapitalrendite. Solche Kennzahlen sind notwendig. Sie zeigen, ob ein Unternehmen wirtschaftlich handlungsfähig bleibt. Sie beantworten aber nicht die ganze Frage der Wirkung [I-K44-3].

KII steht für Key Impact Indicator. Ein KII misst nicht nur, ob ein Prozess effizient oder profitabel ist, sondern welche Zustandsveränderung durch eine Handlung, ein Produkt, eine Organisationseinheit oder eine Entscheidung entsteht. Ein KII kann Emissionen, Wasserstress, Living-Wage-Abdeckung, Arbeitsunfälle, Produktsicherheit, Kreislauffähigkeit, Lieferkettenrisiken, Datenqualität, Datenschutz, demokratische Transparenz, Resilienz, Gesundheitswirkung, Teilhabe oder die Reduktion negativer Systemkosten sichtbar machen [I-K44-3][I-K44-4].

Der Unterschied ist nicht sprachlich, sondern methodisch. Ein KPI fragt: Wie leistungsfähig ist der Prozess aus Sicht des Unternehmens? Ein KII fragt: Welche Wirkung erzeugt der Prozess im Wirkungsraum?

Ein Einkauf kann einen sehr guten KPI erreichen, wenn er Kosten senkt. Der KII kann jedoch zeigen, dass diese Senkung über schlechtere Arbeitsbedingungen, höhere Lieferkettenrisiken oder geringere Resilienz erkauft wurde. Eine Produktion kann hohe Effizienzwerte erreichen. Der KII kann zeigen, dass Wasserverbrauch, Energieintensität oder Abfallwirkung problematisch bleiben. Eine Kommunikationsmaßnahme kann Reichweite steigern. Der KII kann zeigen, ob Vertrauen, Orientierung oder demokratische Resonanz gestärkt oder beschädigt werden. Ein Personalprogramm kann Fluktuation senken. Der KII kann zeigen, ob psychische Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Arbeitsgesundheit tatsächlich wachsen.

KPI und KII stehen nicht gegeneinander. Sie müssen verbunden werden. Ein Unternehmen braucht finanzielle und operative Leistungsfähigkeit, aber es darf Leistung nicht mit Wirkung verwechseln. Wenn KPIs ohne KIIs gesteuert werden, kann ein Unternehmen gut aussehen und schlechte Wirkung erzeugen. Wenn KIIs ohne KPIs gesteuert werden, kann Wirkung behauptet werden, ohne wirtschaftliche Tragfähigkeit zu sichern.

Wirkungscontrolling verbindet beide Perspektiven. Es fragt, ob wirtschaftliche Leistung echte Wirkleistung ermöglicht oder ob sie Scheinleistung, Blindleistung oder Verlustleistung erzeugt. Damit werden KPIs nicht abgeschafft, sondern in eine höhere Entscheidungslogik eingeordnet.

44.2 Scorecards im Management

Scorecards übersetzen Wirkungsdaten in nachvollziehbare Bewertung. Der methodische Teil hat ihre Grundlage erklärt. Im Unternehmen werden sie zu Managementinstrumenten, wenn sie nicht nur an Berichte angehängt, sondern in Entscheidungen eingebaut werden.

Eine Scorecard im Management beantwortet nicht die Frage, ob ein Unternehmen gut ist. Sie beantwortet, welche Wirkung ein Geschäftsbereich, eine Investition, eine Produktlinie, ein Standort, ein Projekt, eine Beschaffungskategorie oder eine Organisationseinheit in definierten Wirkungsfeldern erzeugt. Sie ordnet Daten, Benchmarks, Wirkungsklassen, Unsicherheiten und kritische Felder so, dass Managemententscheidungen nicht bei Einzelkennzahlen stehen bleiben [I-K44-5].

Im klassischen Management werden Scorecards genutzt, um verschiedene Perspektiven zusammenzubringen: Finanzen, Kund:innen, Prozesse, Lernen und Entwicklung. Die Balanced Scorecard von Kaplan und Norton war dafür ein wichtiger externer Bezugspunkt, weil sie zeigte, dass finanzielle Kennzahlen allein strategische Leistung nicht ausreichend erfassen [E-K44-1]. Die Wirkungsökonomie geht einen anderen Schritt: Sie verbindet Unternehmenssteuerung mit Zustandsveränderung in den Dimensionen Mensch, Planet und Demokratie.

Eine Wirkungs-Scorecard im Management muss mehrere Fragen beantworten. Welche Wirkungsfelder sind für den konkreten Bereich wesentlich? Welche WÖk-IDs und Indikatoren gelten? Welche Datenqualität liegt vor? Welche Benchmarkklasse wird erreicht? Gibt es rote Linien oder kritische Engpässe? Welche Nebenwirkungen treten auf? Welche Wirkung ist direkt, indirekt, verzögert oder systemisch? Welche Entscheidung muss sich daraus verändern?

Damit wird Reporting zur Vorstufe, nicht zum Ziel. Ein Nachhaltigkeitsbericht kann externe Transparenz herstellen. Eine Management-Scorecard muss interne Entscheidung verändern. Wenn ein Bereich schlechte Werte bei Arbeitsgesundheit, Wasserstress oder Lieferkettenrisiko zeigt, darf das nicht nur in einem Jahresbericht erscheinen. Es muss in Beschaffung, Investition, Personal, Produktentwicklung, Risiko und Governance ankommen.

Scorecards im Management müssen deshalb Teil der Regelkommunikation werden: in Strategiegesprächen, Investitionsvorlagen, Projektfreigaben, Produktentwicklungsentscheidungen, Lieferantengesprächen, Risikoberichten und Vorstandsunterlagen. Nicht jede Sitzung braucht alle Wirkungsdaten. Aber relevante Entscheidungen brauchen die relevanten Wirkungsinformationen.

Sonst bleibt Scorecard-Logik Dekoration.

44.3 T-SROI im Controlling

44.3 T-SROI im Controlling

T-SROI wurde im methodischen Teil als Kennzahl für Transformationswirkung und systemische Hebelwirkung eingeführt. Im Unternehmenscontrolling erhält er eine klare Funktion: Er hilft, Projekte, Investitionen und Geschäftsfelder nicht nur nach finanzieller Rendite und nicht nur nach operativer Netto-Wirkung, sondern nach Transformationskraft zu priorisieren.

Dafür muss die Trennung zum NWI erhalten bleiben. Der NWI zeigt, welche Netto-Wirkung ein Produkt, Projekt, Geschäftsbereich oder Unternehmen erzeugt. Er ist die operative Wirkungskennzahl. Der T-SROI fragt danach, ob auf dieser Grundlage ein Systempfad verändert wird: durch neue Infrastruktur, neue Standards, neue Lieferketten, Kapitalumlenkung, Resilienzgewinn, Diffusion oder strukturelle Marktveränderung [I-K44-6].

Im Controlling bedeutet das: Ein Projekt wird zuerst nicht nur gefragt, ob es sich finanziell rechnet, sondern welche Netto-Wirkung es erzeugt. Diese Frage gehört zur Scorecard- und NWI-Logik. Danach stellt sich die zweite Frage: Verändert dieses Projekt einen Transformationspfad? Diese Frage gehört zum T-SROI.

Das Whitepaper T-SROI beschreibt die Nutzung in Unternehmen für Investitionsentscheidungen, Strategieentwicklung und Portfoliosteuerung. In der Projektbewertung ersetzt T-SROI nicht jede finanzielle Rechnung und nicht den NWI. Er ergänzt beide. Der ROI bleibt für finanzielle Tragfähigkeit relevant. Der NWI bleibt für Netto-Wirkung relevant. Der T-SROI macht sichtbar, welche Geschäftsfelder und Investitionen den größten transformativen Beitrag leisten [I-K44-6][I-K44-7].

Für das Controlling ist dies ein Rollenwechsel. Controlling ist nicht mehr nur Zahlenlieferant für Kosten und Gewinn. Es wird zur Übersetzungsstelle zwischen Finanzen, Netto-Wirkung, Transformationswirkung, Risiko und Entscheidung. Es muss sichtbar machen, wenn ein Projekt zwar finanzielle Rendite zeigt, aber negative Netto-Wirkung erzeugt. Es muss ebenso sichtbar machen, wenn ein Projekt finanziell weniger spektakulär wirkt, aber hohe Resilienz, Prävention, Innovation oder systemische Hebelwirkung schafft.

T-SROI im Controlling darf nicht als Formelmagie behandelt werden. Er gehört in Entscheidungsvorlagen, Investitionsrechnungen, Portfoliovergleiche, Transformationsplanung und Risikoabwägung. Er soll nicht nachträglich ein Projekt legitimieren. Er soll vor der Entscheidung zeigen, welche Transformationswirkung plausibel ist, welche Datenqualität vorliegt, welche Unsicherheit besteht, welche Rückkopplung vorgesehen wird und ob die vorgelagerte Netto-Wirkung tragfähig ist.

Damit wird T-SROI zu einem Instrument der Selbstkorrektur. Ein Unternehmen kann erkennen, ob es nur Effizienz steigert oder echte Transformation ermöglicht. Es kann Projekte beenden, die finanziell attraktiv sind, aber negative Netto-Wirkung erzeugen. Es kann Projekte stärken, die langfristige Resilienz und Zukunftsfähigkeit aufbauen.

44.4 Rückkopplung in Entscheidungen

Wirkungscontrolling erfüllt seinen Zweck erst, wenn es Entscheidungen verändert. Daten, KIIs, Scorecards und T-SROI haben nur dann Systemkraft, wenn sie in Strategie, Investitionen, Beschaffung, Produktentwicklung, Personal, Risiko und Governance zurückgeführt werden [I-K44-3][I-K44-7].

In der Strategie bedeutet Rückkopplung: Geschäftsmodelle werden nicht nur nach Marktchancen, sondern nach Netto-Wirkung, Wirkungsrisiko und Transformationsfähigkeit bewertet. Eine Strategie, die Umsatz steigert und zugleich planetare, soziale oder demokratische Risiken erhöht, muss als instabil gelesen werden [I-K44-2].

In Investitionsentscheidungen bedeutet Rückkopplung: Projekte werden nicht nur nach ROI, Kapitalbindung und Amortisation bewertet, sondern nach T-SROI, Negativwirkung, Resilienz und langfristiger Zustandsveränderung. Investitionen mit hoher positiver Netto-Wirkung sollen nicht an kurzfristiger Renditelogik scheitern, wenn sie zentrale Zukunftsfähigkeit schaffen [I-K44-6].

Hier liegt ein typischer blinder Punkt des Unternehmenscontrollings. Prävention ist schwerer sichtbar zu machen als Krisenmanagement. Eine verhinderte Lieferkettenstörung, ein nicht eingetretener Arbeitsunfall, eine vermiedene Reputationskrise, ein stabil gebliebener Standort, ein nicht eskalierter Konflikt, ein nicht entstandener Datenvorfall oder eine rechtzeitig erkannte Qualitätsabweichung erscheinen im Bericht nicht so spektakulär wie eine erfolgreiche Krisenreaktion. Gerade weil Prävention wirkt, fehlt der dramatische Beweis ihres Erfolgs.

Unternehmen belohnen deshalb häufig die sichtbare Feuerwehrleistung stärker als die unsichtbare Vorsorge. Wer eine Krise rettet, bekommt Aufmerksamkeit. Wer sie durch gute Daten, gute Prozesse, gute Lieferantenbeziehungen, gute Führung oder frühe Investitionen verhindert hat, bleibt leicht unsichtbar. Wirkungscontrolling muss diese Verzerrung korrigieren. Es muss nicht nur eingetretene Schäden messen, sondern auch vermiedene Schäden, erhaltene Optionen, gesenkte Verwundbarkeit und stabilisierte Wirkungsräume sichtbar machen.

Frühes Handeln erweitert unternehmerische Optionen. Ein Unternehmen, das rechtzeitig in Datenqualität, Arbeitsgesundheit, Lieferantenentwicklung, Energieeffizienz, Reparierbarkeit, Cybersicherheit oder Vertrauenskultur investiert, kann gestalten. Ein Unternehmen, das wartet, bis Risiken finanziell sichtbar werden, hat weniger Optionen: Notbeschaffung, Rückruf, Reputationsreparatur, Rechtsstreit, Standortschließung, Sonderbudget, Krisenkommunikation. Aus Gestaltung wird Schadensbegrenzung.

Das gilt auch für Kosten. Ursachenbearbeitung ist nicht in jedem Einzelfall billiger, aber systemisch meist günstiger als Symptombehandlung. Eine stabile Lieferantenbeziehung ist günstiger als Produktionsstillstand. Arbeitsgesundheit ist günstiger als Fluktuation, Krankheit und Erschöpfung. Datenintegrität ist günstiger als Bilanzkorrektur, Haftung und Vertrauensverlust. Gute Produktentwicklung ist günstiger als Rückruf, Entsorgung und Imageschaden. Prävention ist deshalb keine weiche Zusatzleistung. Sie ist ein betriebswirtschaftlicher Ausdruck von Wirkleistung.

In der Beschaffung bedeutet Rückkopplung: Preis, Qualität und Lieferzeit reichen nicht aus. Lieferantenwirkung, Menschenrechte, Klima, Wasser, Arbeitsbedingungen, Datenintegrität und Lieferkettenresilienz müssen Teil der Entscheidungsgrundlage werden. Die detaillierte Lieferkettensteuerung folgt später in diesem Teil. Hier reicht der Controlling-Punkt: Beschaffung braucht Wirkungsinformationen, sonst wird Einkauf zur Quelle unsichtbarer Risiken.

In der Produktentwicklung bedeutet Rückkopplung: Wirkung wird nicht erst nach Markteintritt geprüft. Sie gehört in frühe Designentscheidungen. Materialwahl, Nutzungsdauer, Reparierbarkeit, Barrierefreiheit, Datenschutz, Energiebedarf, Gesundheitswirkung und demokratische Nebenwirkungen müssen in die Produktlogik eingehen. Im Controlling geht es hier um die interne Entscheidungsinformation.

In Personalentscheidungen bedeutet Rückkopplung: Arbeitsgesundheit, psychische Sicherheit, Vereinbarkeit, Diskriminierungsfreiheit, Lernfähigkeit und Führungskultur werden nicht als weiche Felder behandelt. Sie sind Wirkungs- und Risikodaten. Das Systemmodell der Wirkungsökonomie nennt Arbeitsgesundheit, psychische Belastung, Vereinbarkeit, Diskriminierungsfreiheit, Diversität, regionale Wirkung, Innovation und demokratische Verantwortung als Felder unternehmerischer Wirkung [I-K44-2].

Im Risikomanagement bedeutet Rückkopplung: Wirkungsrisiko wird Teil der Risikoarchitektur. ESG-Risiken, Lieferkettenrisiken, Klimarisiken, Datenrisiken, Reputationsrisiken, Arbeitsbelastung, Versicherbarkeit und regulatorische Risiken werden nicht getrennt von Wirkung betrachtet. Das spätere Kapitel zu Wirkungsrisiko und Transformation vertieft dies. Hier gilt: Controlling muss Risiko nicht nur finanziell, sondern wirkungsbezogen lesbar machen.

In Governance bedeutet Rückkopplung: Aufsicht, Vorstand, Geschäftsführung und relevante Gremien erhalten nicht nur Finanzberichte, sondern auch Wirkungsinformationen, die Entscheidungen begründen oder infrage stellen können. Ohne Governance-Rückkopplung bleiben KIIs operative Daten ohne Macht. Mit Governance-Rückkopplung werden sie Teil der Unternehmensverantwortung.

Damit zeigt sich der Unterschied zwischen Reporting und Steuerung. Reporting legt offen. Steuerung verändert Entscheidungen. Ein Unternehmen kann hervorragend berichten und schlecht steuern. Es kann aber nicht wirkungsökonomisch steuern, ohne belastbar zu berichten. Reporting ist notwendig, aber nicht ausreichend.

Wirkungscontrolling beginnt dort, wo Reporting in Entscheidung übergeht. Es ist erst dann vollständig, wenn auch der verhinderte Schaden, die erhaltene Option und die vermiedene Krise als Leistung sichtbar werden.

44.5 Bilanz, CAPEX, OPEX und Finanzkommunikation nach Wirkung

Wirkungscontrolling bleibt unvollständig, wenn es nur Managementberichte erweitert. Unternehmen steuern nicht nur über Kennzahlen, sondern über Budgets, Investitionsentscheidungen, Abschreibungen, Kostenstellen, Projektfreigaben, Boni und externe Finanzkommunikation. Wirkung muss daher in die finanzielle Steuerungsarchitektur zurückgeführt werden [I-K44-1].

Eine wirkungsorientierte Bilanz ersetzt keine handelsrechtliche Bilanz. Sie ergänzt sie um eine Managementsicht, die zeigt, welche Vermögenswerte, Prozesse, Produkte und Investitionen positive Netto-Wirkung erzeugen, welche Risiken aufbauen und welche Verlustleistung in Zukunft Kosten, Haftung, Versicherungsprobleme oder Kapitalzugangsrisiken auslösen kann.

CAPEX-Entscheidungen dürfen deshalb nicht nur nach Amortisation, ROI und Kapitalbindung bewertet werden. Eine Maschine, ein Standort, ein Rechenzentrum, eine Produktionslinie oder ein Gebäudesystem verändert Emissionen, Energie, Wasser, Arbeitssicherheit, Lieferketten, Reparaturfähigkeit und Resilienz. Investitionsvorlagen brauchen daher neben der Finanzrechnung eine Wirkungsrechnung: erwartete Netto-Wirkung, kritische Schwachfelder, Datenqualität, Transformationspfad und T-SROI-Bezug.

Auch OPEX muss wirkungsfähig gelesen werden. Betriebskosten zeigen nicht nur Aufwand. Sie zeigen, welche Zustände ein Unternehmen laufend stabilisiert oder beschädigt. Energieeinkauf, Reinigung, Logistik, Verpackung, Wartung, IT-Betrieb, Entsorgung, Dienstleister und Personalprogramme sind operative Wirkungsräume. Wer OPEX nur senkt, kann Blindleistung und Verlustleistung erhöhen. Wer OPEX nach Wirkung steuert, erkennt Prävention, Reparaturfähigkeit, Arbeitsgesundheit, Datenqualität und Resilienz als wirtschaftliche Faktoren.

Finanzkommunikation verändert sich ebenfalls. Investor:innen, Banken und Versicherungen brauchen nicht nur eine Nachhaltigkeitsgeschichte. Sie brauchen belastbare Wirkungslogik: Welche Risiken sind reduziert? Welche Wirkung ist geprüft? Welche negativen Felder wurden nicht kompensiert, sondern bearbeitet? Welche Investitionen erhöhen Systemresilienz? Welche Daten sind auditierbar?

Damit wird Finanzwesen nicht zur moralischen Abteilung. Es wird zur Rückkopplungsschicht. Kapital erhält eine bessere Sprache dafür, ob es Zukunft ermöglicht oder Zukunft verbraucht.

44.6 Zwischenfazit

Wirkungscontrolling erweitert das klassische Controlling. Es ersetzt finanzielle Steuerung nicht, sondern ordnet sie in eine Wirkungslogik ein. KPIs bleiben wichtig, aber sie reichen nicht aus. KIIs machen sichtbar, welche Zustandsveränderungen ein Unternehmen erzeugt. Scorecards übersetzen Wirkungsdaten in Managementbewertung. T-SROI macht Netto-Wirkung, Negativwirkungen und Transformationskraft für Investitionen, Projekte und Portfolios greifbar. Rückkopplung sorgt dafür, dass diese Informationen nicht in Berichten verbleiben, sondern Entscheidungen verändern.

Damit verbindet dieses Kapitel die Messarchitektur aus Teil V mit der Führungslogik aus Kapitel 43 und dem Rad der Wirkungsökonomie. Wirkung wird nicht nur beobachtet. Sie wird zu Entscheidungsinformation.

Ein Unternehmen, das Wirkung nur berichtet, bleibt an der Oberfläche. Ein Unternehmen, das Wirkung in Controlling, Strategie, Investitionen, Beschaffung, Produktentwicklung, Personal, Risiko und Governance einbaut, beginnt zu lernen.

Die nächste Frage lautet: Welche Organisation, Kultur und Verantwortung braucht ein Unternehmen, damit diese Rückkopplung nicht an Silos, Angst, Zuständigkeitslücken oder Machtstrukturen scheitert? Diese Frage führt zu Kapitel 45: Organisation, Kultur und Verantwortung.

Endnoten und Quellen zu Kapitel 44

Interne WÖk-Quellen

[I-K44-1] Weber, Natalie: Grundlagenpapier Wirkungsökonomie, 2025. Grundlage für die Erweiterung von Management, Unternehmensführung, Controlling, Rechnungswesen und Anreizsystemen um Wirkung als Steuerungsgröße sowie für Wirkungstransparenz, Rückkopplung und Lernprozesse.

[I-K44-2] Weber, Natalie: Systemmodell der Wirkungsökonomie. Die systemische Ordnungskarte Mensch-Planet-Demokratie, 2025. Grundlage für Unternehmenswirkung auf Gesellschaft, Arbeitsgesundheit, psychische Belastung, Vereinbarkeit, Diskriminierungsfreiheit, Diversität, regionale Wirkung, Innovation, demokratische Verantwortung und algorithmische Fairness.

[I-K44-3] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Manuskriptfassung 2026, Abschnitt zu Wirkungscontrolling. Grundlage für die Definition von Wirkungscontrolling als Planung, Messung, Bewertung, Steuerung und Rückkopplung unternehmerischer Wirkung auf Mensch, Planet und Demokratie sowie für die Verbindung von KPIs, KIIs, ROI, T-SROI, Produktportfolios, Lieferantenwirkung und Managementvergütung.

[I-K44-4] Weber, Natalie: Die neue Ordnung des Wohlstands, Manuskriptfassung 2026, Abschnitt zu Key Impact Indicators. Grundlage für KII als Wirkungskennzahl in Scorecards und Managementsystemen, für die Abgrenzung zu KPI und für KII-Beispiele wie Produkt-CO2, Wasserstress, Living Wage, Arbeitsunfälle, Reparierbarkeit, Datenpannen, Lieferantenbeschwerden, Steuertransparenz, Versicherbarkeit und demokratische Kommunikationsrisiken.

[I-K44-5] Weber, Natalie: Technische Leitlinien zum Wirkungssteuergesetz (WUStG) - Vollversion (Extended), August 2025; Weber, Natalie: WÖk Master Items final v1.2, 2025. Grundlage für WÖk-IDs, Scorecards, Benchmarks, Indikatorfamilien, Datenquellen, Prüfstatus und Bewertungslogik. In diesem Kapitel nur als methodischer Hintergrund für Management-Scorecards verwendet.

[I-K44-6] Weber, Natalie: Whitepaper T-SROI, 2025. Grundlage für T-SROI als Erweiterung von ROI und SROI, für die Trennung von NWI und T-SROI, für Transformationswirkung, systemische Hebelwirkung, Multiplikatorlogik und Nutzung in Unternehmen, Strategieentwicklung, Investitionsentscheidungen und Portfoliosteuerung.

[I-K44-7] Weber, Natalie: Whitepaper T-SROI, 2025, Abschnitte zu Anwendung und Skalierung. Grundlage für T-SROI in Projektbewertung, strategischer Steuerung, Reporting, Finanzmarkt und öffentlicher Wirkung; hier für Unternehmenscontrolling genutzt.

[I-K44-8] Weber, Natalie: Systemmodell der Wirkungsökonomie, 2025, Abschnitte zu Wirkungskompetenz und T-SROI-Unternehmenswirkung. Grundlage für Wirkungskompetenz, Analysekompetenz, Entscheidungskompetenz, T-SROI als Transformationsmaß sowie Risiko-, Resilienz- und Innovationswirkung in Unternehmenskontexten.

Externe Quellen

[E-K44-1] Kaplan, Robert S.; Norton, David P.: “The Balanced Scorecard - Measures that Drive Performance”, in: Harvard Business Review, January-February 1992; Kaplan, Robert S.; Norton, David P.: The Balanced Scorecard: Translating Strategy into Action, Harvard Business School Press, Boston, 1996. Bezugspunkt für die Erweiterung klassischer Finanzkennzahlen um weitere Steuerungsperspektiven.

[E-K44-2] Horváth, Péter: Controlling, Verlag Franz Vahlen, aktuelle Auflagen. Bezugspunkt für Controlling als Koordination von Planung, Kontrolle, Information und Unternehmenssteuerung.

[E-K44-3] Simons, Robert: Levers of Control: How Managers Use Innovative Control Systems to Drive Strategic Renewal, Harvard Business School Press, Boston, 1995. Bezugspunkt für Management-Control-Systeme, strategische Erneuerung, Grenzen, Überzeugungssysteme und interaktive Steuerung.

[E-K44-4] International Integrated Reporting Council: International Framework, 2021. Bezugspunkt für integriertes Denken, Verbindung von finanziellen und nichtfinanziellen Wertdimensionen sowie Berichterstattung entlang verschiedener Kapitalarten. IFRS Foundation - Integrated Reporting Framework: https://www.ifrs.org/issued-standards/integrated-reporting-framework/

[E-K44-5] COSO: Enterprise Risk Management - Integrating with Strategy and Performance, 2017. Bezugspunkt für die Verbindung von Risiko, Strategie, Performance und Governance, die in der Wirkungsökonomie um Wirkungsrisiken erweitert wird. COSO - Enterprise Risk Management: https://www.coso.org/enterprise-risk-management.

Zentrale Begriffe dieses Kapitels

Wirkungsdaten

Wirkungsdaten machen Zustandsveränderungen, Risiken, Potenziale oder Bewertungsgrundlagen sichtbar.